Neue Starzplay-Serie

„Becoming Elizabeth“: die jungen Jahre einer Monarchin

Die deutsche Schauspielerin Alicia von Rittberg verkörpert die Titelfigur Elizabeth.

Natürlich regnet es in Strömen, als die Männer im Januar 1547 die schwere Kiste von der Kutsche wuchten und in die Kapelle hineintragen. Darin befindet sich der Leichnam von Heinrich VIII., der 38 Jahre lang das Land regierte, sich von der katholischen Kirche gelöst und sechs Ehefrauen verschlissen hatte. Wenig später sind die Boten schon in drei Richtungen unterwegs, um die Nachfahren des englischen Herrschers nach London zu bringen.

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Mary (Romola Garai), Elizabeth (Alicia von Rittberg) und Edward (Oliver Zetterström) drängen sich verängstigt aneinander und glauben ihr Leben in Gefahr. „Der König ist tot. Es lebe der König“, sagt der Duke of Somerset (John Heffernan) und kniet im Kerzenlicht vor dem neunjährigen Jungen nieder. Das Kind auf dem Thron setzt ein Machtvakuum frei. Am Hof werden Intrigen gesponnen, in welche die junge Elizabeth als Schwester und mögliche Nachfolgerin des Kindkönigs zunehmend hineingezogen wird.

Weibliche Coming-of-Age-Geschichte

Das Leben der legendären Königin Elisabeth I. wurde in Film und Fernsehen schon gründlich ausgeleuchtet. Sarah Bernardt (1918), Flora Robson (1937), Bettie Davis (1939) und Cate Blanchett (1998/2007) schlüpften schon in das Kostüm der Tudor-Regentin. Nun beleuchtet die Starz-Serie „Becoming Elizabeth“ deren prägende Jugendjahre am Spielfeldrand der englischen Monarchie. Denn es sollte noch elf Jahre dauern, bis Elizabeth nach den kurzen Regentschaften ihrer beiden früh verstorbenen Geschwister 1558 von der Ersatzbank auf den Thron wechselte.

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Drehbuchautorin Anya Reiss zeichnet über acht Folgen eine weibliche Coming-of-Age-Geschichte der besonderen Art. Die dreizehnjährige Elizabeth führte im Tudor-Clan bisher ein Schattendasein. Ihre Mutter Anne Boleyn, die Heinrich VIII. enthaupten ließ, wird bei Hofe immer noch ganz offen als „die Hure“ bezeichnet.

Dennoch wird Elizabeth von ihrer Stiefmutter Catherine Parr (Jessica Rain) und dem Onkel Tom Cullen (Thomas Seymour) mit offen Armen empfangen. Seit Jahren hatten die beiden hinter dem Rücken des Königs eine Affäre und können nun endlich heiraten. Aber Tom beginnt, mit der jungen Elizabeth zu flirten, und das Mädchen scheint seinem Charme zu erliegen. Ihr ganzes junges Leben lang wurde über ihren Kopf hinweg entschieden. Und nun ist da dieser Tom, der ihr nicht nur schöne Augen macht, sondern ihr zuhört, sie ernst zu nehmen und ihre intellektuellen und charakterlichen Qualitäten zu erkennen scheint.

Gefährliches Ränkespiel

Die Münchner Schauspielerin Alicia von Rittberg spielt in ihrem ersten internationalen Auftritt die kluge, aber unerfahrene Jugendlichkeit ihrer Figur mit wunderbarer Überzeugungskraft aus. Ihre Elizabeth ist eine junge Frau an der Schwelle zum Erwachsenendasein, die nach Liebe und Selbstbestimmung gleichermaßen hungert, aber erst allmählich realisiert, wie sie zum Spielball der Intrigen bei Hofe wird. Sie ist umgeben von Männern, die um Machtpositionen konkurrieren, und wird zur teilnehmenden Beobachterin in dem gefährlichen Ränkespiel. Die erfahrene Stiefmutter scheint die Jugendliche darauf vorbereiten zu wollen, was sie in dieser toxischen Männerwelt zu erwarten hat. Gleichzeitig versucht Catherine selbst mitzumischen im Poker um die Macht im Lande, das durch religiöse Konflikte zerrissen ist.

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„Becoming Elizabeth“ hebt sich wohltuend von rücksichtslos fiktionalisierten Royalty-Serien wie „The Tudors“ ab. Auch wenn Autorin Reiss und Showrunnerin Emma Frost sich der subjektiven Sicht der Prinzessin und einer weiblichen Perspektive verschreiben, bleibt ihre Serie deutlich näher an der historischen Faktenlage.

Dazu gehört auch ein visuelles Konzept, das statt opulenter Ausstattungsorgien die Enge der höfischen Welt und ihrer spärlich beleuchteten Räume ins Bild setzt. Der Bedrohung und Einschüchterung, die diese Welt auf die Titelfigur hat, wird ebenso viel Aufmerksamkeit geschenkt wie den schmerzhaften Erfahrungen und Erkenntnissen, an denen sie zu wachsen beginnt.

„Becoming Elizabeth“, ab 12. Juni bei Starzplay, von Anya Reiss und Emma Frost, mit Alicia von Rittberg, Jessica Rain, Tom Cullen

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