Springe

Der Macher geht von Bord

Breites Lächeln: Noch-Forstamtschef Joachim Menzel (65) steigt aus seinem Dienstwagen aus.

Breites Lächeln: Noch-Forstamtschef Joachim Menzel (65) steigt aus seinem Dienstwagen aus.

Springe. Ein jagdgrüner Geländewagen fährt langsam vor dem Jagdschloss vor. Der Markenname des Autos ist hier Programm: Subaru Forester. Heraus steigt Forstamtsleiter Joachim Menzel. Er streckt seine Hand aus und lächelt breit. „Herzlich willkommen“, sagt er. In diesen Tagen scheidet der 65-Jährige aus seinem Amt aus. Nach 22 Jahren Dienst in Springe. Ein Abschiedsbesuch.

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In den Regalen an der Wand stapeln sich Aktenordner, Mappen und in den Schubfächern stecken große Packungen mit Druckpapier. Aber der große Schreibtisch, der ist penibel aufgeräumt. Hinter ihm sitzt Joachim Menzel in einem lederbezogenen schwarzen Bürostuhl.

Menzels Werdegang

Erstmals nach Springe kam der scheidende Forstamtsleiter 1976, damals managte er am Deister die sogenannte Waldinventur: Das ist so etwas wie eine Inventur in Geschäften, nur, dass die wichtigste Ware eben der Wald ist. „Das war ein guter Vorlauf, ich habe mir die Grundkenntnisse über den Saupark angeeignet“, sagt Menzel.

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Damals habe er sich aber im Traum nicht vorstellen können, dass er eines Tages Leiter des Forstamtes Saupark werden würde. Es dauerte 16 Jahre, bis er den Posten bekam. Zwischenstationen machte Menzel als Dezernent für Jagd im Bezirk Oldenburg, wo er eine Menge Verwaltungserfahrung sammeln konnte. Weitere fünf Jahre leitete er das Forstamt Nesselbeck in der Südheide. Dort wäre er womöglich auch eine Weile geblieben. Obwohl er sagt, dass er eigentlich gern in den Solling wollte.

Ab 1992 Forstamtsleiter

Im Februar 1991 kam der damalige Forstamtsleiter Peter Boele-Keimer bei einem tragischen Jagdunfall ums Leben. Die Stelle wurde neu ausgeschrieben. Menzel bewarb sich – und war 1992 neuer Forstamtsleiter. „Meine Frau war sofort begeistert von Springe und dem Saupark“, sagt Menzel. „Ich möchte die Zeit nicht missen.“

Nach dem Amtsantritt gab es viele Umbrüche: Das Forstamtsgebiet umfasste bis dato nur die Fläche des Sauparks, wurde aber auf den Großen Deister und sogar den Osterwald ausgedehnt. „Heute ist der Zuständigkeitsbereich so groß wie 8000 Fußballplätze“, sagt Menzel nicht ohne Stolz. Die Umstellung auf eine größere Fläche mangte Menzel ebenso wie die Verwaltungsreform 1997 und die Reform der Landesforsten im Jahr 2005. Als Chef von 60 Mitarbeitern im Forstamt und Wisentgehege war er eher mittelständischer Unternehmer denn klassischer Förster. Größte Herausforderung war „die Bewältigung der Reformen“.

Verschiedene Organisationen und Arbeitsformen habe er zusammenführen müssen, das sei nicht immer leicht gewesen. Da brauchte es auch Fingerspitzengefühl. „Am Ende war alles neu – sogar ich musste mich erneut bewerben.“ Menzel, der Macher, wurde wieder genommen.

Seit 2013 ist Schluss

Der Forstamtschef lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Blickt aus dem Fenster. „Besonders vermissen werde ich die Repräsentationstermine“, sagt er. Alle waren sie da: Ex-Kanzler Schröder, Ex-Bundespräsident Christian Wulff, SPD-Chef Sigmar Gabriel, Ex-Ministerpräsident David McAllister, sie waren bei den Staatsjagden im Saupark dabei oder haben zugeschaut. Seit 2013 ist damit Schluss. Doch nach wie vor kommen internationale Besucher, auch Diplomaten, zum Schloss. Sehenswert ist es ja allemal.

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Nicht zuletzt dank der Renovierung des Kaisersaals, die ebenfalls Menzel zu verantworten hatte: „Das Problem war nicht der Umbau, sondern die Finanzierung“, sagt er. Er habe mehrfach „gebettelt“, schließlich war das Geld da, 300.000 Euro Spenden hatte der Forstamtschef eingeworben.

Die Bedeutung des Sauparks

Wichtig ist ihm, und das betont er immer wieder, auch die ökologische Bedeutung des Sauparks. Für die Ausstellung im Jagdschloss hat er eigens einen Film über die Wälder der Erde gedreht und war dafür, wie Heinz Sielmann persönlich, in den Urwäldern Südamerikas unterwegs. „Das war schon eine echte Nummer“, sagt Menzel.

Als Pensionär wird er nach Auetal ziehen, wo er dann auf einem alten Rittergut lebt. „Ich bin kein Mann für den Schaukelstuhl“, sagt Menzel und lacht. Geplant sind viele Reisen, auch nach Südamerika, das ihn besonders fasziniert. „Ich bin froh, dass der Stress weg ist, ich kann endlich alle Ziele ordnen.“ So ganz wird Menzel sein Beruf nicht loslassen, denn die Jagd und die Reiterei sind seine Hobbys. Und denen möchte er so oft wie möglich nachgehen.

Offiziell im Amt ist der Forstamtschef noch bis zum 31. Dezember. Danach übernimmt Christian Boele-Keimer (45) die Position des Forstamtsleiters. Er ist übrigens der Sohn des 1991 bei der Jagd verstorbenen Forstamtsleiters Peter Boele-Keimer.

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Ralf T. Mischer

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