Rückblick

Das Beste aus 33 Jahren „Wetten, dass ...?“

Wackeln im Sturm: Der „King of Pop“

Als Michael Jackson 1995 bei „Wetten, dass ...?“ seinen „Earth Song“ präsentierte, da wusste das Land plötzlich, was ganz großer Pop im Fernsehen bedeuten konnte.

Als Michael Jackson 1995 bei „Wetten, dass ...?“ seinen „Earth Song“ präsentierte, da wusste das Land plötzlich, was ganz großer Pop im Fernsehen bedeuten konnte.

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Der Mann sah aus wie außer Kontrolle. Er hing auf einem Hubwagen hoch über Duisburg und kämpfte singend, ach was: tobend gegen die Elemente. Um ihn herum: das volle Programm. Gospelsänger. Kinderchor. Und natürlich hatte er sein Hemd zerrissen, niemand zerriss damals sein Hemd wie Michael Jackson, Hühnerbrust hin oder her. Als Jackson 1995 bei „Wetten, dass  ...?“ seinen „Earth Song“ präsentierte, da wusste das Land plötzlich, was ganz großer Pop im Fernsehen bedeuten konnte. Größer als das Leben konnte er sein. Ein bisschen gefährlich. Irgendwie abgedreht. Jahre später hielt Jackson dann, von Hybris umweht, sein Baby über eine Hotelbrüstung. Ohne „Earth Song“. In diesen sieben Minuten und 40 Sekunden in Düsseldorf aber war er noch der „King of Pop“. Und wir dachten, er wäre unsterblich.

Imre Grimm

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Eine Wette mit Langzeitwirkung

Am 16. Mai 1981, gleich im ersten Jahr, saß der Schauspieler 
Karlheinz Böhm (l.) auf der „Wetten, dass ...?“-Couch und gab den kleinen Pessimisten.

Am 16. Mai 1981, gleich im ersten Jahr, saß der Schauspieler 
Karlheinz Böhm (l.) auf der „Wetten, dass ...?“-Couch und gab den kleinen Pessimisten.

Es war sicher keine der ganz spektakulären Wetten. Am 16. Mai 1981, gleich im ersten Jahr, saß der Schauspieler Karlheinz Böhm (l.) auf der "Wetten, dass ...?"-Couch und gab den kleinen Pessimisten: Nicht mal jeder dritte Zuschauer, prophezeite er, werde eine Mark für Not leidende Menschen in der Sahelzone spenden. Böhm war kurz zuvor selbst längere Zeit in Kenia gewesen – und hatte dort auch die Kehrseite der Touristenwelt kennengelernt. Böhm gewann seine Wette. 1,2 Millionen Mark kamen dennoch zusammen. Er flog mit dem Geld nach Äthiopien, sah die Not der Menschen dort – und gründete die Organisation Menschen für Menschen. Sie baute bisher Hunderte Schulen, Brunnen, Straßen, Krankenhäuser. Da war aus "Wetten, dass ...?" mal etwas Gutes entstanden. Etwas Bleibendes.
Thorsten Fuchs

Ja leckt mich doch alle

Kandidat Thomas Rautenberg kann Buntstifte am Geschmack erkennen.

Kandidat Thomas Rautenberg kann Buntstifte am Geschmack erkennen.

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Schmeckt "Preußischblau" anders als "Kadmium chrom"? Für den Mann mit dem breiten Schnäuzer und der bunt zugeklebten Skibrille keine Frage. Ein kurzes Lecken, ein längeres Nachschmecken: "Das schmeckt gelb, es ist zitron". Kandidat Thomas Rautenberg kann Buntstifte am Geschmack erkennen. Wahnsinn – aber noch bevor wir das alte Bleistiftetui zur großen Farbprobe herausgekramt haben, hat sich der Minenlutscher als Redakteur Bernd Fritz von der Satirezeitschrift "Titanic" geoutet. Der Mann ist Schummler und Spielverderber, denn er löst das Rätsel erst drei Wochen später im Heft auf. Fritz hat nur unter der Skibrille auf die Stifte geschielt. Die "Titanic" verkauft sich so gut wie nie, "Wetten, dass ...?" aber bekommt erstmals Schlagseite. Und jede verrückte Wette stand seitdem unter Schummelverdacht.
Harald John

Ein Missverständnis auf dem Sofa

Götz George (r.) saß ganz einfach auf dem falschen Sofa. Er wusste das, und alle anderen wussten es auch.

Götz George (r.) saß ganz einfach auf dem falschen Sofa. Er wusste das, und alle anderen wussten es auch.

Götz George (r.) saß ganz einfach auf dem falschen Sofa. Er wusste das, und alle anderen wussten es auch. Aber in seinem Vertrag stand geschrieben: PR-Auftritte inklusive. Deshalb blätterte er nun missmutig im Werbematerial zum Film "Solo für Klarinette". Gottschalk plapperte derweil über Actioneinlagen und Pornoszenen – also über all das, womit Georges Psychodrama garantiert nichts zu tun hatte. An diesem Abend 1998 prallten das Prinzip Gottschalk und das Prinzip George aufeinander – amüsante Unterhaltung, im Zweifelsfall inhaltslos, gegen ernsthafte Information, zur Not pointenfrei. Das Ganze war ein einziges Missverständnis, und George sprach es in raubeiniger Schimanski-Manier aus: "Komm auf den Film zu sprechen, der ist mir wichtiger als das, was du redest." Geholfen hat es nichts: gellende Pfiffe.
Stefan Stosch

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Mit den „Kellys“ im Luxushotel

Die Kelly Family, damals noch eine zottelige Großfamilie, hatte gerade die Herzen der deutschen Teenager erobert.

