TV-Kritik

Literaturverfilmung „Narziss und Goldmund“: gefährliche Liebesabenteuer und eine homoerotische Beziehung

Narziss (Sabin Tambrea, links) und Goldmund (Jannis Niewöhner) in einer Szene der Romanverfilmung „Narziss und Goldmund“.

Narziss (Sabin Tambrea, links) und Goldmund (Jannis Niewöhner) in einer Szene der Romanverfilmung „Narziss und Goldmund“.

Ja, ist denn schon Weihnachten? Nein, nur Buß- und Bettag. Und passend zu diesem evangelischen Feiertag zeigt das ZDF die Verfilmung – seltsamerweise die erste überhaupt – von Hermann Hesses 1930 veröffentlichter Erzählung „Narziss und Goldmund“. Eine typische Vertreterin deutscher Erbauungsliteratur, die sogar Schullektüre und besonders in den Sechzigerjahren unter Hippies sehr beliebt gewesen ist.

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Heute wirkt das Buch eher altbacken, genau wie seine Verfilmung, die in ihrer Machart oft recht stark an die in den Siebzigerjahren populären Weihnachtsvierteiler des ZDF erinnert. Und wenn Uwe Ochsenknecht mit angeklebtem Rauschebart als Bildhauer durch die Szenerie stapft, ist das eher unfreiwillig komisch – genau wie die Idee, den „4 Blocks“-Star Kida Khodr Ramadan als mittelalterlichen Mönch auftreten zu lassen. Neukölln lässt dann auch sprachlich grüßen.

Bei der Besetzung selbst von Nebenrollen ist nicht gespart worden

Dennoch ist der Film, den Oscarpreisträger Stefan Ruzowitzky („Die Fälscher“) inszeniert hat, recht unterhaltsam. Die Ausstattung und die Kulissen sind prachtvoll, manchmal sogar zu prächtig, wenn beispielsweise eine von der Pest heimgesuchte Stadt richtig stylish ausschaut. Bei der Besetzung selbst von kleinen Nebenrollen ist nicht gespart worden, echte Charakterköpfe wie André Hennicke, Sunnyi Melles oder Georg Friedrich sind darunter. Und es gibt sehr viel nackte Haut zu sehen, besonders bei dem vorzüglich gebauten Goldmund-Darsteller Jannis Niewöhner, der ständig oberkörperfrei herumlaufen muss.

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Tiefe Freundschaft zwischen Narziss und Goldmund

Die Geschichte beginnt damit, dass ein wild gewordener Vater hoch zu Ross mit seinem Sohn Goldmund im Kloster Mariabronn auftaucht und seinen armen Jungen dort barsch den Mönchen übergibt, ja, regelrecht entsorgt. Auf Anordnung des Abtes soll sich der etwas ältere Klosterschüler Narziss um den verstoßenen Knaben kümmern. Obwohl die beiden Jungs charakterlich völlig unterschiedlich sind – Narziss ist schon als Kind ein verkopfter Typ, während Goldmund wild, sinnlich und chaotisch ist –, entwickelt sich zwischen beiden eine tiefe Freundschaft.

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Dennoch ist die kontemplative Atmosphäre eines Klosters für den schnell aufbrausenden Goldmund natürlich nicht der rechte Ort. Und so zieht es ihn Jahre später in die weite Welt und vor allem zu Frauen, mit denen er wie ein Don Juan wilde erotische Abenteuer hat. Affären, die für ihn nicht immer glücklich ausgehen. Was man ihm später mehr als deutlich auch ansieht. Trotz aller Affären ist Goldmund stets auf der Suche nach seiner Mutter, die er früh verloren hat.

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Lebensgefährliche Liebesabenteuer

Der Film selbst zeigt dies sehr ausführlich, wohl auch, weil die zuweilen lebensgefährlichen Liebesabenteuer wirklich unterhaltsam und manchmal echt tragisch sind. Dabei weicht die Verfilmung zuweilen von der Buchvorlage ab. Wenn Goldmund beispielsweise in Rage einen Vergewaltiger seiner Freundin erschlägt, empfindet er keine Lust wie im Buch, sondern Ekel. Aber das wird nur eingefleischte Hesse-Kenner womöglich stören, genau wie der im Film veränderte Schluss der Geschichte.

Gegen Ende, nachdem zuvor schon Goldmund mit Rauschebart-Ochsenknecht über die wahre Kunst philosophiert hat und in kurzen Zwischenszenen religiöse Fragen debattiert worden sind, geht es dann um das Thema, das den Regisseur und seinen Drehbuch-Co-Autor Robert Gold besonders interessiert: um die homoerotische Beziehung zwischen Goldmund und Narziss, der inzwischen Abt des Klosters geworden ist. Diese ist sehr sensibel gezeichnet und zurückhaltend inszeniert. Dennoch knistert es zwischen den beiden Männern so auffällig, dass es die anderen Mönche des Klosters sichtbar irritiert. Und es ist vor allem der Narziss-Darsteller Sabin Tambrea, der dabei auf alle Klischees verzichtet und sein stilles Leiden an der nicht erfüllbaren Beziehung einfach herausragend transportiert.

„Narziss und Goldmund“ läuft am Mittwoch, 16. November, ab 20.15 Uhr im ZDF.

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