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Sequel mit Omar Sy

Zwei Kommissare gegen Nazis – Actionkomödie „Ein Mordsteam ermittelt wieder“ bei Netflix

Braunem Terror auf der Spur: Die Kommissare Monge (Laurent Lafitte, l.) und Diakité (Omar Sy) in „Ein Mordsteam ermittelt wieder“ bei Netflix.

Der Bürgermeister des kleinen Voralpenstädtchens ist ganz offenkundig ein Rassist. Dem weißen Kommissar Francois Monge (Laurent Lafitte) gegenüber ist er gesprächig, ja fast jovial. Seinen schwarzen Kollegen Ousmane Diakité (Omar Sy) ignoriert er dagegen standhaft. Diakité kann’s nicht fassen: „Ein Kräuterlikör, ein Klaps auf den Rücken – und schon wählst du Hitler“, bescheidet er seinem allzu wohlwollenden Kollegen, mit dem er – zehn Jahre nach dem Film „Ein Mordsteam“ (2012) – wieder gemeinsame Polizeisache macht. Diesmal in der Provinz, in Marine-Le-Pen-Landen, wo die Ultrarechten wohnen, Böses aushecken, Terror planen.

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Auf der Suche nach den Hintergründen von erst einem, dann zwei gewaltsamen Todesfällen schreiben die Franz-Nazis den Pariser Polizisten schon mal ein „Neger und Homos raus“ auf die Motorhaube des Polizeiwagens. Dabei ist es vor allem Diakité, eine Art französisches, nicht ganz so quirliges Gegenstück zu Eddie Murphys „Beverly Hills Cop“ Axel Foley, der den Übeltätern auf den braunen Zahn fühlt. Während Kollege Monge vorzugsweise der netten Kleinstadtkollegin Alice (Izia Higelin) den Hof macht.

Omar Sys Figur will nicht den „sympathischen Schwarzen“ spielen

Der einstige Luc-Besson-Adlatus Leterrier, der für zwei „Transporter“-Filme verantwortlich zeichnet und als Nachfolger von Justin Lin die nächste Folge des „Fast & Furious“-Franchise überantwortet bekam, warnt vor der Alltäglichkeit des Rassismus in Frankreich. Der findet sich freilich auch innerhalb der Pariser Polizei, wo Diakité es der PR-Abteilung auf den Kopf zusagt, dass man ihn doch wohl wegen seiner Hautfarbe für einen Polizeiwerbefilm heranziehen wolle. Ein „sympathischer Schw…“ werde gebraucht, befindet der Polizist, um bei Immigranten zu punkten. Und so macht er nicht mit.

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Der Plot ist geradeaus, die Geschichte absehbar wie drei Meter Feldweg bei Sonnenschein, und Überraschungen, die auch uns vom Publikum überraschen, gibt es nicht. Da wir uns im französischen Film bewegen, wird auch mal ein Penis despektierlich behandelt, was in einem ähnlichen Hollywoodstreifen nie passiert wäre. Es wird zu viel und zu hektisch geredet, und wem schon die Eingangsszene zu „over the top“ ist, in der ein aufgedrehter Diakité einen illegalen Fight-Club zum Polizeilob-Skandieren bringt, der switcht am besten gleich mal woandershin.

Die lustigste „Männer im Doppelbett“-Szene seit Louis de Funès

Immerhin: Drei durchaus ansehnliche Verfolgungsjagden liefert Leterrier in „Mordsteam 2″, wobei die erste mit Gokarts durch einen Supermarkt schon ein Muss-man-eigentlich-gesehen-Haben ist. Das Komische ist zumeist nur Schmunzel- und Gnickerware, aber wenn sich die beiden Großstädter ein Doppelbett im Hotel de France teilen müssen und Diakité sich Monges befremdliche nächtliche Gewohnheiten verbittet, ist das fast so komisch wie das legendäre Doppelbettduett von Louis de Funès als widerwilligem Resistancekämpfer Lefort und Benno Sterzenbach als schnarchfreudigem Nazi-Major Achbach in „Die große Sause“ (1966). Unwohl fühlt sich Diakité als der Nacktschläfer Monge die Unterhose aus dem Bett wirft.

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Die neuen Rechten dieses Films sind IQ-enthobene Faschingsliebhaber, die sich in Lederklamotten hüllen, sich pseudoindianischen Federschmuck oder gar Hörner aufgesetzt haben. Damit wecken sie unweigerlich die Erinnerung an die seltsamen Horden, die sich am Dreikönigstag des Vorjahres in den USA – vom Ex- und Unpräsidenten Donald Trump aufgestachelt – des Kapitols bemächtigten. Die Darstellung brauner Clowns dürfte die echten Rechten durchaus verdrießen, zugleich birgt es die Gefahr der Verharmlosung. Wenn nur einer wie Omar Sy nach den Rechten schaut, wird schon alles gut. Schön wär‘s.

„Ein Mordsteam ermittelt wieder“, Film, 121 Minuten, Regie: Louis Leterrier, mit Omar Sy, Laurent Lafitte, Izia Higelin, Stéphane Pezerat (streambar bei Netflix)

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