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Und noch eine Serie mit Loch

Wo die Säbelzahntiger brüllen – die Serie „La Brea“ startet bei Sky

Was tun, wenn sich plötzlich der Boden öffnet: Tochter Izzy (Zyra Gorecki, r.) und Mama Eve (Natalie Zea) rennen um ihr Leben. Eine Szene aus der Serie „La Brea“.

„Jesus!“ stammeln, aber dann nicht die Autotür entriegeln, das haben wir gerne. So entkommt die junge Frau dem übergroßen Hyänenwolf, oder was auch immer das angreifende Biest darstellen soll, in letzter Sekunde unter den Wagen von Scott. Wer jemals einen durchstartenden Hund gesehen hat, weiß, dass sie in Wirklich­keit keine Chance gehabt hätte.

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Die Serie „La Brea“ aber folgt der Logik von Action- und Horrorfilmen. Das angreifende Monster ist immer so schnell, wie es das Drama erfordert. Der Junge Josh wird von einem Biest aus dem Rudel böse gebissen. Nein, das ist jetzt nicht die nächste Werwolfgeschichte. Werwölfe müssen leider draußen bleiben.

Die zweite Loch-Geschichte binnen weniger Tage

„La Brea“ ist vielmehr die nächste Loch-Geschichte nach dem vor wenigen Tagen bei Amazon Prime Video gestarteten „Outer Range“. In Los Angeles tut sich in der Nähe der paläontologischen Forschungsstätte La Brea Tar Pits aus heiterem Himmel der Boden auf dem Wilshire Boulevard auf. Und das ist eine der eindrucks­vollsten Katastrophenfilmszenen aller Zeiten.

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Erst rutscht eine Verkehrspolizistin durch den Asphalt. Dann folgen Autos, Parkgaragen, Hochhäuser. Mama Eve (Natalie Zea) und Sohn Josh (Jack Martin) verschwinden auch in dem Abgrund, Tochter Izzy (Zyra Gorecki) kann sich retten und ist Gott sei Dank in Nullkommanix wiedervereint mit dem der Familie zuletzt entfrem­deten Daddy Gavin (Eoin Macken), der gerade einen Versuch gestartet hatte, wieder bei der US Air Force einzuscheren.

Vor drei Jahren war er abgestürzt, seither hat er Visionen. Und die hängen irgendwie mit dem Loch zusammen. „Alles, was mir zugestoßen ist, hat zu dem hier geführt“, ahnt Gavin. Aha! Wie das so ist mit dem Schicksal.

Die Behörden machen anfangs keine Anstalten, eine Rettungsaktion einzuleiten. „Der Sturz ist zu tief, als dass ihn irgendjemand hätte überleben können“, heißt es. Das ist natürlich falsch – wer von den Abgestürzten nicht von einem Trümmerteil getroffen wird, erwacht, als sei er in ein Federbett gefallen. Handys funktionieren nicht tief in dieser merkwürdigen Erdunterkellerung à la Jules Verne, die so ähnlich beschaffen ist wie das, worauf die tierischen Helden der „Ice Age“-Animationsfilme stoßen. Eine wilde Natur mit Lebewesen, denen man besser aus dem Weg geht.

Die „Lost World“-Besucher sind freilich weit schlechter drauf als Faultier Sid und seine unerschütterlichen Gefährten – sie sind gereizt oder gar suizidgefährdet wie Ty Coleman (Chiké Okonkwo), den Eve gerade noch davon abhalten kann, sich zu erschießen. Scott (Rohan Mirchandaney) dagegen ist eine Art Sonnenschein der Unterwelt, was wir allerdings erst unterschreiben, als er sich bei dem Mädchen Veronica (Lily Santiago) entschuldigt, das seinetwegen fast ein irreversibles Rotkäppchenschicksal erlitten hätte.

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Nachts sind alle Großkatzen grau: Ein Säbelzahntiger begegnet in „La Brea“ Menschen aus Los Angeles.

Nachts sind alle Großkatzen grau: Ein Säbelzahntiger begegnet in „La Brea“ Menschen aus Los Angeles.

„Ich denke, wir sind immer noch in Los Angeles“, sagt Eve dann zum ersten aber nicht zum letzten Mal. Die Frage „Wo sind wir?“ der Überlebenden verwandelt sich mählich in ein „Wann sind wir?“. Und sie wird beantwortet durch den Angriff von Säbelzahntigern, die noch ein wenig gefährlicher sind als die Hyänenwölfe (Hat man für die etwa die digitalen Schattenwölfe aus „Game of Thrones“ leicht umgestaltet?) und die nächtens loslegen – weil nachts sind alle CGI-Effekte gut.

In den Jagdgründen der Großkatzen ist bald nichts mehr zu essen da – blöderweise ist kein Supermarkt mit abgestürzt. So bleibt Jagd als Option. Parallel werden kleine Familiendramen ausgefochten, gibt es Streit und Stress, damit es dem Publikum nicht völlig egal bleibt, wer gefressen wird und wer nicht.

Gast aus dem Gestern: ein Pleistozän-Geier in der Stadt der Engel.

Gast aus dem Gestern: ein Pleistozän-Geier in der Stadt der Engel.

Das reicht eigentlich für die Gemeinde der Serienfans, die mit passablem Schauspiel, okay entwickelten Figuren und nicht allzu elaborierten Dialogen zufrieden sind, solange nur genug verrücktes Zeug, schöne Monster und Action gereicht werden. „La Brea“ ist eine gut fotografierte Magical Mystery Tour, die irgendwo zwischen A- und B-Movie festhängt, eine von den Nicht-schlecht-Serien, die Plausibilität schon mal umschippern – bis über die Grenze zur Lächerlichkeit hinaus. Eine Suchmission ist in „La Brea“ machbar, weil es ein bislang ungenutztes Supersonderflugzeug gibt, das in einem Hangar nur darauf wartet, auf Zeitreise zu gehen. Gott sei Dank! Was für ein prima Zufall.

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Eine der Figuren erinnert an die Königin all jener Serien, in denen Menschen im Unfassbaren stranden: „Vielleicht sind wir in einer Folge von ‚Lost‘!“ Na na na – jetzt wollen wir aber mal die Kirche in LA lassen.

„La Brea“, erste Staffel, zehn Episoden, von David Appelbaum, mit Natalie Zea, Zyra Gorecki, Eoin Macken, Chiké Okonkwo (streambar ab 24. April bei Sky)

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