Die Kelly Family, damals noch eine zottelige Großfamilie, hatte gerade die Herzen der deutschen Teenager erobert.

Große Stars waren schon immer da, wo "Wetten, dass...?" auch war. Hinterher wurde dann – à la Tom Hanks – über diese seltsame deutsche Show gelästert. 1996, als "Wetten, dass…?" gerade in Hannover Station machte, war das noch anders. Da waren die Gäste noch furchtlos: Die Kelly Family, damals noch eine zottelige Großfamilie, hatte gerade die Herzen der deutschen Teenager erobert. Am Abend vor dem großen Auftritt checkte die Familie in einem Hotel vor den Toren der Stadt ein – und die aufgeregte Jugend dieses gut 600 Einwohner zählenden Dorfes kannte kein Halten mehr. In der Luxusabsteige lungerten Paddy, Patricia und Maite entspannt in der Lobby rum, es gab Wein, von Nervosität keine Spur – und das, obwohl ein Jahr zuvor dem jüngsten Bandmitglied auf der "Wetten, dass…?"-Bühne der Kopf rasiert worden war.
Nora Lysk

Die Geburt des Showkanzlers

Für Gerhard Schröder markiert „Wetten, dass…?“ einen Wendepunkt im Image – allerdings nicht zum Besseren.

Für Gerhard Schröder markiert „Wetten, dass…?“ einen Wendepunkt im Image – allerdings nicht zum Besseren.

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Für Gerhard Schröder markiert "Wetten, dass…?" einen Wendepunkt im Image – allerdings nicht zum Besseren. 1995 war der SPD-Politiker das erste Mal in der Sendung, damals noch als niedersächsischer Ministerpräsident in Begleitung seiner Ehefrau Hiltrud. Am 20. Februar 1999 kam er erneut – nach gerade mal einem Vierteljahr Kanzlerschaft. Als Wetteinsatz bot er an, die älteste Dame im Publikum mit der Kanzlerlimousine nach Hause zu bringen. Das war eine Anspielung auf seine Mutter, die sich das einmal gewünscht hatte. Ein Audi A8 wurde in die Halle gefahren, schließlich nahm darin eine ganze Familie Platz – sodass für Schröder kein Sitz mehr frei war. Er wollte volkstümlich erscheinen. Doch das war die Zeit, in der der frisch gewählte Kanzler oberflächlich als Showkanzler verspottet wurde. Dieser Eindruck wurde mit der Sendung eher noch gefestigt.
Klaus Wallbaum

Blondinen bevorzugt

„Wir Blondinen sind gut fürs Fernsehen, aber uns heiratet kein Schwein“, sagte Michelle Hunziker 2009 vor ihrem Einstieg bei „Wetten dass ...?“.

„Wir Blondinen sind gut fürs Fernsehen, aber uns heiratet kein Schwein“, sagte Michelle Hunziker 2009 vor ihrem Einstieg bei „Wetten dass ...?“.

Es war ein Geständnis, das sie direkt auf die Couch brachte. "Wir Blondinen sind gut fürs Fernsehen, aber uns heiratet kein Schwein", sagte Michelle Hunziker 2009 vor ihrem Einstieg bei "Wetten dass ...?". Die folgenden Jahre hörte man einiges von Hunzikers Beziehungen. Fürs Fernsehen blieb sie immer gut. Bei "Wetten, dass ...?" natürlich vor allem wegen der Mehrsprachigkeit. Wer sonst hätte die Schweizer anfeuern sollen, die mit Muskelkraft eine Bahn den Berg hochziehen wollten? Und wer sonst hätte dem Bauern, der seine Kühe am Schmatzen erkannte, so tiefgründig seine Verehrung ausdrücken können? Es ist nur eine Legende, dass alle nur auf ihr aktuelles Outfit gestarrt hätten (mit Ausnahme der Mallorca-Shows vielleicht). Hunziker hat es mit einer eigenen Show im deutschen Fernsehen nicht geschafft. Dafür hat sie vor zwei Monaten geheiratet.
Jörg Kallmeyer

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Der Dauerbrenner: „Robbiiiiee!“

Tom Hanks musste bei "Wetten, dass ...?" sehr, sehr leiden. Ach hätte er sich doch vorher bloß bei einem Dauergast erkundigt! Robbie Williams zum Beispiel war ganze neunmal als Solo-Popstar in der ZDF-Show zu Gast, drei weitere Male gemeinsam mit Take That. Legendär: Robbie liest im Dezember 2002 die Bundesligaergebnisse vor und spricht vom "FC Scheiße 04". Oder sein Auftritt im November 2012, begleitet von Markus Lanz am Klavier. Williams singt "Let Me Entertain You", als wäre das hier seine Show. Später dann ein nüchternes Fazit: "Für mich war es all die Jahre eine Ehre, in diese Show eingeladen zu werden. Ich will nur nicht drei Stunden auf diesem Sofa sitzen. Ich habe das nie mitgemacht. Meine Ausrede war immer: Mein Flugzeug wartet draußen auf mich."
Christiane Eickmann

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