Wunstorf

Murmeln gegen Hitlers Gift

Gerd Klestadt hat den Holocaust überlebt. An Schulen berichtet er bundesweit über seine Erlebnisse. Auch an der IGS Wunstorf war er zu Gast.

Gerd Klestadt hat den Holocaust überlebt. An Schulen berichtet er bundesweit über seine Erlebnisse. Auch an der IGS Wunstorf war er zu Gast.

Wunstorf. Erstmal wird eine kleine Kerze angezündet, bevor Gerd Klestadt seinen Vortrag beginnt. Die Aula in der evangelischen IGS Wunstorf ist mit dem zehnten bis dreizehnten Jahrgang voll besetzt. Klestadt hat mit seiner Mutter und seinem Bruder die Inhaftierung in dem Konzentrationslager Bergen-Belsen überlebt. Sein Vater nicht. Wie sechs Millionen andere Juden wurde er während des zweiten Weltkrieges durch die Nazis umgebracht. Das Licht der Kerze soll an die Verstorbenen und an den Vater insbesondere erinnern.

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Holocaust-Überlebender Gerd Klestadt an der IGS Wunstorf

Es ist ein trauriges Thema. Immer wieder sieht man Schüler den Blick zum Boden senken und leise mit dem Kopf schütteln. Aber der lebendige Vortrag des KZ-Überlebenden Klestadt ist auch gespickt mit bissigen und humorvollen Kommentaren. Der studierte Landwirt wurde 1932 in Düsseldorf geboren. Mit seiner Familie flieht er 1936 vor den Nazis in die Niederlande. 1943 wird seine Familie in ihrem Versteck gefunden und in das Durchgangslager Westerbork deportiert, bevor sie im Februar 1944 in das KZ Bergen-Belsen verlegt werden. Bevor Klestadt detailliert aus den Erlebnissen seiner Inhaftierung erzählt, macht er den Schülern klar: „Ihr seid nicht Schuld an den Verbrechen der Nationalsozialisten, aber ihr habt eine politische und moralische Verantwortung.“

Vor rund 17000 Schülerin in Belgien, Luxemburg, Niederlanden sowie Frankreich und Deutschland hat er seine deutsch-französische Powerpoint-Präsentation gezeigt. „Und wenn es nur einer ist, der nach dieser Veranstaltung anders lebt, hat es sich schon gelohnt“, sagt Klestadt über seine Motivation. Er lebt mit seiner Frau und Familie in Luxemburg. Ein aktuelles Bild zeigt ihn mit seinen Großenkeln – seine „Rache an Hitler“, wie er seine Nachkommen ironisch nennt. Klestadt ist unzufrieden über die aktuelle politische Lage. Seiner Meinung nach ist „Hitlers Gift noch immer da.“ Die Jugendlichen will er zum politischen Engagement ermutigen. Für seine ehrenamtliche und aufklärerische Arbeit an Schulen bundesweit, hat er 2017 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen.

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Nach 90 Minuten sind die Schüler gelockert, trauen sich Fragen zu stellen. Sie wollen wissen, wie der Alltag in Bergen-Belsen war und wovon sich die Häftlinge ernährt haben. Klestadt antwortet: „Von Suppe mit unbekanntem Fleisch“ und trockenem Brot. Klestadt richtet sich in seinem Vortrag immer wieder direkt an die Jugendlichen und hat eine Bitte: „Ihr müsst gegen Rassenhass und Antisemitismus kämpfen.“ Zum Abschluss erhalten sie ein Geschenk: Klestadt hat für jeden Einzelnen eine Murmel dabei. „Ich hoffe, dass ihr diese Murmel immer bei euch tragt. Sie ist für ewig verbunden mit meinem Wunsch nach einer besser Welt.“

Von Marleen Gaida

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