Neuauflage „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“: Nur ein bisschen diverser

Aschenbrödel (Astrid Smeplass) und ihr Prinz (Cengiz Al).

Aschenbrödel (Astrid Smeplass) und ihr Prinz (Cengiz Al).

Der tschechisch-ostdeutsche Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ von 1973 gehört zu den Weihnachtstagen wie „Dinner for One“ zum Silvesterabend. Allein zwölf Mal wird er rund um die Feiertage im Fernsehen gezeigt. Dieses Jahr kommt für viele Fans noch eine traurige Note zum alljährlichen Kitsch hinzu. Aschenbrödel-Darstellerin Libuše Šafránková starb im Sommer mit 68 Jahren.

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Es mutet also wie eine Störung der Totenruhe an, dass ausgerechnet diesen Winter eine Neuverfilmung des Märchenstoffs herauskommt. Daran gewagt hat sich ein norwegisches Team unter der Regie von Cecile Mosli, die Hauptrolle spielt die norwegische Sängerin Astrid Smeplass. Welchen Charme kann eine Neuauflage denn bitte haben – ohne Šafránková, ohne den ebenfalls seit drei Jahren verstorbenen Dresdner Weltstar Rolf Hoppe als König? Ohne das Schloss Moritzburg, ohne die ganz liebenswert-holprige altmodische Art. Und ohne die Trivia aus dem realsozialistischen Filmgeschäft, die alle Fans kennen: Eigentlich war die Geschichte als Sommerfilm gedacht, doch die Filmteams der Defa waren schon gebucht, also machte man eine Wintergeschichte daraus; dann lag kein Schnee und übelriechendes Fischmehl musste die reine Winteridylle herstellen.

Nur kleinste Unterschiede zum Original

Nun, letzteres Problem tauchte in Norwegen nicht auf. Es gibt Schnee en masse in der Neuauflage, hohe Berge und nicht nur sächsisch-böhmische Hügel. Es gibt ein Traumschloss, gegen das Moritzburg wie eine Scheune wirkt. Und es gibt Polarlichter am Himmel, die Aschenbrödel zum Ball geleiten.

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Die Neuverfilmung hält sich teilweise bis in die Dialoge eng an die Originalversion. Unterschiede gibt es nur in Nuancen: Aschenbrödel ist ernster und weniger verspielt, sie verliebt sich auf den ersten Blick in den Prinzen, während ihre die Siebzigerjahrevorgängerin noch etwas mehr neckte, herumtollte und auf Bäume kletterte. Die fiese Stiefmutter (in der Neuverfilmung gespielt von Ellen Dorrit Petersen), ist noch eine Runde fieser, ihre bedauernswerte Tochter Dora noch etwas passiver und bedauernswerter, der Prinz (Cengiz Al) noch ein kleines bisschen postpubertär-lustloser als Pavel Trávníček im Original.

Ein bisschen diverser

Der Hofstaat ist ein bisschen diverser (inklusive zweiter knutschender Höflinge zum Schluss), es ist ein bisschen mehr Action, aber das wars dann fast schon mit den Modernisierungen. Die wichtigste allerdings: Aschenbrödels neu erwachtes Selbstbewusstsein, nicht ein hergezaubertes Brautkleid macht aus ihr die Prinzessin.

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„Glück zu haben ist nicht gleichbedeutend damit, einen tollen Mann zu finden und ihn zu heiraten. In dem Film geht es eher darum, wie Aschenbrödel für ihre Rechte kämpft“, sagt Hauptdarstellerin Smeplass im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Sie möchte das Leben leben, das sie möchte, und frei von ihrer Stiefmutter sein. Ich hoffe, dass die Menschen und vor allem junge Mädchen das auch erkennen.“ Ja, Mädchen können alles werden, und wenn sie am Ende doch den Prinzen heiraten, ist das gut für ein beruhigendes Weihnachtsfest. Für diese Erkenntnis hätte es eine Neuauflage nicht gebraucht. Märchenhafter und träumerischer bleibt unerreicht das Original. Und so bleibt nur zu fragen: Schadet ja nichts, aber wozu das Ganze?

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (2021), ab 20.12. bei Amazon Prime Video

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