Jeinsen

Kunst als Ausdruck der Vielfalt des Lebens

Diane Heckert präsentiert ihre Bilder im Landgasthaus.

Jeinsen. Für Diane Heckert war die Beschäftigung mit der Kunst das Ende einer körperlichen wie seelischen Lebenskrise und der Beginn für etwas Neues. „Ich brauchte die Veränderung in meinem Leben, um überleben zu können“, sagt die 52-jährige Jeinserin. Dabei wurde Heckert die Nähe zu Pinsel und Farbe und zur Kunst ganz klassisch sozusagen in die Wiege gelegt. „Mein Vater war Anstreicher, und ich habe viel von ihm gelernt“, sagt Heckert. Doch im Erwachsenenleben lag dieses kreative Talent zunächst für einige Jahre brach.

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Stattdessen lies sich Heckert zur Krankenschwester ausbilden und studierte anschließend Pflegemanagement. Dann erkrankte sie 2010 an Krebs. In den folgenden Jahren suchte sie nach einer Ausdrucksform, um diese Krise zu verarbeiten. „Es war ein längerer Prozess. Ich musste erst die richtige Art der Kunst für mich finden“, sagte sie. Zunächst beschäftigte sich Heckert mit Aquarellen. „Doch diese glänzenden Farben gefielen mir nicht so gut. Ich wollte eher etwas Mattes, etwas Anderes“, sagt Heckert.

Diane Heckert stellt ihre Bilder im Landgasthaus aus.

So wendete sie sich Materialien wie Leim, Gips, Marmormehl, Rost, Ölen oder Kaffeesatz zu. „Ich verstehe meine Kunst nicht als Abbild eines Ideals, sondern als Ausdruck der Vielfalt, der Schönheit und der unerwarteten Erfahrungen und Begegnungen des Lebens“, sagt sie. Durch die Beschäftigung mit der Kunst habe sie auch viel über sich selbst gelernt. „Geduld war früher zum Beispiel nicht eine meiner Stärken. Doch manche meiner Bilder brauchen Monate, bis sie fertig sind“, sagt die Jeinserin. So benötigen Ölbilder zum Beispiel viel Zeit, bis sie getrocknet sind. Ebenso verhält es sich mit Leim oder Rost, die erst nach Wochen zu einer festen Form finden.

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Wenn Heckert ein Bild beginnt, weiß sie noch nicht, wie es am Ende aussehen wird. „Viele meiner Materialien entwickeln während der Entstehung ein Eigenleben, das ich nur bedingt beeinflussen kann“, sagt Heckert. Auch hier ziehe sie eine Parallele zu ihrem Leben. „Nach der Diagnose meiner Krankheit musste ich viele gefasste Pläne aufgeben und mich neu orientieren. Auch durch die Kunst lerne ich, mich auf neue Situationen einzustellen und sie mitzugestalten“, sagt sie.

Ganz aufgegeben hat Heckert die Aquarelle jedoch nicht. „Die male ich immer im Winter im ehemaligen Kinderzimmer“, sagt sie. Heckert lebt mit ihrem Mann Harry Flatt-Heckert zusammen in Jeinsen. Die beiden Kinder sind bereits ausgezogen. Ihr Atelier hat sie in einer Scheune auf dem Hof des Grundstücks eingerichtet. „Dort kann ich im Frühling, Sommer und Herbst gut mit meinen bevorzugten Materialien arbeiten. Doch im Winter ist es zu kalt“, sagt die 52-Jährige.

Gemeinsam mit ihrem Mann leitet Heckert das themenwerk.MENSCH. Das Ehepaar bietet dort unter anderem Sterbe- und Trauerbegleitung an und berät auch Menschen, beim Umgang mit chronischen Erkrankungen.

Heckerts Bilder werden in einer Dauerausstellung im Landgasthaus Jeinsen, Calenberger Straße 7, präsentiert. „Ich werde die ausgestellten Bilder aber immer wieder mal austauschen“, sagt Heckert. Ihre Kunstwerke können auf Anfrage auch gekauft werden.

Von Tobias Lehmann

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