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Uetze

K+S soll Kaliberg ins Bergwerk bringen

Der Wathlinger Kaliberg ist von Hänigsen aus zu sehen.

Der Wathlinger Kaliberg ist von Hänigsen aus zu sehen.

Hänigsen.Die Gemeinde Uetze lehnt die beantragte Rekultivierung des Wathlinger Kalibergs ab. Sie wird in ihrer Stellungnahme zum Genehmigungsverfahren aller Voraussicht nach fordern, die Halde wieder in das stillgelegte Hänigser und Wathlinger Bergwerk Niedersachsen-Riedel zu bringen. Der Hänigser Ortsrat hat den von der Verwaltung vorgelegten Entwurf einstimmig gebilligt. Damit haben Ortsrat und Verwaltung eine alte Forderung der Bürgerinitiative Umwelt Uetze übernommen.

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Die vorläufige Stellungnahme enthält nach den Worten des Fachbereichsleiters für Planung, Sven Kuchenbecker, zwei Kernaussagen. Die erste laute, dass K+S die Halde abtragen und wieder in das Grubengebäude bringen soll.  Fachleute bezeichnen das Füllen der Hohlräume als Versatz. „Das scheint aus unserer Sicht möglich“, sagte Kuchenbecker.

Gegner der Haldenabdeckung demonstrieren vor der Hänigser Grundschule, in der die Ortsratssitzung stattfindet, gegen die K+S-Pläne.

Gegner der Haldenabdeckung demonstrieren vor der Hänigser Grundschule, in der die Ortsratssitzung stattfindet, gegen die K+S-Pläne.

Laut Georg Beu (Grüne), der auch  Vorsitzender der Bürgerinitiative ist, sind bei der Flutung des Bergwerks bisher annähernd 5,2 Millionen Kubikmeter Wasser in das Grubengebäude geleitet worden. Demnach müssten noch 20,1 Millionen Kubikmeter Hohlraum frei sein. „Der Platz reicht für den Spülversatz der gesamten Halde aus“, folgerte Beu, der für seine Äußerungen immer wieder Beifall von den Zuhörern bekam.

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Rund 100 Zuhörer verfolgen in der Aula der Hänigser Schule die Ortsratssitzung.

Rund 100 Zuhörer verfolgen in der Aula der Hänigser Schule die Ortsratssitzung.

Bürgermeister Werner Backeberg (SPD) berichtete, dass der Versatz K+S Geld koste. Wie Backeberg wies auch Beu daurauf hin, dass der Konzern  hingegen verdiene, wenn er den Kaliberg mit Bauschutt und Bodenaushub abdecke. Zumal geplant ist, auch  belastetes Material der Schadstoffklasse Z2 einzubauen. „Das ist ein extremes Geschäft“, sagte Beu. Die  Annahme einer Tonne Z2-Material koste 20 Euro. In 25 Jahren summierten sich die Einnahmen allein dafür auf 225 Millionen Euro.

Die Gemeindeverwaltung kritisiert die geplante Verkehrsführung für die Materialtransporte. Verkehrsgutachter prognostizieren täglich 150 zusätzliche Lastwagenfahrten durch Hänigsen. „Das ist den Anwohnern nicht 25 Jahre lang zuzumuten“, gab Manfred Scheller (SPD) zu bedenken. Aus Sicht der Verwaltung enthält das Gutachten Fehler. So sei das Verkehrsaufkommen in Hänigsen nach einer aktuellen Zählung viel höher als im Gutachten angegeben.

Backeberg plädierte für eine Anlieferung über die Schiene: „Das ist die sinnvollste Variante.“ Dafür müsse man das Gleis der Grubenanschlussbahn von Ehlershausen zum Kaliberg instand setzen.

Zur Diskussion stand der Antrag der CDU, den Lastwagenverkehr von der Bundesstraße 3 über den Röhndamm zunächst bis zum Exxon-Mobil-Gelände zu leiten. Von dort aus sollen die Lastwagen durch den Wald Brand über den Bahndamm der Grubenanschlussbahn zur Halde fahren. Die Rückfahrten zum Röhndamm sollen über einen Forstweg führen. Dieser Weg und die Bahntrasse sollen zu Einbahnstraßen ausgebaut werden.

Backeberg berichtete, dass dieser Vorschlag in Nienhagen auf Widerstand stoße. Eine einheitliche Position aller am Verfahren beteiligten Kommunen sei aber erforderlich, um eine starke Verhandlungsposition zu haben, mahnte der Bürgermeister. Beu bezweifelte, dass der Bau einer neuen Straße im Brand, einem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet), überhaupt zulässig ist. Der CDU-Antrag fand im Ortsrat keine Mehrheit.

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Beu forderte, dass die Gemeinde auch die Beseitigung der beiden Halden in Hänigsen verlangen soll. So sah es auch Klaus Cording (CDU): „Sie bestehen auch aus Bauschutt und Industriemüll“. Beu kündigte an, dass die Grünen noch Anträge zur Stellungnahme stellen würden.

Georg Beu kritisiert die Pläne für die Rekultivierung des Wathlinger Kalibergs

Georg Beu kritisiert die Pläne für die Rekultivierung des Wathlinger Kalibergs

Kirchengemeinde will Runden Tisch einrichten 

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Hänigsen/Obershagen will einen Runden Tisch zum Thema Wathlinger Kaliberg einrichten. Das hat Pastor Steffen Lahmann am Mittwochabend während der Ortsratssitzung in der Hänigser Grundschule angekündigt. Sein Kollege Ulrich von Stuckrand-Barre sei bereit, die Gesprächsrunde zu moderieren. Nach Lahmanns Einschätzung wird sich das Thema nicht mit dem Abschluss des Genehmigungsverfahren für die beantragte Abdeckung der Wathlinger Halde erledigt haben. „Der Gesprächsfaden darf nicht abreißen, weil uns das Thema mindestens eine Generation beschäftigen wird“, sagte Lahmann.

„Es wäre unser Wunsch, dass sich auch jemand von K+S mit an den Tisch setzt“, sagte der Pastor. Das müsse jemand sein, der auch Entscheidungen treffen dürfe. fs

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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