Raumfahrt ist sexy

1994 wird das Marsjahr – bei Apple TV+ hebt die dritte Staffel der Alt-Reality-Serie „For All Mankind“ ab

Der Traum vom Mars: In der dritten Staffel von „For All Mankind“ geht es um das Rennen zum Nachbarplaneten.

Die Achtzigerjahre waren schon eine heftige Dekade. Von denjenigen Achtzigern ist die Rede, in denen Ronald Reagan Präsident war, John Lennon noch lebte und Musik machte, in denen Roman Polanski dingfest gemacht wurde und Prinz Charles Camilla Parker Bowles heiratete, womit Lady Di eine tragische Ehe erspart blieb. Der Kalte Krieg kam damals bis zum Mond, den bekanntlich die Russen zuerst betreten hatten, auf dem die Amerikaner dann aber die Mondbasis Jamestown errichteten und der von Waffen starrt(e).

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Jetzt ist der Mars dran. Die dritte Staffel der Alternative-Reality-Serie „For All Mankind“ führt in die frühen Neunzigerjahre (diejenigen, in denen Bill Clinton gegen die erste Jamestown-Kommandantin Ellen Wilson um die Präsidentschaft ringt und die Beatles ihre Comebacktour starten). Astronauten oder Kosmonauten – die Ersten werden die Besten sein. Und ins Buch der Ewigkeit eingeschrieben werden.

Was-wäre-wenn-Geschichten haben einen ganz erstaunlichen Sog – von „The Man in the High Castle“ (2015-2019) bis „11.22.63 – Der Anschlag“ (2016) lassen wir uns gern davon erzählen, wie die Welt anders hätte laufen können, zum Besseren oder Schlechteren. Der Weltraum hat in der Parallelwirklichkeit von „For All Mankind“ eine deutlich höhere Priorität als in unserer Welt, in der nach dem Ende der Apollo-Missionen über Jahrzehnte nichts spektakuläreres Bemanntes mehr geschah. Der TV-Mond dagegen ist erstaunlich belebt, das Weltraumressort Polaris ist très chic – gemessen am doch eher diskreten Charme der ISS.

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Hier oben über dem immer noch festlichen Blau der Erde feiert in der ersten neuen Folge Danny Stevens (Casey W. Johnson) Hochzeit mit seiner Braut Amber (Madeline Bertani). Der Sohn der in der zweiten Staffel heldenhaft verblichenen Nationalhelden Gordo und Tracy Stevens muss noch am selben Abend raus ins All. Das Wrackteil einer nordkoreanischen Rakete hat die Polaris beschädigt, das Lastenvielfach steigt und steigt. Erst wird die Hochzeitstorte plattgedrückt, dann wird der Aufzug zum rettenden Shuttle zur tödlichen Falle, in der Sam, Lebensgefährte der Polarischefin Karen Baldwin (Shantel VanSanten), stirbt. Beim Versuch, das Problem zu beheben, werden zwei Astronauten ins All geschleudert und erst kurz nach Überschreiten von 4 G macht Danny alles gut. Eine Letzte-Sekunde-Nummer, der man atemlos folgt.

Die Sowjets wollen die Rote Flagge auf dem roten Planeten hissen

Die Sowjets – Michail Gorbatschow ist noch in charge – machen die Ankündigung. Für 1996 plant Roskosmos eine bemannte Reise zum Mars. Dafür, dass Amerika beim Rennen um den roten Planeten nicht wieder zusehen muss, wie eine fremde Flagge im Staub des Zielorts steckt, steht der Multimilliardär und Weltraumidealist Dev Ayesa (charismatisch: Edi Gathegi) ein, der binnen gefühltem Handumdrehen einen marstauglichen Methanantrieb bereithalten will.

Will Bill Clinton niederringen: Die frühere Kommandantin der Mondstation Jamestown, Ellen Wilson (Jodi Balfour), greift 1992 auf andere Weise zu den Sternen.

Will Bill Clinton niederringen: Die frühere Kommandantin der Mondstation Jamestown, Ellen Wilson (Jodi Balfour), greift 1992 auf andere Weise zu den Sternen.

Das verspricht er Karen, weil er sich „immer noch an die Tränen meines Vaters“ erinnert, als die Rote Flagge der Sowjets auf dem Mond, naja, nicht wehte. Ayesa träumt noch größer und weiter als die US-Offiziellen – von „der Kolonisation des Mars und der Monde von Saturn und Jupiter“. Neue Visionäre braucht das Land.

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Lange Nase für die Nasa – Ein privatwirtschaftlicher Raumschiffbauer prescht vor

Aber schon bei der Kommandantenfrage für die 96er-Nasa-Mission beginnen die Rivalitäten. Margo Madison (Wrenn Schmidt) feuert Nasa-Legende Molly Cobb, erste Amerikanerin im All und auf dem Mond (Sonya Walger), weil sie den alten Astrohasen Ed Baldwin (Joel Kinnaman) der neuen Hoffnung Danielle Poole (Krys Marshall) vorgezogen hat. Und sie macht das spontan rückgängig und begräbt den Traum des eitlen Raumfahrers vom Comeback.

Baldwin und Poole besiegeln bei einem Glas Bourbon die Fehde der Weltraumritter. Sie sei ja eine Superastronautin, aber die erste Person auf dem Mars zu werden, sei nun doch wohl eine Nummer zu groß. Tischtuch zerrissen, Tisch gespalten. Dann aber wird Baldwin Commander an Bord von Ayesas privatwirtschaftlicher Helios-Mission, deren Brücke komfortabel ist wie die von Captain Kirk. Karen fädelt das ein, und Ayesa verkündet im Fernsehen schon 1994 als das Marsjahr. Wer hält mit?

Und so startet diese Serie von Ronald D. Moore, Matt Wolpert und Ben Nedivi, die vor drei Jahren mit schwerfälligen und patriotkitschigen Episoden abhob, dann aber schnell in die Kontakte kam, in eine auf volle Distanz sehenswerte Runde. Und ein vortrefflicher Cast füllt das bislang gewagteste Wettrennen in diesem „bigger than life“-Epos mit Euphorie und Leid, wechselnden Loyalitäten und folgenschweren Entscheidungen mit Leben – zwischen Space-„Dallas“ und „Wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist“. Am Ende der dritten Episode schon heben die Schiffe ab. Der Weltraum – unendliche Träume. Und im All wie auf Erden: Whole Lotta Drama! Bester Stoff zum Wegbingen!

Welche Setlist die Beatles spielten? Keine Ahnung! Und ob Clinton Präsident wurde? Am besten sehen Sie selbst!

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„For All Mankind“, dritte Staffel, zehn Episoden, von Ronald D. Moore, Matt Wolpert und Ben Nedivi, mit Shantel Van Santen, Joel Kinnaman, Krys Marshall, Wrenn Schmidt, Edi Gathegi (ab 10. Juni bei Apple TV+)

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