Lehrte

Tobi Katze begegnet Depressionen mit Humor

Tobi Katze ist Kabarettist - und depressiv.

Tobi Katze ist Kabarettist - und depressiv.

Lehrte. Depression ist ein ernstes Thema. Doch der Autor Tobi Katze bewies bei seiner Lesung in der Alten Schlosserei, dass darüber auch durchaus gelacht werden kann. „Sie müssen verrückt sein, das sie alle hier sind“, freute er sich über die große Besucherzahl und legte gleich temperamentvoll los. Sein Programm sei nur einen Hauch lustig, es dürfe jedoch gelacht werden, ermunterte er das Publikum.

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Im Jahr 2014 sei er mit seiner Krankheit an die Öffentlichkeit gegangen, sagte Katze. Er habe seine Geschichte für die Bühne geschrieben, um etwas positiv weiterzugeben. Zu Anfang aber gab er erst einmal praktische Tipps. Hausärzte seien bei Depressionen zu meiden, so seine Erfahrung, die er sehr bildhaft beschrieb. Denn diese wären auf praktische Krankheiten spezialisiert und reagierten auf seelische Beschwerden etwas hilflos. „Versuchen Sie sich nicht das Leben zu nehmen, wir sehen uns dann in sechs Monaten“, nahm er auch die Wartezeiten bei Therapie-Plätzen auf die Schippe.

In dem Kapitel „Unter der Haut“ schilderte er jedoch den verzweifelten Versuch, sich durch das extreme Abrubbeln mit dem Handtuch nach dem Duschen wieder spüren zu können. „Das Handtuch stahl mir die Haut... mein Herz prügelt mein Hirn... fühle nichts, bin leer.“ So stahlen sich ebenso intensive Zwischentöne in seine Ein-Mann-Show, die er aber immer wieder aufbrach, indem er sich selbst auf die Schippe nahm.

Unter der Überschrift „Risiken oder Nebenwirkungen“ beschrieb er seinen Umgang mit Medikamenten humorvoll. Jetzt habe er seit drei Minuten Antidepressiva genommen und warte und warte – und nichts passiere. Heute nehme er keine mehr, beantwortete er im Anschluss die Fragen aus dem Publikum. Nach drei Jahren tiefenpsychologischer Therapie gehe es ihm im Moment gut, er könne jedoch noch eine Runde vertragen, gab er zu.

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Auch die Reaktion seiner Familie interessierte die Zuhörer. Es sei ein langer Prozess gewesen, so Katze, nach dem anfänglichen Drumherum-Tanzen seien sie inzwischen im Gespräch. Depression sei keine Traurigkeit, es sei eine Krankheit, ein schleichender Prozess, der schwer zu erklären sei, beschrieb er und gab zum Abschluss Angehörigen wertvolle Tipps mit auf den Weg. „Da sein ist gut, zuhören, akzeptieren und ohne Vorwürfe den Betroffenen ernst nehmen“.

Von Susanne Hanke

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