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Lehrte

Villa Nordstern wird zum Kindergarten

Jetzt soll sie endlich saniert werden: Die Villa Nordstern am Rand von Lehrte.

Jetzt soll sie endlich saniert werden: Die Villa Nordstern am Rand von Lehrte.

Lehrte. Auf diese Nachricht haben viele Lehrter seit Jahren sehnlichst gewartet: Die historische Villa Nordstern am südwestlichen Rand der Stadt wird saniert. Der Lehrter Investor und Bauherr Rolf Neumann hat das im Jahr 1892 vom Zementbaron Hermann Manske errichtete, schlossartige Gebäude erworben. Neumann will daraus in den kommenden zwei Jahren einen Kindergarten mit überregionalem Einzugsbereich machen. Er plant außerdem, einen Teil des 42.000 Quadratmeter großen, mit mächtigen Bäumen bewachsene Grundstücks als Bauland zu verkaufen. Insgesamt will der in Lehrte schon durch andere repräsentative Projekte bekannte Investor für Kauf und Sanierung der Villa Nordstern nach eigenen Angaben rund 3,5 Millionen Euro aufbringen.

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„Der Notarvertrag ist in dieser Woche unterschrieben worden, Besitzübergang ist am 1. September“, sagt Neumann knapp. Aber schon zuvor wolle er sich mit Fachleuten der Denkmalschutzbehörde treffen, um Absprachen über die Sanierung und den Erhalt der historischen Bausubstanz zu treffen. Im Oktober will Neumann den aus neuerer Zeit stammenden Anbau abreißen lassen und mit der Entkernung des historischen Gebäudes beginnen. 2020 soll dann der Kindergarten, für den Neumann je zwei Krippen- und zwei Kitagruppen plant, fertig sein.

Auch über das Konzept der Kita hat sich Neumann, der selbst Vater von vier Kindern ist, Gedanken gemacht. „Das wird keine normale Kita. Es soll ein Sport- und Naturkindergarten werden“, sagt er. Er plane dazu einen Lehrpfad samt Schutzhütten im dem parkartigen Gelände und möglicherweise auch eine kleine Turnhalle.

Investor sucht noch einen Kita-Betreiber

Einen Betreiber für die künftige Kita sucht Neumann noch. Allerdings hat er schon Kontakt zum Lehrter SV (LSV) geknüpft. Der größte Sportverein der Stadt hatte vor einiger Zeit mit der Idee aufhorchen lassen, einen eigenen Sportkindergarten mit angegliedertem Kindersportzentrum einzurichten. LSV-Vorsitzender Frank Prüße bezeichnet eine Kooperation mit Neumann am Freitag als „im Bereich des Denkbaren“ und die Idee des Investors als „superspannend“. Noch müsse er aber mit seinem Vereinsvorstand sprechen – und letztlich entschieden die Mitglieder des Vereins, ob man einen oder möglicherweise sogar zwei Sportkindergärten aufbauen wolle, betont Prüße.

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Investor Rolf Neumann

Investor Rolf Neumann

Rolf Neumann hat in Lehrte schon mehrere historische Gebäude gekauft, saniert und vermietet – etwa die Alte Schlosserei auf dem Zuckerfabriksgelände und das Parkschlösschen im Stadtpark. Letzteres stand seinerzeit schon kurz vor dem Abriss, und tausende Lehrter sprachen sich per Unterschriftensammlung für den Erhalt des schmucken Gebäudes ein. Neumann sanierte das Parkschlösschen und hat nun sein Büro dort im Obergeschoss. Zuletzt hat der Lehrter das historische Rittergut in Equord (Kreis Peine) saniert und zu Wohnraum umgebaut. Die Villa Nordstern sei aber sein „bisher größtes Projekt“, sagt er.

Interesse an der Villa hatte Neumann nach eigenem Bekunden schon seit Ende der Neunzigerjahre. Damals hatte der Landkreis Hannover sein dortiges Kinderheim aufgegeben und Neumann sich nach eigenem Bekunden schon die Unterlagen der Villa zusenden lassen. Die Sanierung sei aber damals „noch eine Nummer zu groß“ gewesen, sagt er jetzt. Im Jahr 2004 kauften dann der Geschäftsmann Armin Gutbrot und dessen Sohn Gerald die Villa. Zur erhofften Runderneuerung kam es jedoch, auch durch den Tod des Vaters bedingt, nie.

