TV-Kritik

„Kids Run“: Debütdrama mit Jannis Niewöhner als ehemaliger Amateurboxer

Andi (Jannis Niewöhner) wünscht sich nichts mehr, als mit seiner Ex-Freundin Sonja (Lena Tronina) und den Kindern eine Familie sein zu können.

Andi (Jannis Niewöhner) wünscht sich nichts mehr, als mit seiner Ex-Freundin Sonja (Lena Tronina) und den Kindern eine Familie sein zu können.

Rocky lässt grüßen. Bei einem Film über einen Boxer denkt man unweigerlich an die populäre Reihe mit Sylvester Stallone. Und tatsächlich wird auch in „Kids Run“ (9. August, ZDF, 22.45 Uhr) gnadenlos gekämpft, in Szenen, die für eine so kleine deutsche Produktion erstaunlich gut choreographiert sind.

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Aber Regisseurin und Drehbuchautorin Barbara Ott geht es in ihrem Langfilmdebüt, das wegen Corona nicht in die Kinos kam, um mehr. Sie zeigt den Überlebenskampf des jungen Mannes Andi (Jannis Niewöhner), der in einer wahrlich prekären Lage ist. Er hat mit Mitte 20 bereits drei Kinder von zwei Frauen, ist mehr oder weniger alleinerziehend, lebt von Gelegenheitsjobs und ist chronisch pleite. Dennoch träumt er davon, mit seiner letzten Freundin Sonja (Lena Tronina) eine richtige Familie zu gründen. Doch dafür, glaubt er, fehlt es an Geld. Und Sonja lebt inzwischen mit einem wohlhabenderen Mann zusammen, den sie bald heiraten wird.

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Geld als Beziehungsretter?

Andi braucht also unbedingt Geld, um die Beziehung zu Sonja zu retten. Da er früher geboxt hat, bis eine schwere Kopfverletzung ihn zum Aufhören gezwungen hatte, meldet er sich gegen den Rat seiner Freunde für ein Boxturnier an. Als Preisgeld locken 5000 Euro.

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Er trainiert verbissen, arbeitet nebenbei weiter bei einem Abrissunternehmen und kümmert sich auch noch um seine Kinder. Die liebt er zwar über alles, sie sind ihm aber gleichzeitig ein Klotz am Bein. Dass er das alles überhaupt auf die Reihe bekommt, ist unglaublich. Und wird von Ott anschaulich am morgendlichen Ritual dieser Familie gezeigt, bei der jeder, und ganz besonders Andi, in hektischer Bewegung ist. Oft genug geht es dabei fürchterlich chaotisch zu.

Kinder beobachten das grausame Spektakel

Dass Andis Plan, das Turnier zu gewinnen, wahrscheinlich böse schieflaufen wird, zeigen gleich die ersten Szenen des Films. Da sieht man ihn in einem Boxring, wie er von einem kahlköpfigen Kontrahenten fürchterlich verdroschen wird. Und als er am Boden liegt, schaut er kurz nach oben auf die Tribüne, wo seine Kinder das grausame Spektakel beobachten. Dann hat er einen Blackout, wacht kurz darauf in seinem Bett auf. Es war nur ein schlimmer Alptraum. Es beginnt wieder der morgendliche familiäre Kampf beim Frühstück und der Versuch, die Kinder irgendwie pünktlich zur Schule zu bringen. Auch das alles ist eigentlich ein Albtraum, der sich täglich wiederholt.

Solch einen Alltag wünscht man keinem Menschen, dennoch ist er vermutlich alltäglicher, als man denkt. Nur sieht man davon selten etwas in Fernsehfilmen. „Kids Run“ ist eine löbliche Ausnahme mit sehr stark aufspielenden jungen Darstellern, die von prominenten Fernsehschauspielern – darunter Peter Schneider als Hausverwalter, Ronald Kukulies als Vorarbeiter und Sascha Alexander Gersak als Andis väterlicher Freund Mikael – gut unterstützt werden.

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Kalte, fast schmutzige Bilder

Gedreht ist das Drama in kalten, fast schmutzigen Bildern. Nichts strahlt Behaglichkeit oder Wärme aus. Selbst Andi wirkt gegenüber seinen Kindern ungemein schroff, ja bisweilen aggressiv. Platz für Liebe scheint in solch einem Leben nicht zu existieren. Alles wird zum Überlebenskampf, und nur manchmal hat Andi ganz kurz zärtliche Momente im Umgang mit seinen Kleinen. Wer einen entspannten Fernsehabend genießen möchte, kommt bei „Kids Run“ nicht auf seine Kosten. Dafür ist allein schon die Atmosphäre des Films zu trist und das gezeigte Elend viel zu bedrückend.

Das ZDF zeigt „Kids Run“ zum Auftakt seiner diesjährigen kleinen sommerlichen „Shooting Stars“-Debütreihe. Weitere Filme sind am Mittwoch, 10. August, um 23.15 Uhr „Ivie wie Ivie“ über zwei afrodeutsche Halbschwestern, am Donnerstag, 11. August, 23.25 Uhr der Sommerfilm „Viva Forever“ und am Montag, 15. August, 0.55 Uhr „The Kids Turned Out Fine“ über die Generation Y.

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