Ungewöhnliches Ermittlerduo

Grottig morbide: der TV-Krimi „Broll und Baroni“

Der Bestatter Max Broll (Laurence Rupp, l.) und sein Freund Kai Baroni (Jürgen Vogel, r.).

Der Bestatter Max Broll (Laurence Rupp, l.) und sein Freund Kai Baroni (Jürgen Vogel, r.).

Es hat ja schon einige seltsame Ermittlerkonstellationen in der deutschsprachigen Krimilandschaft gegeben. Aber einen Totengräber und einen ehemaligen Fußballprofi in die Spur zu schicken ist schon eine besonders skurrile Idee. Die kommt aus Österreich und stammt von dem mittlerweile recht erfolgreichen Autor Bernhard Aichner, der mit „Broll und Baroni“ (vier Bände) und „Die Totenfrau“ (drei Bände) gleich zwei Krimireihen im Friedhofsmilieu ansiedelte. Damit befindet er sich in seinem Heimatland in bester Gesellschaft, wo eine gepflegte Morbidität genauso zur Kultur gehört wie ein kleiner Brauner im Kaffeehaus. Der ORF hat mit der Verfilmung beider Buchreihen begonnen.

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Während „Die Totenfrau“ mit Anna Maria Mühe nach der TV‑Premiere in Österreich ab Januar bei Netflix eingespeist wird, wurde der erste Fernsehfilm von „Broll und Baroni“ mit dem ZDF koproduziert. Die Titel­charaktere leben in einem Dorf im Westen Österreichs eigentlich ein recht gemütliches Leben. Max Broll (Laurence Rupp) hebt alle paar Tage mal ein Grab aus und legt sich zum Mittagsschlaf auch schon einmal selbst hinein. Sein bester Kumpel Kai Baroni (Jürgen Vogel) hat als pensionierter Profifußballer Geld wie Heu. Ihre bierseligen Männerabende verbringen die beiden gern mit Zombiefilmen, die auf die Leinwand an der Friedhofsmauer projiziert werden.

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Bei dem ganzen Krach, den die Untoten beim Essen machen, bekommen die beiden Zuschauer nicht mit, dass nebenan im Haus Brolls geliebte Stiefmutter Tilda (Bettina Redlich) gewaltsam entführt wird. Auf dem Küchen­tisch liegt ein Seniorenhandy, das Max direkt mit Tilda verbindet, die ihrerseits in einer Kiste im Wald vergraben ist. Tilda ist Kommissarin und schwört, den Täter erkannt zu haben: Prof. Leopold Wagner (Martin Wuttke), den Tilda wegen Mordes an seiner Frau hinter Gitter gebracht hat. Und da sitzt er auch immer noch und freut sich im Hochsicherheitstrakt sichtlich über die lebendig Begrabene, mit deren Schicksal er vorgibt, nichts zu tun zu haben. Während die Polizei mit Suchtrupps ein Waldgebiet durchkämmt, versuchen der verzweifelte Broll und sein loyaler Kumpel Ba­roni den Psychopathen vergeblich mit ein bisschen Folter zum Reden zu bringen.

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„Broll und Baroni“ im ZDF: steifes Overacting

Martin Wuttke hat sichtlich Spaß daran, in die Schuhe von Hannibal Lecter zu treten und mit erlesener Diktion größtmögliches Unbehagen zu verbreiten. Aber er ist der sehr einsame schauspielerische Höhepunkt in diesem grottigen TV‑Krimi. Zwischen den beiden Titelfiguren entsteht keinerlei interessante Dynamik. Vogel schaut man ja eigentlich immer gern bei der Arbeit zu, aber man hat das Gefühl, dass er hier vornehmlich mitgemacht hat, damit er im blauen Jaguar durch die Gegend brettern kann.

Das Hauptproblem ist Laurence Rupp. Seiner Figur werden hochdramatische Schicksalsschläge – neben der entführten Stiefmutter auch noch eine tote Geliebte – ins Skript geschrieben. Schon früh kommt Rupp hier mit steifem Overacting an seine schauspielerischen Grenzen und bewegt sich von dort für den Rest des Filmes nicht mehr weg.

Grenzwertig auch das Drehbuch von Regisseur Harald Sicheritz. Dass der Fall so einfach zu entschlüsseln ist wie die Bedienung eines Seniorenhandys – geschenkt. Aber Nebenfiguren wie die beiden Freundinnen der Titelhelden, die allein der Bauchbepinselung der männlichen Egos dienen, sind einfach peinlich, genauso wie zahlreiche Dialogpassagen. Wenn der gebeutelte Max sagt „Manchmal habe ich Angst vor mir selber. Dass ich Dinge tue, die ich nicht tun sollte“, rät die treue Geliebte Hanni (Hilde Dalik) „Dann tu’s nicht, und komm bald wieder. Ich wart auf dich“ und zieht ihn küssend ins Bett. Solche Dialoge – und davon gibt es einige – sollten vom Gehalt abgezogen werden. Noch drei weitere „Broll und Baroni“-Romane stehen für TV‑Adaptionen zur Verfügung. Könnte man jetzt gut drauf verzichten.

„Broll und Baroni – Für immer tot“, ZDF, 29.11., 20.15 Uhr, mit Jürgen Vogel, Laurence Rupp, Martin Wuttke

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