Mit Dank an den neuen EIgentümer

Nach Musk-Übernahme testen Radikale Twitter-Regeln gegen Desinformation

Das Twitter-Konto von Elon Musk (@elonmusk) wird auf einem Smartphone mit Twitter-Logo im Hintergrund angezeigt (Symbolbild).

Das Twitter-Konto von Elon Musk (@elonmusk) wird auf einem Smartphone mit Twitter-Logo im Hintergrund angezeigt (Symbolbild).

New York. Kurz nach der Twitter-Übernahme durch den Milliardär Elon Musk haben rechte Aktivisten im Kurznachrichtendienst Verschwörungstheorien in Umlauf gesetzt. Unter anderem twitterten sie am Freitag Schlagworte wie „Trump hat gewonnen“ oder behaupteten, das Wurmmittel Ivermectin, vor dem Experten gewarnt haben, wirke gegen Corona. Damit wollten sie offenbar testen, ob bei Twitter die Regeln gegen Desinformation noch gelten, nachdem Musk als selbst ernannter Verfechter absoluter Meinungsfreiheit das Kommando übernommen hat.

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So twitterte der frühere Kommentator des rechten Fernsehnetzwerk Newsmax, Steve Cortes: „@elonmusk, geht das raus? Es gibt zwei Geschlechter, Trump hat gewonnen, Ivermectin rockt.“ Extremistische Nutzerprofile verbreiteten rassistische Gemeinheiten und Nazisymbole zusammen mit einem Dank an Musk. Ein anonymer Nutzer twitterte den Aufruf: „Elon kontrolliert jetzt Twitter, entfesselt rassistische Verleumdungen.“

Was hat Elon Musk nach der Übernahme mit Twitter vor?

Twitter steuert mit dem Kauf durch Elon Musk in eine unklare Zukunft. Der Online-Dienst kommt unter vollständige Kontrolle des reichsten Mannes der Welt.

Musk vertagt Entscheidung über Wiederherstellung gesperrter Konten

Musk hatte im Mai angekündigt, das nach dem Sturm auf das Kapitol verhängte Twitter-Verbot für Ex-Präsident Donald Trump aufzuheben. Nach dem Vollzug der Twitter-Übernahme gab er bekannt, einen „Rat zur Moderation von Inhalten“ bei dem Kurznachrichtendienst einführen zu wollen. Darin würden unterschiedliche Meinungen vertreten sein. Bevor der Rat eingerichtet sei, werde es keine Entscheidungen über Inhalte oder über die Wiederherstellung von Konten gesperrter Personen geben.

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Medien berichteten indessen, der inzwischen als Ye bekannte Rapper Kanye West sei wieder auf Twitter aktiv, nachdem er dort wegen antisemitischer Posts gesperrt worden war. Es gab allerdings keinen Hinweis darauf, dass dies mit der Übernahme des Unternehmens durch Musk zu tun haben könnte. Twitter reagierte nicht auf Anfragen, ob Ye dort wieder unterwegs ist.

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Die Nachrichtenagentur AP prüfte am Freitag mindestens ein Dutzend gesperrter Twitter-Konten, unter anderem das des Rechtsradikalen James O'Keefe und das des Trump-Vertrauten und Kissenunternehmers Mike Lindell. Alle diese Konten waren jedoch noch gesperrt.

Werbekunden werden unruhig – Nutzer wollen abspringen

Die Frauenrechtsgruppe Ultraviolet drängte Musk und Twitter, die Sperren gegen Trump, gewaltbereite Rechtsradikale und Rassisten aufrecht zu erhalten. Musk selbst versuchte, Werbekunden zu beruhigen und bei der Stange zu halten. Twitter werde keineswegs zu einer Höllenlandschaft mit Zutritt für alle, versicherte er.

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Der Autobauer General Motors kündigte indessen an, er werde seine Werbung bei Twitter erst einmal aussetzen und sehen, welchen Kurs die Plattform unter Musk einschlage. Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer drohten, ihre Konten bei Twitter zu löschen. Die Begriffe „Elon“ und „löschen“ gehörten am Freitag zu den am meisten nachgefragten bei Twitter. „Elon Musk hat eine Plattform gekauft, er hat keine Menschen gekauft“, sagte die Expertin für Soziale Medien, Jennifer Grygiel, von der Universität Syracuse. „Wir haben immer noch eine Wahl, wie wir unsere Nachrichten bekommen, unsere Informationen und wie wir kommunizieren.“

Nichtmoderierte Netzwerke haben kaum Erfolg

Wie es auf weitgehend regelfreien Plattformen zugehen kann, zeigen die Webseiten von Gab und Parler. Diese Nischenanbieter sind bei Konservativen und Libertären populär, die darüber klagen, dass ihre Standpunkte auf großen Seiten wie Facebook zensiert würden. Doch hier wimmelt es auch von rassistischen Botschaften, Nazibildern und Extremismus inklusive Aufrufen zu Gewalt. Werbekunden wollen ihre Produkte nicht neben solchen Posts anpreisen und die meisten Nutzer haben keine Lust, viel Zeit auf Webseiten zu verbringen, auf denen sie mit sexistischen und rassischen Botschaften von Internet-Trollen bombardiert werden.

Eddie Perez hat früher bei Twitter ein Team geleitet, das sich um die bürgerliche Integrität der Plattform kümmert. Musk scheine Twitter als einen digitalen öffentlichen Platz zu betrachten, auf dem jeder die gleiche Stimme hat, sagte Perez. Doch sei eine wunderliche Vorstellung, große Soziale Medien als moderne Version des guten alten Marktplatzes zu betrachten. Denn auf ihnen agierten auch Nationalstaaten und bösartige Akteure mit oft erheblichen Ressourcen, die die Nutzer manipulierten.

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RND/AP

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