Nach Erfolgsserie aus Spanien

„Haus des Geldes: Korea“: Remake fantasiert von spezieller koreanischer Wiedervereinigung

„Haus des Geldes: Korea“ läuft seit 24. Juni bei Netflix.

Als der Professor seine Truppe zusammenhat, werden konkrete Pläne geschmiedet. Jeder soll das tun, was er oder sie kann. Was sonst als Arbeitsteilung würde hier Sinn ergeben, wo die zusammengetrommelten Diebe in spe doch aus so unterschiedlichen Staaten kommen? Da sind die Nordkoreaner, die im Kommunismus aufwuchsen, und jene aus Südkorea, wo alles eine Ware ist. Nun müssen sie zusammenarbeiten. „Dieser Raub wird als Revolution in die Geschichte eingehen“, schwört der Drahtzieher alias Professor sie ein.

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Was ist da los? Die koreanische Halbinsel, seit rund 80 Jahren politisch in Nord und Süd geteilt und durch den dreijährigen Koreakrieg ab 1950 schier unversöhnlich zerstritten, bereitet eine friedliche Wiedervereinigung vor. Eine gemeinsame Wirtschaftszone wird eingeführt, die Währungsunion steht bevor. Aber, von den verantwortlichen Politikern abgesehen, herrscht nicht nur Freude. Schon jetzt zeige sich das, was Skeptiker dieser Traumvorstellung immer befürchtet haben: „Nur die Reichen sind noch reicher geworden.“ So planen die Diebe ein Komplott: die neu gedruckte Währung stehlen.

Groteske Mischung aus Grausamkeit und Humor

Dies ist der Plot von „Haus des Geldes: Korea“, einer Serie, die jetzt auf der Bezahlplattform Netflix zu sehen ist. Erwähnenswert ist sie nicht nur, weil sie wie zuletzt so viele Produktionen aus Südkorea durch imposante Bildsprache und eine teilweise groteske Mischung aus Grausamkeit und Humor auffällt. Indem der zumindest in Südkorea weit verbreitete Traum der koreanischen Wiedervereinigung als seltenes Setting gewählt wird, ist die Serie zumindest für ein deutsches Publikum, das sich mit Wiedervereinigung auskennt, sofort zugänglich.

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Dabei ist „Haus des Geldes: Korea“ eigentlich nichts Neues. Das Original spielte in Spanien und erzählte über fünf Staffeln, wie eine Gruppe plante, die spanische Notenbank zu überfallen. Ähnlich wie beim Hollywoodthriller „Ocean’s Eleven“ sympathisiert das Publikum mit denen, die rechtlich gesehen zwar Bösewichte sind, aber aus deren Per­spektive die Geschichte nun mal erzählt wird.

Etabliertes Genre namens Heist-Movie

Dieses etablierte Genre namens Heist-Movie (vom englischen Wort für Diebstahl) funktioniert immer dann besonders gut, wenn die Protagonisten noch aus weiteren Gründen Mitgefühl provozieren. Beim koreanischen Remake der ursprünglich spanischen Produktion ist die Sympathie offensichtlich: Denn die Helden tun zwar Verbotenes, aber die ökonomischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen sie leben, machen sie zu bemitleidenswerten Figuren.

Schließlich werden die Menschen aus Nordkorea ohnehin als Verlierer gesehen, da sie bis dato (und in der Realität wohl auch weiterhin) in einem Staat leben, dessen Regierung für Menschenrechte wenig Achtung zeigt und weder eine freie Presse noch breiten Wohlstand ermöglicht. Jene aus Südkorea wiederum leben in einer hyperkompetitiven Gesellschaft, wo Arbeitgeber ihre Mitarbeiter oft ausbeuten und der Sozialstaat spärlich ist. Das fiktive Korea mit der gemeinsamen Wirtschaftszone löst eben beide Probleme nicht. „Haus des Geldes: Korea“ schlägt damit in eine Kerbe, die viele der jüngsten filmischen Erfolgsproduktionen – von „Parasite“ bis „Squid Game“ – aus dem Land getroffen haben: Kapitalismuskritik.

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Frage nach Schulden und schweren finanziellen Bürden

Auch „Haus des Geldes: Korea“ setzt sich mit der Frage nach Schulden und schweren finanziellen Bürden auseinander. Dies nicht nur deshalb, weil eingangs unklar ist, wie der gestohlene Geldschatz der neuen Währung am Ende wohl verteilt würde. Sondern auch, weil zumindest im wahren Südkorea viele Menschen aus finanziellen Gründen skeptisch sind, was das Thema Wiedervereinigung angeht.

Den deutlich reicheren Süden würde der Aufbau des Nordens über Generationen viel Geld kosten. Und die Steuerlast würden, so auch die implizite Annahme in dieser Serie, wohl überproportional die Ärmeren im Land tragen müssen.

„Haus des Geldes: Korea“ ist bereits streambar auf Netflix.

 

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