RND-Interview

Christoph Maria Herbst: „Vielleicht werde ich Quereinsteiger in der katholischen Kirche“

Quereinsteiger Richard Glossat (Christoph Maria Herbst) fühlt sich im Lehrerzimmer nicht wirklich willkommen.

Quereinsteiger Richard Glossat (Christoph Maria Herbst) fühlt sich im Lehrerzimmer nicht wirklich willkommen.

Christoph Maria Herbst (56) ist einem großen Publikum durch die Hauptrolle in der Serie „Stromberg“ bekannt geworden, für die er mehrere Preise gewann. Er hat keine klassische Schauspielausbildung durchlaufen, sondern lernte in jungen Jahren zunächst als Bankkaufmann, bevor er Schauspieler wurde. Im ZDF-Film „Lehrer kann jeder“ ist er an diesem Donnerstag ab 20.15 Uhr zu sehen.

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Christoph Maria Herbst, Sie spielen einen arbeitslosen Mathematiker, der als Quereinsteiger Lehrer wird. Wäre das auch was für Sie gewesen, wenn das mit der Schauspielerei nichts geworden wäre?

Ich könnte kein Lehrer sein. Ich wäre eher katholischer Priester geworden, das war mein lange gehegter Berufswunsch, bis meine erste Freundin damals feststellte, dass das Zölibat vielleicht doch nicht das Richtige für mich ist. Dicht dahinter kam dann mein Wunsch, Schauspieler zu werden.

Und beim Berufswunsch Priester hat das Zölibat mehr Ihre Freundin abgeschreckt als Sie selbst?

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Mich hat das Zölibat vor dem Hintergrund, dass ich so was wie die Fleischeslust kennenlerne, dann auch abgeschreckt. Aber es tut sich eine Menge in der katholischen Kirche. Vielleicht werde ich noch Quereinsteiger in der katholischen Kirche.

Ihre Figur Richard bekommt einen Mentor zur Seite gestellt bei seinem Quereinstieg als Lehrer. Hatten Sie als junger Schauspieler auch eine Art Supervisor?

Nein, ich bin im besten Sinne Autodidakt. Das war durchaus etwas, woran ich zwischenzeitlich zu knabbern hatte, weil ich dachte: Wie soll ich anderen das Wasser reichen können, die das acht Semester studiert haben? Ich habe aber schnell festgestellt, dass es dieser Ausbildung nicht zwingend bedarf. Rückblickend bin ich froh, dass ich nicht auf die Schauspielschule gegangen bin, weil ich mich wie ein Schwamm fühle, der alles aufsaugt. Diese Attitüde wie manche sie haben, die von der Schauspielschule kommen und denken, sie wüssten jetzt wie es geht, hatte ich nie.

Ihre Figur sagt zu einer Schülerin: „Begabung ist Verpflichtung.“ Was halten Sie davon?

Das würde ich so nicht sagen. Nur weil ich ein Talent habe, muss ich mich nicht zum Büttelsklaven des Talents machen.

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Fühlen Sie sich manchmal in anderer Hinsicht der Gesellschaft gegenüber verpflichtet?

Beruflich fühle ich mich manchmal der Gesellschaft verpflichtet. Wenn ich als Schauspieler mein Gesicht, meinen Körper und meine Stimme zur Verfügung stelle und mich quasi zum Werkzeug eines Regisseurs mache, bin ich eigentlich politisch aktiv. In dem Sinne, dass es das menschliche Miteinander betrifft. Wenn ich etwa eine Komödie drehe, schaffe ich es vielleicht, Menschen zu unterhalten. Das kann man auch höher deklinieren auf andere Filme, die wirklich eine Message haben.

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Ist das auch ein Aspekt, den Sie bei der Entscheidung für eine Rolle berücksichtigen?

Nein, das Sendungsbewusstsein habe ich nicht. Ich freue mich aber, wenn am Ende ein wichtiger Film entsteht. Bei Stromberg war es etwa so, dass ich den doppelten Boden der Figur anfangs nicht erfasst habe. Stromberg ist eher eine Tragödie als Komödie. Ich habe wahnsinnig viele Zuschriften bekommen von Leuten, die meinten: „Wenn Sie glauben, das sei Komödie oder sei übertrieben, dann kommen sie mal zu uns in Büro.“ Da ist es uns gelungen, mit einfachen Mitteln den Finger in die Wunde zu legen, was Hierarchien, Mobbing und menschliches Miteinander in Abhängigkeiten anbelangt.

Für viele sind Sie trotz vieler anderer Rollen nach wie vor Stromberg. Wie ist das für Sie?

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Das nehme ich gar nicht so wahr. Viele kennen mich gar nicht mehr als Stromberg. Da wächst eine neue Generation heran, die mich beispielsweise als König Julius CXI. aus den „Hui Buh“-Hörspielen oder dem Kinofilm kennt. Es ist ein spannender Vorgang, dass man mich eben nicht festlegt auf eine Rolle. Das war mir immer wichtig. Deshalb habe ich nach fünf Staffeln „Stromberg“ auch die Reißleine gezogen.

Sie spielen oft Rollen in Komödien. Fühlen Sie sich in der Hinsicht festgelegt?

Nein, für mich ist die Komödie die Königsdisziplin unter allen dramatischen Genres, weil man da Grautöne erzählen kann, was in der Tragödie oft unmöglich ist. Setzen Sie zehn Leute in eine Komödie: Sie lachen an unterschiedlichen Stellen. Wenn Sie sie aber in eine Tragödie setzen, weinen alle an derselben Stelle. Die Komödie ist ein sehr differenziertes Spektakel, weil es auch viele Untergenres gibt – vom Bauerntheater bis zur intellektuellen Darbietung.

Wenn wir über Genres sprechen: Finden Sie die Vielfalt im deutschen Fernsehen groß genug?

Auf jeden Fall. Der Krimianteil ist mir persönlich etwas zu hoch, aber man kann ja umschalten. Wir haben eine große Vielfalt an Sendern und ich fühle mich im deutschen Fernsehen sehr wohl, auch als Konsument. Wenn ich das vergleiche mit dem ein oder anderen europäischen Ausland, machen Redaktionen und Produktionen in Deutschland einen extrem guten Job mit unseren Gebühren.

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Gibt es denn noch eine Rolle, die Sie gerne mal spielen würden?

Ich fühle mich gut ausgestattet vom Schicksal, weil ich so viele unterschiedliche Sachen habe spielen dürfen. Wenn ich heute abtreten müsste, wäre ich dankbar für alles, was ich machen durfte.

Gäbe es in dem Fall eine Rolle, an die Sie sich besonders erinnern würden?

Prägend war sicherlich der Stromberg, der einfach Tore geöffnet hat. In der Zeit, in der „Stromberg“ in aller Munde war, rissen sich Regisseurinnen und Regisseure um mich. Vor dem Hintergrund war die Figur sicherlich die erinnerungswürdigste für mich.

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