Film zum Silicon Valley

Claus Kleber: „Über das Schicksal der Menschheit dürfen nicht irgendwelche Maschinen bestimmen“

Der ehemalige „heute-journal“-Moderator Claus Kleber (Archivbild).

Der ehemalige „heute-journal“-Moderator Claus Kleber (Archivbild).

Claus Kleber, ehemaliger Anchorman des ZDF-„heute journal“, hat gemeinsam mit seiner Kollegin Angela Andersen zum wiederholten Male das Silicon Valley besucht und zeigt mit „Utopia – Irre Visionen in Silicon Valley“, dass künstliche Intelligenz längst keine Science-Fiction mehr ist. Zu sehen am 19. Juli um 23 Uhr im ZDF.

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„Utopia – Irre Visionen in Silicon Valley“ ist nicht Ihr erster Film über die amerikanische Techschmiede. Ist die Lage bedrohlicher geworden?

In der Tat ist es bereits mein vierter Film in dieser Gegend. Und ja, die Entwicklung hat noch einmal an Tempo gewonnen. Die Tatsache etwa, dass der auf Konflikte und Krawall gebürstete Algorithmus von Facebook praktisch das exklusive Kommunikationsmittel in Myanmar war, hatte und hat enorme Konsequenzen. Das ist wie bei Goethes Zauberlehrling, der die Geister, die er gerufen hat, nicht mehr loswird.

Tesla- und Space-X-Chef Elon Musk spricht von sich und seinen Anhängern allerdings nicht als Zauberlehrlinge, sondern als Magier, die die Welt verändern könnten.

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Das stimmt. Trotzdem muss man Musk zugutehalten, dass er selbst seit mehr als zehn Jahren eindringlich vor künstlicher Intelligenz warnt. Er ist überzeugt, dass wir KI nicht beherrschen können. Und damit hat er recht. Über das Schicksal der Menschheit dürfen nicht irgendwelche Maschinen bestimmen. Wir müssen uns einmischen. Diese Debatte hat zwar spät, aber immerhin hat sie begonnen. Mittlerweile gibt es eine Menge Leute, die dagegen ankämpfen, dass künstliche Intelligenz immer wahrscheinlicher wird. So zeigt der Film die beharrlichen Bemühungen von Margrethe Verstager, der Vizepräsidentin der EU-Kommission, die mir einigen Respekt abgerungen hat.

Es heißt im Film aber auch, dass Einmischung, etwa durch nationale Verbote, dazu führen könnte, dass man abgehängt wird von denen, die das freie Spiel der Kräfte predigen.

Ja, das ist wahr. Es geht darum, konstruktiv und innerhalb gewisser Leitplanken und mit den Mitteln des Marktes einzugreifen. So wie es zum Beispiel die Stiftung Open AI macht. Dort betreibt man selbst in großem Stil Forschung zu künstlicher Intelligenz, aber nur, um die Ergebnisse öffentlich und damit gesellschaftliche Kontrolle möglich zu machen. Im Übrigen darf sich Deutschland, das es noch nicht mal schafft, seine Schulen halbwegs digital auszustatten, nicht wundern, wenn es in dieser globalen Debatte nicht ernst genommen wird.

Glauben Sie, dass das Handeln solcher Metamoguln wie Mark Zuckerberg, Jerry Page oder Jeff Bezos zumindest im Ansatz noch von ethischen Grundsätzen bestimmt wird, oder halten sich diese Männer längst für eine Art Gott?

Es sind in der Tat fast ausschließlich Männer, die diese Entwicklungen vorantreiben. Dass ihr Handeln dabei von ethischen Grundsätzen bestimmt wird, bezweifele ich. Eher ist es wohl der Glaube, dass die Menschheit die Dinge, die ihr schaden könnten, unter Kontrolle bringen würde. Und hier kommt noch einmal Musk ins Spiel. Obwohl er sich sonst gegen jede Regulierung wehrt, dringt er darauf, dass wir künstliche Intelligenz jetzt regeln, bevor sie überhaupt da ist. Wenn sie erst einmal da ist, sei es bereits zu spät.

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Trotzdem lässt Chris Anderson von Kitty Hawk im Gespräch mit Ihnen durchblicken, dass er nicht an so etwas wie eine KI-Polizei glaubt.

Kitty Hawk will schon in wenigen Jahren Tausende autonomer Lufttaxis über die Bay Area fliegen lassen, und Anderson hat dazu eine ganz klare Position. Er sagt, dass sprunghafter Fortschritt immer schon auf Skepsis gestoßen sei oder gar Ängste ausgelöst habe. Aber die Menschheit habe dennoch immer einen Weg gefunden, eben nicht unterzugehen. Und das werde diesmal genauso sein.

Hat er nicht recht, ist es nicht zutiefst menschlich zu versuchen, das theoretisch Machbare in die Praxis umzusetzen?

Ja. Anderson, übrigens ein britischer Gentleman und kein Finsterling, wie man sie im Silicon Valley auch trifft, hat mit seiner Argumentation ein Stück weit recht. Ohne Zweifel leben wir heute besser als vor 1000 Jahren. Gesünder, länger, freudiger, informierter, also in jeder Hinsicht besser. Dennoch kann ich seinen Ansatz nicht teilen. Wir dürfen die Dinge nicht einfach laufen lassen.

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