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Wedemark

Auch Insekten brauchen ihr lokales Netz

Die Umweltbeauftragte Ursula Schwertmann zeigt auf der Karte die Korridore, auf denen Biotope vernetzt werden sollen.

Die Umweltbeauftragte Ursula Schwertmann zeigt auf der Karte die Korridore, auf denen Biotope vernetzt werden sollen.

Wedemark. Im Frühjahr wollen Naturschützer und Landwirte in der Wedemark weiter aktiv werden, um einen ambitionierten Biotopverbund gezielt anzupacken. „Lassen Sie uns klein anfangen“, hatte die Umweltbeauftragte der Gemeinde, Ursula Schwertmann, nach eigenen Worten den Kooperationspartnern vorgeschlagen. Und diese Pläne umfassen: 5000 Quadratmeter Feldlerchenfenster anzulegen - also Feldstücke ohne Bearbeitung, fünf Hektar (50.000 Quadratmeter) Blühstreifen an Äckerrändern sowie einen halben bis einen Kilometer blühende Wegeseitenräume statt Grasnarbe. „Ich habe die Zusage des Landvolks dazu, und die Finanzierung von der Seite der Gemeinde ist gesichert“, berichtet Schwertmann.

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So wollen jetzt zwei Landwirte in Brelingen, zwei in Bissendorf-Wietze und Gailhof sowie zwei aus Mellendorf und Schadehop Blühstreifen in Gang bringen und sich um Wegeseitenräume kümmern. „Der Nabu will dann die Insekten kartieren, die dort vorkommen“, weiß Schwertmann. Die Naturschützer würden außerdem die Blumenmischungen prüfen, die ausgesät werden. „Wir als Gemeinde bündeln die Aktivitäten, und die Landwirte stellen ihre Maschinen und bereiten die Streifen auf den Äckern und an den Wegen vor.“ Ein Dauerprogramm würde sie gern daraus machen, gibt Schwertmann zu verstehen – und sie arbeitet schon viele Jahre daran. „Meine Idee ist es, langfristig einen Stamm von Landwirten dabei zu haben.“

Ein Konzept zur Biotopvernetzung hatte die Gemeinde Anfang 2017 bei einem Fachbüro in Hannover in Auftrag gegeben. Zwei Veranstaltungen dazu stießen in der Wedemark auf großes Interesse: Etwa 50 Teilnehmer aus Landwirtschaft und Naturschutz, Jäger und Imker trugen ihre Sicht der Dinge bei. Seit Jahren haben sich außerdem Runde Tische um eine Zusammenarbeit zwischen allen bemüht, die in der Wedemärker Landschaft mit ihren Berufen in der Landwirtschaft, Engagement im Naturschutz oder als Nutzer von Wegen unterwegs sind. In diesem Frühjahr folgt eine weitere Sitzung des Runden Tisches.

Das beauftragte Büro hat inzwischen auf der Grundlage einer Karte - zugrunde liegt der Landschaftsrahmenplan der Region Hannover aus dem Jahr 2013 - lokale Korridore ermittelt, die in Kooperation von Naturschützern und Landwirten angelegt oder verbessert werden sollten, damit sie Pflanzen und Tieren besser dienen. Vor allem im Offenland und in Feuchtlebensräumen wie Mooren, Teichen und an Fließgewässern sind die Korridore vorgesehen; die Vernetzung von Waldbereichen ist ebenfalls ausgewiesen, wird aber als weniger kritisch angesehen.

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„Im Offenland sind es vornehmlich Vernetzungen, die Vögeln und Insekten Lebensräume bieten“, verdeutlicht Schwertmann. Das seien Seitenräume an den Wegen wie auch Blühstreifen in den Äckern. An den Wegen sei vorrangig die Gemeinde gefragt, aber auch die Realverbände sähen sich vor der Aufgabe. „Der zweite Bereich sind die Fließgewässer, an denen unbearbeitete Randstreifen geschaffen werden müssen“, erläuterte die Umweltbeauftragte. Dabei verhehlte sie auch nicht, dass die Abstimmung über die Notwendigkeiten aus Naturschutzsicht immer wieder ein Spagat in Gesprächen mit wirtschaftenden Landwirten sei.

Ein sogenanntes Lerchenfenster von zweimal 1000 Quadratmetern, wo „der Landwirt den Pflug hochnimmt“ und den Boden nicht bearbeitet, ist für die Lerchen und ihre Brut bereits in Scherenbostel reserviert. Dies ist Schwertmann zufolge ein Ergebnis aus dem Runden Tisch von 2016. In diesem Frühjahr werde der Nabu diese Flächen erneut sichten. Die 2000 Quadratmeter waren zugleich eine gemeindlich ausgewiesene Ausgleichsfläche in Natur und Landschaft für das Bissendorfer Neubaugebiet Diersrahe. Auch weiterhin, so Schwertmann, könne sich die Gemeinde bei den gesetzlich geforderten Ausgleichsflächen für Wohngebiete nach der jetzt vorgelegten Karte richten.

HAZ

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