Wennigsen

Der Wollkrautblütenkäfer ist der Übeltäter

Mit der Lupe vergrößert sich Hubert Klimke die Wollkrautblütenkäfer, die er in der Wohnung von Barbara Grube gefunden hat.

Mit der Lupe vergrößert sich Hubert Klimke die Wollkrautblütenkäfer, die er in der Wohnung von Barbara Grube gefunden hat.

Wennigsen. Erst stark vergrößert durch die Lupe lassen sich die winzigen Tierchen, die höchstens drei Millimeter groß werden, gut erkennen. Seinen Namen hat der Käfer nach der Pflanzen, auf deren Blüten er häufig zu finden sind: den Königskerzen, die auch als Wollkraut bekannt sind. Behutsam stupst Hubert Klimke mit einer Nadel einen Käfer von der Klebefolie in ein Röhrchen. Der Experte will einige Exemplare mit nach Hause nehmen, um sie unter dem Mikroskop genauer inspizieren zu können.

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Biologe Klimke las in der Zeitung über den mysteriösen Fall. Überall in der Wohnung von Barbara Grube finden sich schwarze Kratzer, Punkte und Löcher. Möbel sehen angefressen aus, selbst Fliesen und Glasscheiben sind beschädigt. "Es gibt keinen Pilz, der eine Wohnung derart zerfressen könnte", sagt der Experte. Der 72-jährige Klimke, der auch in der Zoologie gearbeitet hat, vermutete zunächst, dass es sich um eingeschleppte Ameisen handeln könnte. Nach einem Telefonat mit der Wennigserin grenzte er dann auf den Wollkrautblütenkäfer oder den Teppichkäfer ein. Nun, nachdem Klimke in der Wohnung gewesen ist, ist er sich sicher: Vielleicht nicht der alleinige, aber zumindest "ein Übeltäter ist definitiv der Wollkrautblütenkäfer." Auf Klebestreifen hatte Grube drinnen und draußen vor ihrer Balkontür sechs davon gefangen. Auch ein anderer Käfer mit kastanienbraunen Flügeln, den Klimke aus dem Stegreif nicht eindeutig bestimmen kann, landet in seiner Dose. Und eine Larve, sein wohl wichtigster Fund.

Die Larven des Wollkrautblütenkäfers sind langgestreckt und dicht behaart. Sie besitzen am Ende des Hinterleibs zwei Büschel mit Pfeilhaaren, die bei Gefahr zum Schutz gespreizt werden können und deren Spitzen leicht abbrechen. Die Larven sind Schädlinge, "weil sie im Zweifel von praktisch jedem toten organischen Material fressen, solange es nur Keratin enthält", beschreibt es ein Internet-Magazin äußerst treffend, wie Klimke findet. Die Käfer legen ihre Eier in Schränken, unter Tapeten oder hinter Fußleisten ab. "Nachts kommen die Larven aus ihren Ritzen", sagt Klimke. Sie fressen dann vom Möbelholz, Federn, Haare und Hautschuppen, von der Tapete, von Kleidung. Besonders berüchtigt sind die Larven in insektenkundlichen Sammlungen - hier können sie ganze Sammlungsbestände schädigen oder gar vernichten.

Die Larven scheiden ein Sekret aus, das mitunter sogar Glas und Metall angreift. "Mir selbst ist davon nichts bekannt, ich schließe es aber auch nicht kategorisch aus", sagt Klimke. Er sieht in dieser Frage für einen Mikrobiologen mitunter ein neues Forschungsgebiet.

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Seit Rat an Barbara Grube: Immer gut saugen, den Staubsaugerbeutel sofort entsorgen und so den Schädling langsam ausmerzen. Sämtliche Fugen in ihrer Wohnung hat die Wennigserin eh längst mit Silikon versiegelt.

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