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Sehnde

Gretenberg: Friedhof wird zum Insektenparadies

Landwirt Hans-Hermann Barnstorf hat die Blühwiese auf dem Gretenberger Friedhof in Eigenregie angelegt.

Landwirt Hans-Hermann Barnstorf hat die Blühwiese auf dem Gretenberger Friedhof in Eigenregie angelegt.

Sehnde/Gretenberg.Auf dem Gretenberger Friedhof ist mächtig was los. Begräbnisse sind damit aber nicht gemeint. Manchmal wird dort jahrelang niemand bestattet. Dafür brandet das Leben auf der Blühwiese, die der Landwirt Hans-Hermann Barnstorf dort angelegt hat. Denn das Insektensterben, das derzeit in aller Munde ist, lässt dem Gretenberger keine Ruhe. „Die Stadt und die Politik in Sehnde sind dabei noch zu verhalten“, meint der 61-Jährige. „Es wird immer viel geredet, aber nichts passiert.“ Der Dränverband Gretenberg wolle deshalb Flächen in der Feldmark vernetzen und an Wegerändern und Ackerrändern dauerhaft weitere Blühstreifen als Nahrungs- und Lebensraum für Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge pflanzen. Ein Ziel, das auch die Sehnder Grünen verfolgen.

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Hummeln und andere Insekten finden auf der Blumenwiese reichlich Nahrung.

Hummeln und andere Insekten finden auf der Blumenwiese reichlich Nahrung.

Den Friedhof als Insektenparadies hat Barnstorf der Stadt sozusagen abgerungen. „Der sollte ursprünglich als Ausgleichsfläche für Bauvorhaben, also wirtschaftlich genutzt werden.“ Jetzt hat er 250 Quadratmeter mit seinem Trecker umgefräst und eine Wiese mit ein- und mehrjährigen Pflanzen, Kräutern, Wild- und Sonnenblumen angelegt. „Da ist schon einiges los“, freut sich der 61-Jährige. Dort hat er mit Mitstreitern auch noch eine Hecke als Sichtschutz zum benachbarten Lagerplatz für Heuballen gesetzt.

Bei dem Projekt solle für alle etwas herauskommen, sagt Barnstorf – nicht nur Lebensraum für die Tiere und ein schönes Schauspiel für die Menschen, sondern auch für die Bauern, die trotz aller Kritik oft sehr am Natur- und Umweltschutz interessiert seien. „Wir Landwirte brauchen die Insekten, etwa zur Bestäubung von Raps beim Ackerbau.“

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Dieses Tagpfauenauge lässt sich auf einer Ruhebank am Feldrand von der Sonne bescheinen.

Dieses Tagpfauenauge lässt sich auf einer Ruhebank am Feldrand von der Sonne bescheinen.

Die Flächen an den Ackerrändern, die sich durch Gretenberg ziehen, seien alle mit Gras bewachsen. „Da wollen wir Flächen mit Blühstreifen auflockern“, erläutert Barnstorf. Das hat auch der Bilmer Gerd Lüders beobachtet, der sich früher auch beruflich mit dem Problem beschäftigt hat: „Die Ränder sehen oft steril aus, es gibt zum Beispiel kaum noch Grashüpfer.“ Viel Potenzial dafür sieht der 75-Jährige etwa an den weiten Flächen entlang der Kommunalen Entlastungsstraße. „Das müssen nicht immer Grünstreifen sein, auch Grasflächen sind gut.“ Magerrasen sei etwa für Eidechsen ideal, stimmt Barnstorf zu.

Ähnliches kann er sich auch an der alten Tonkuhle vorstellen, wo selten Spaziergänger hinfinden. Der Dränverband Gretenberg habe zudem schon eine kleine Streuobstwiese mit Äpfeln, Birnen und Pflaumen angelegt – ein Schlaraffenland für Vögel und Insekten. Weitere Möglichkeiten sieht der darin, Flächen mit Totholz etwa an einzelnen Bäumen an Wegesrändern zu schaffen, wenn in diesem Bereich sonst nur Ackerland ist. Dort könnten etwa Wildbienen ungestört ihre Eier ablegen.

Darüber hinaus bringt der Gretenberger einen denkbaren Flächentausch zwischen der Stadt und Landwirten ins Spiel. „Man könnte eine nasse Fläche wie ein Sumpfloch, die ideal für Tiere ist, gegen eine bessere Ackerfläche tauschen.“ Und auf Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen solle man nicht nur Büsche pflanzen, sondern eben auch Blühstreifen. „Aber da müssen Stadt und Politik mitziehen.“

Kerstin Langemeyer und Friedhelm Schmidt gehen in der Gretenberger Feldmark gern mit ihren Hunden spazieren.

Kerstin Langemeyer und Friedhelm Schmidt gehen in der Gretenberger Feldmark gern mit ihren Hunden spazieren.

Das würde sich auch Friedhelm Schmidt wünschen. Der Sehnder geht oft mit seinem Hund auf den Feldwegen in Gretenberg spazieren und findet die ersten Streifen, die Barnstorf schon angelegt hat, „wunderbar“: „Es ist toll, wie viele Schmetterlinge und Hummeln sich dort tummeln.“ So etwas könne er sich an allen Wegerainen vorstellen. Früher seien an den Wegerändern immer Korn- und Mohnblumen zu sehen gewesen. Genauso geht es Kerstin Langemeyer. „Viele Feldwege sehen wirklich traurig aus“, sagt die 51-Jährige. „Deshalb freue ich mich über alles Blühende und die Tiere.“

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Bunte Vielfalt: Pflanzen und Kräuter bieten vielen Insekten, Bienen und Schmetterlingen einen neuen Lebensraum.

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Von Oliver Kühn

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