Anschlag auf Kriminalreporter in Amsterdam: Peter R. de Vries ist wichtige Figur in Mafiaprozess

Der niederländische Kriminalreporter Peter R. de Vries kennt sich mit Verbrechen aus – doch jetzt ist ein Anschlag auf den 64-Jährigen verübt worden.

Der niederländische Kriminalreporter Peter R. de Vries kennt sich mit Verbrechen aus – doch jetzt ist ein Anschlag auf den 64-Jährigen verübt worden.

Amsterdam. Ein Mordanschlag auf den prominenten niederländischen Kriminalreporter Peter R. de Vries hat das Land zutiefst entsetzt. Nach der Festnahme von drei Verdächtigen hofft die Polizei auf eine schnelle Aufklärung der Tat. Ministerpräsident Mark Rutte sprach in der Nacht zu Mittwoch von einem „Anschlag auf den freien Journalismus“.

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Lebensgefährliche Verletzung

Der Reporter war beim Verlassen eines TV-Studios auf offener Straße niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt worden. Er sei mit einem Kopfschuss ins Krankenhaus gebracht worden, teilte die Polizei mit. „Peter R. de Vries kämpft um sein Leben“, sagte die Bürgermeisterin von Amsterdam, Femke Halsema, zutiefst bestürzt. Drei Verdächtige wurden nach Angaben der Polizei festgenommen, darunter auch der mutmaßliche Schütze. Über die Hintergründe der Tat wurde noch nichts mitgeteilt. Eine Sonderkommission wurde eingesetzt.

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De Vries ist der führende Kriminalreporter der Niederlande. Er berichtet immer wieder über spektakuläre Fälle. Derzeit ist er Vertrauensperson in einem großen Prozess gegen das organisierte Verbrechen. Doch um was geht es bei diesem Prozess genau?

Prozess gegen „Marengo“-Bande

Seit Mitte März läuft in Amsterdam das Hauptverfahren in einem der größten Mordprozesse in der Justizgeschichte der Niederlande. 16 mutmaßliche Mitglieder einer Bande der Rotterdamer Drogenmafia müssen sich unter anderem wegen sechsfachen Mordes und mehrerer Mordversuche verantworten. Hauptverdächtiger ist der 43 Jahre alte Ridouan Taghi. Er gilt als mutmaßlicher Chef der international agierenden „Marengo“-Bande und zählte zu den meistgesuchten Männern der Niederlande. Im Dezember 2019 wurde Taghi in Dubai festgenommen und an die niederländische Justiz überstellt.

Die Staatsanwaltschaft wirft Taghi vor, die kriminelle Vereinigung wie eine „gut geölte Tötungsmaschine“ geführt zu haben. Er soll an allen sechs Morden beteiligt gewesen sein, um die es in dem Prozess geht. Die Opfer waren entweder Kontrahenten aus dem Drogenmilieu oder Bandenmitglieder, die als Polizeispitzel verdächtigt wurden. Taghi hatte sich vor Gericht noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Auch bei seinen Vernehmungen durch die Polizei habe der mutmaßliche Drogenmillionär meist geschwiegen, berichtete die niederländische Nachrichtenagentur ANP.

Sprecher von Opfern oder Zeugen

Ins Rollen brachte Nabil B. den Prozess. Er hatte für Taghi gearbeitet und war dabei zwischen die Fronten mehrerer Unterwelt-Clans geraten. Er schloss einen Kronzeugendeal mit der niederländischen Polizei. Als die Staatsanwaltschaft später öffentlich machte, dass B. ausgesagt hat, folgte die Reaktion von der Drogenmafia prompt. Der Bruder von B. wurde in Amsterdam erschossen. Später traf es auch den Anwalt von B., der ermordet wurde.

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Doch in welchem Verhältnis steht Peter R. de Vries zu diesem Prozess? Er ist die Vertrauensperson des Kronzeugen Nabil B. und tritt immer wieder als Sprecher von Opfern oder Zeugen bei Prozessen auf.

De Vries ist bekannter Kriminalreporter

De Vries arbeitete einige Jahre als Reporter für die Zeitung „De Telegraaf“ und spezialisierte sich dabei auf Kriminalberichterstattung. International bekannt wurde der Reporter 1987 mit seinem Bestseller über die Entführung des Bierbrauers Freddy Heineken. Der Entführer Heinekens, Willem Holleeder, schickte de Vries 2016 eine Morddrohung, nachdem der Journalist Holleeders Schwestern dabei geholfen hatte, ihren Bruder wegen Mordes ins Gefängnis zu bringen.

2008 gewann de Vries einen Emmy Award für seine Reportagen über den Fall von Natalee Holloway. Die Amerikanerin war 2005 auf Aruba verschwunden und vermutlich von einem Niederländer getötet worden. Von 1995 bis 2012 präsentierte er im niederländischen Fernsehen eine Sendung, in der es um bekannte Kriminalfälle ging. Der politische Reporter Frits Wester bezeichnete de Vries als einen Journalisten, der „sehr nah an großen Kriminellen“ sei, berichtete der niederländische Fernsehsender RTL4.

RND/max/dpa

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