Wunstorf

Bomber-Reste im Steinhuder Meer gefunden

Torsten Perl zeigt das Fundstück aus dem See.

Torsten Perl zeigt das Fundstück aus dem See.

Steinhude. Zwei der sieben Besatzungsmitglieder hatten den Absturz überlebt, mindestens drei weitere Männer kamen ums Leben, Pilot Kenneth James Godwin und ein weiterer Flieger gelten als vermisst.

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Ursprünglich hatte der Bergungsexperte Thorsten Perl vom Verein Flieger, Flugzeuge, Schicksale aus Wardenburg bei Oldenburg beim DLRG-Bezirk Hannover-Land nur wegen einer Sonde angefragt, um kurz vor dem Winter weitere Klarheit über die mögliche Lage der Lancaster-Teile zu bekommen. Doch das mit einem Side-Scan-Sonar ausgerüstete Boot „Otto Rinkel“ hatte bei der Fahrt zur vermuteten Absturzstelle bei einer Wassertiefe von 1,60 Metern plötzlich Metallberührung.

Auf dem Bootsmonitor zeichnete sich etwas ab, „das dort nicht hingehört“, berichtete Jan Heise aus dem Boot von einem großen Fremdkörper, der sich auch in Perls Magnetometer bemerkbar machte. DLRG-Rettungsdienstleiterin Astrid Wassermann stocherte mit einer Stange nach, doch die Besatzung mit Bootsführer Florian Selzer setzte erst einmal ihre Sonarfahrt fort.

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Perl hatte bei einer Vorort-Recherche zusammen mit Historikern herausgefunden, dass es rund sechs Jahre nach dem Absturz der Maschine bereits eine Teilbergung gegeben hat. Danach galt es als wahrscheinlich, dass Teile des Flugzeuges noch im Schlamm des Steinhuder Meeres stecken.

Eines dieser Teile umkreiste das DLRG-Boot nach Abschluss der Sondierungsarbeiten, schließlich gelang es der Besatzung, den Anker im Metall zu verhaken. Zur Hilfe kamen noch zwei Beamte der Wasserschutzpolizei, die von ihrem Boot aus den Einsatz beobachtet hatten. Schließlich gelang es mit vereinten Kräften und einem am Alublech befestigten zusätzlichen Haken von Perl, das große Teil aus dem Schlamm zu ziehen und in das Boot zu verfrachten.

Selbst der Bergungsprofi Perl zeigte sich von dem unerwarteten Erfolg der Sondierungsaktion überrascht. Die DLRG-Besatzung brachte das Teil am Steinhuder Ferienpark an Land. Dort begann für Perl sofort die Arbeit, nachdem er an der mannshohen Motorhaube von einem der vier Triebwerke einige Typen- und Nummernschilder entdeckt hatte. Für ihn gilt es nun, per Abgleich aus der 90-prozentigen Gewissheit, dass es sich um das gesuchte Flugzeug handelt, eine 100-prozentige zu machen.

Perl steht mit der Familie des Piloten in Australien in Kontakt, die auf Neuigkeiten wartet. „Sie wollen auch im Frühjahr nach Deutschland kommen“, sagt er. Die Motorhaube wird zunächst in der DLRG-Garage in Steinhude eingelagert. Die Bereitschaftsführerin Astrid Wassermann bringt sie in einigen Wochen persönlich nach Wardenburg.

Zwei Besatzungsmitglieder in Altenhagen beerdigt

Dass die Spur des jungen australischen Lancaster-Bomberpiloten Kenneth James Goodwin sich am frühen 20. Februar 1944 um kurz vor 3 Uhr morgens im Schlamm des Steinhuder Meeres in der Nähe des westlichen Ufers verliert, hatte im Mai 1946 der Suchdienst der britischen Royal Air Force herausgefunden, dessen Mitarbeiter in Hagenburg den Bürgermeister befragen. Mit der Annahme, dass Besatzungsmitglieder auf dem Friedhof in Altenhagen bestattet sind, besucht die Delegation den Pastor Arnold Teudt. Der Geistliche bestätigt, dass zwei Besatzungsmitglieder gefunden und beigesetzt wurden, doch Goodwin nicht.

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Goodwins ursprünglich australische, aber während des Zweiten Weltkriegs international besetzte Schwadron, beteiligte sich von Binbrook, Lincolnshire aus an den strategischen Bombardements der Royal Air Force. Am Einsatztag, dem 20. Februar 1944, als der deutsche Nachtjägerpilot Heinz Ferger die Lancester als eine von vier Maschinen mit mehreren Treffern unter anderem in den Bombenschacht in Brand setzte, begann für die Alliierten die Big Week mit Luftangriffen auf speziell ausgewählte Ziele der deutschen Rüstungsindustrie. Die Lancaster hatte ihre Bombenlast wohl auf den Rüstungsbetrieben in Helmstedt oder Braunschweig bereits abgeladen und befand sich auf dem Rückflug nach England.

Knapp anderthalb Jahre nach dem Abschuss der Lancester gibt sich die nach Hagenburg gereiste Kommission nicht zufrieden. Von einem Einwohner, der eine Leiche  am Ufer des Sees gefunden hat, erfahren sie, dass das Flugzeug bereits in der Luft und auch noch einmal im See explodiert sei. Ein weiterer Körper sei im See entdeckt und ein Flügel des Flugzeugs sei in den Wiesen aufgeschlagen. Der Rest des Flugzeuges stecke immer noch im Steinhuder Meer. Dort, so vermutet der Augenzeuge, müssten sich auch noch die drei restlichen Besatzungsmitglieder – unter ihnen Goodwin – befinden. Das Wrack war nach Schilderungen nach und nach im Schlamm versackt. Geeignetes Gerät zum Heben der Maschine fehlte.

Wohl erst 1950 beantragte ein Hagenburger Altmetallhändler bei der Fürstlichen Hofkammer in Bückeburg die Erlaubnis die Maschinen aus dem Steinhuder Meer bergen zu können. Thorsten Perl, der seit 1995 mit dem Verein Flieger, Flugzeuge, Schicksale aus Wardenburg bei Oldenburg, nach vermissten Besatzungsmitgliedern aus dem Zweiten Weltkrieg sucht, hat Kontakt zu den Nachfahren des Piloten.

Von Jan Peter Wiborg

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