TV-Kritik

Neuer Münster-„Tatort: Ein Freund, ein guter Freund“ - Ein erstaunlich gefühlsduseliger Boerne

Ob sie es wollen oder nicht: Ihre Wege kreuzen sich immer wieder im Job und auch zuhause. Denn der Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrichs Boerne (Jan Josef Liefers) (l.) und Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) (r.) wohnen Tür an Tür.

Ob sie es wollen oder nicht: Ihre Wege kreuzen sich immer wieder im Job und auch zuhause. Denn der Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrichs Boerne (Jan Josef Liefers) (l.) und Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) (r.) wohnen Tür an Tür.

Münster. Das gefällt Professor Boerne: Vor der versammelten besseren Gesellschaft Münsters darf der Rechtsmediziner eine Abschiedsrede halten. Auf ein befreundetes Ehepaar, das die Stadt verlassen will. Er (Jan Georg Schütte) ein Top-Rechtsanwalt mit Kontakten in alle Gesellschaftsbereiche und sie (Proschat Madani), Boernes heimliche Liebe. Bei der Gartenparty lässt es der Professor erst mit Worten, dann mit Alkohol so richtig krachen. Der Kater am nächsten Tag wird fürchterlich. Das ist der Auftakt für die Folge „Ein Freund, ein guter Freund“ am Sonntag, 13. November, um 20.15 Uhr im Ersten.

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Hinter seinem Rücken machen sich die Kollegen lustig - über die angeblich so spontane und nicht vorbereitete Rede. Geladen sind auch die Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann), Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Boernes Assistentin Silke Haller (ChrisTine Urspruch). Boerne protzt mit seinen akademischen Titeln - und Thiel wünscht sich, der Professor möge doch endlich mal die Schnauze halten.

Mit geteiltem Bildschirm durch die Handlung

Schnitt: In einer heruntergekommenen Anwaltskanzlei knüpft sich Mafiaboss Nino Agostini (Claudio Caiolo) seinen Verteidiger vor. Der hat einen Prozess vergeigt und darf sich jetzt die Drohungen von Münsters Paten anhören. Kurz darauf ist er tot. Eine Kugel steckt in seinem Körper.

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Regisseurin Janis Rebecca Rattenni („Kommissar Dupin“) führt die Zuschauer mit einem ungewohnten Stilmittel, einem geteiltem Bildschirm, von einer Handlung zur nächsten. Für sie ist es die erste Regiearbeit bei einem „Tatort“. „Ich glaube, die größte Herausforderung beim ‚Tatort‘ aus Münster ist es, die Balance zwischen Krimi und Komödie zu finden“, sagte Rattenni über den Fall.

Gewohnt witzige Wortduelle zwischen den Figuren

Und das gelingt ihr durchaus, denn Rattenni verknüpft mehrere Handlungsstränge kurzweilig miteinander und garniert die Geschichte um den toten Anwalt, eine Entführung und die Mafia im Münsterland gekonnt mit den gewohnt witzigen Wortduellen zwischen den Figuren, die nur auf den ersten Blick so wenig zu einander passen.

So spielt Drehbuchautor Benjamin Hessler gewohnt bissig mit gekonnter Wortakrobatik. Als der Chef der Rechtsmedizin dringend auf Laborergebnisse wartet, fordert er seine kleinwüchsige Assistentin auf, „Druck von unten bei den Kollegen auszuüben“. „Druck von unten sagt er von oben herab“, empört sich Haller - und greift dennoch zum Telefonhörer, um die Kollegen unwillig auf Trab zu bringen.

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Seltener Einblick in Boernes Gefühlswelt

Nach dem Finale erlaubt der Professor den Zuschauern einen seltenen Einblick in seine Gefühlswelt, wenn auch mit Tränen in den Augen - getarnt als Vorlesung über die Evolutionsbiologe. Liebe, so Boerne zu Thiel, sei nichts anderes als eine Fehlfunktion, die fatale Konsequenzen haben könne. „Für die Erhaltung der Gattung gänzlich unnötig“ - der Münster-„Tatort“ als Krimi und Komödie in Vollendung.

RND/dpa

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