4000 Lehrter unterschreiben für Erhalt der Villa

Und das verärgerte viele Lehrter, die sich eine Sanierung des historischen Gebäudes wünschten. Immer wieder wurden Rufe nach einer Übernahme der Villa durch die Stadt oder gar nach Enteignung laut. 2013 unterzeichneten rund 4000 Lehrter sogar eine Unterschriftensammlung zum Erhalt des Gebäudes. Denn der Eigentümer hatte seit 2004 nur das Notwendigste an der Villa gemacht, und viele Lehrter befürchteten den Verfall der schmucken Kaiserzeit-Villa. Anschließende Verkaufsversuche des Lehrter Maklers Sebastian Fesser scheiterten nicht allein an der siebenstelligen Preisvorstellungen des Verkäufers, sondern auch an den Plänen potenzieller Käufer, die unter anderem mit Ideen für ein Edelbordell aufwarteten.

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Erst vor rund zwei Monaten sei er an Gerald Gutbrod herangetreten, sagt Neumann nun. Dann sei alles recht schnell gegangen. Die stattliche Investitionssumme will der Investor unter anderem durch den Verkauf mehrerer Baugrundstücke am nördlichen Rand des Villa-Geländes gegenfinanzieren. Dazu sei eine Änderung des Bebauungsplans nötig, was wohl etwa ein Jahr lang dauern werde. Mit den Verantwortlichen im Rathaus, etwa mit Stadtbaurat Christian Bollwein sowie Politikern von CDU, SPD und Grünen habe er bereits gesprochen, sagt Neumann – und überall große Zustimmung für seinen Plan erhalten.

Lieblingspferd und Geisterjäger

Dass anno 1892 im Arbeiter- und Eisebahnerstädtchen Lehrte so etwas wie die Villa Nordstern gebaut wurde, war alles andere als gewöhnlich. Zementfabrikant Hermann Manske, der Lehrte auch das Krankenhaus stiftete, verwirklichte dort einen kaiserzeitlichen Traum von einer bürgerlichen Residenz. Mit Türmchen, Bleikristallfenstern, riesigem Portal, Freitreppe, Eingangshalle, Parkanlage, Stallungen unterirdirschen Gängen, Stuck und insgesamt 1600 Quadratmeter Wohnfläche. Und schließlich taufte er sein privates Prunkschloss auf den Namen seines Lieblingspferdes: Nordstern.

Dass in der Villa Nordstern zur Kaiserzeit rauschenden Feste gefeiert wurden, kann man bei einem Blick auf das Gebäude heute nur noch erahnen. Denn seit rund zwei Jahrzehnten, als der Landkreis Hannover dort sein Kinderheim aufgab, verrottet die Bausubstanz und verwildert das Grundstück. Und es ranken sich schaurige Geschichten um das Gebäude. Etwa jene, dass die Seele eines toten Mädchens des nachts durch die Säle spuke.

Jugendliche und Abenteuerlustige drangen unerlaubt in das Gebäude ein, sogar selbsternannte Geisterjäger gingen dort im jahr 2011 ihrem zweifelhaften Tun nach und suchten erfolglos nach paranormalen Phänomenen. Und im Internetportal Youtube kursieren unter Titeln wie „Spukschloss“ oder „Lost Places“ mehr oder minder schaurige Aufnahmen von illegalen Besuchen in dem Gemäuer.

Der Kommentar: Ein echter Hammer

Da drängt sie die Frage auf: Wer, bitteschön, hätte es denn sonst in die Hand nehmen sollen? Rolf Neumann ist unaufgeregt, bodenständig und kreativ. Er ist Lehrter, und er kennt sich mit aufwändigen Sanierungen aus. Schon das Parkschlösschen, die Alte Schlosserei und allerhand andere historische Gebäude hat er zu Schmuckstücken gemacht. Und wer in den vergangenen Jahren ernsthaft über einen möglichen Investor für die Villa Nordstern nachgedacht hat, kam sicherlich auch auf seinen Namen. Dass Neumann das Millionenprojekt jetzt tatsächlich angeht, ist trotzdem ein echter Hammer. Noch dazu soll aus dem historischen Gebäude etwas werden, was Lehrte gut und gerne haben kann. Kein Luxusdomizil für Reiche, kein Edelbordell, kein Hotel, wie von früheren potenziellen Käufern gewollt, sondern eine Kita mit außergewöhnlichem und überörtlichem Ansatz. Grandiose Idee!

Von Achim Gückel

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