RND-Interview

Florian David Fitz, würden Sie Ihr Kind Adolf nennen?

Florian David Fitz’ Figur in „Der Vorname“ will sein Kind Adolf nennen.

Florian David Fitz’ Figur in „Der Vorname“ will sein Kind Adolf nennen.

Florian David Fitz (47) begann seine TV-Karriere 1999 in der Serie „Der Bulle von Tölz“. Der gebürtige Münchner ist seit Filmen wie „Männerherzen“ (2009) und „Vincent will Meer“ (2010) auch im Kino erfolgreich. Darf man sein Kind Adolf nennen oder nicht – daran entzündet sich in der Gesellschaftskomödie „Der Vorname“ (25. Juli, 20.15 Uhr, ARD), in der er mitspielt, ein Streit, der eine Familie zu zerreißen droht. Im Oktober läuft das Sequel „Der Nachname“ in den Lichtspielhäusern an.

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Herr Fitz, in „Der Vorname“ geht es darum, ob man sein Kind Adolf nennen darf.

Von Gesetz wegen darf man. Moralisch betrachtet aber ist das eine ganz andere Sache. Würde ich also mein Kind Adolf nennen? Ganz sicher nicht! (lacht)

Unsere Sprache erfährt gerade einen Wandel. Was gestern noch gesagt werden durfte, ist heute politisch inkorrekt. Wie gehen Sie damit um?

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Ich habe das Gefühl, dass die Differenzierung gerade ein bisschen fehlt. Man könnte doch einfach fragen: Haben wir das gleiche Ziel? Dann könnte man die Debatte abkürzen und sagen: Lasst uns einander sensibel und höflich begegnen. Damit kann doch keiner ein Pro­blem haben. Die Sache hat sich aber so weit ideologisiert, dass man diejenigen verteufelt, die die eigenen Mittel nicht teilen. Und dann zerfleischt die eine Seite sich in Grabenkämpfen über einzelne Wörter.

Ein Abendessen mit Würze in „Der Vorname“ (v. l. n. r.): René (Justus von Dohnányi), Stephan (Christoph Maria Herbst), Elisabeth (Caroline Peters), Thomas (Florian David Fitz) und Anna (Janina Uhse) geraten aneinander.

Ein Abendessen mit Würze in „Der Vorname“ (v. l. n. r.): René (Justus von Dohnányi), Stephan (Christoph Maria Herbst), Elisabeth (Caroline Peters), Thomas (Florian David Fitz) und Anna (Janina Uhse) geraten aneinander.

Die Französische Revolution, die für Gleichheit, Brüderlichkeit und Freiheit steht, hat diese Ziele auch mit „Tugendterror“ erreicht. Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat mit diesem Begriff einmal die aktuelle Diskussion charakterisiert.

Wir brauchen gar nicht bis zur Französischen Revolution zurückzugehen, es reicht schon, wenn wir uns an die Studentenunruhen in den 60er-Jahren erinnern. Die haben sich ja auch ideologisiert und selbst zerfleischt. Oder nehmen wir Trump und die christlichen Fundamentalisten in den USA – wie passt das zusammen? Ein Typ, der jegliche Moral von sich weist und noch darauf stolz ist. Und die Evangelikalen wählen lieber ihn als den demokratischen Mitbewerber. Wie kann jemand an Jesus glauben, der ja Vergebung predigt, und für das amerikanische Waffengesetz und die Todesstrafe sein? Der Mensch ist eben sehr flexibel. Jede gute Idee kann faul werden, wenn sie ideologisch wird. Und die digitale Revolution hat all diese Diskussionen noch befeuert.

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Der Film „Der Vorname“ zeigt auch, dass noch die tiefsten menschlichen Bindungen nicht vor dem zerstörerischen „Was ich dir schon immer sagen wollte“ gefeit sind.

Aber sollte man deshalb gar keine Freundschaften mehr eingehen? Das wäre mir eine zu fatalistische Weltsicht. Im Grunde sind wir Erwachsenen doch wie Kinder. Mal schubsen wir das andere Kind, mal wollen wir etwas für uns, was ein anderer hat. Aber genauso teilen wir unsere Schokolade mit dem anderen Kind oder wir trösten es, wenn es traurig ist, weil wir – hoffentlich – dank unserer Erziehung sozialverträgliche Wesen sind.

Aber kann es ein Zurück geben, wenn der beste Freund meinen kompletten Lebensentwurf verunglimpft?

Das ist in der Tat eine sehr schwierige Frage. Man hat es in Amerika gesehen: Dort sind Freundschaften, ja sogar Familien zerbrochen an der Frage, ob Trump wählbar ist oder nicht. Da haben sich damals tiefe Gräben aufgetan. Vielleicht muss man in einer sehr guten Freundschaft so großmütig sein, Themen bis zu einer gewissen Tragweite auszuklammern. Nicht, dass ich das könnte. (lacht)

Wo liegt die Grenze?

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Schwierig. Ich habe einen Onkel, der den Holocaust geleugnet hat. Was macht man da? Ignoriert man denjenigen, versucht man, das Thema totzuschweigen, stellt man auf Durchzug? Familie kann man sich ja nicht aussuchen im Gegensatz zu Freunden. Ganz schwierig. Oder nehmen wir den Klimawandel, den viele leugnen. Vielleicht sind wir in gewisser Weise eben doch so gestrickt wie Tiere und nehmen nur das wahr, was sich direkt vor unseren Augen abspielt. Wenn unsere Wälder brennen, dann tun wir vor Ort etwas dagegen, alles, was darüber hinausgeht, scheint für uns oft aber zu abstrakt zu sein. Das mag jetzt arg kulturpessimistisch klingen, aber mich treibt bisweilen das Gefühl um, dass wir gerade unabsichtlich die Werte der Aufklärung überwinden. Wir sind vernunftbegabt, aber eben noch lange keine Vernunftwesen.

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