„Sex and the City“: Warum Miranda und nicht Carrie die eigentliche Heldin der Serie ist

"Sex and the City": Gemeinsam posieren die Hauptdarstellerinnen der US-Fernsehserie (von hinten): Kim Cattrall (Samantha), Cynthia Nixon (Miranda), Kristin Davis (Charlotte), Sarah Jessica Parker (Carrie).

Kim Cattrall (Samantha), Cynthia Nixon (Miranda), Kristin Davis (Charlotte) und Sarah Jessica Parker (Carrie) lösten mit „Sex and the City“ einen globalen Hype aus, der bis heute ungebrochen ist.

Es gibt wenige Kultserien aus den 1990er-Jahren, die man heute noch anschauen kann, ohne vor Fremdscham und sogenannten Red Flags mit Blick auf Fortschrittlichkeit und Political Correctness zusammenzuzucken. „Baywatch“? Sexismus pur. Von weiteren Serien wie „Eine schrecklich nette Familie“ ganz zu schweigen. Und doch gibt es Formate, deren Hype nicht abebben will. „Sex and the City“ zum Beispiel – aber ist die Serie um Carrie, Miranda, Samantha und Charlotte aus heutiger Sicht eigentlich wirklich so fortschrittlich und feministisch, wie wir in den 90ern dachten?

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Keine Frage: Seit am 6. Juni 1998 die erste Folge von „Sex and the City“ ausgestrahlt wurde, hat sich die weibliche Welt verändert. Fempowerment-Bewegungen wie #metoo sind richtungsweisend und auch die Vorstellung einer weiblichen Idealfigur hat sich neu definiert. Wollten während der 90er die meisten Frauen eine Carrie sein, fällt im Jahr 2021 ein ganz anderer Name, wenn es um die alles entscheidende Frage geht, mit welchem SATC-Charakter Frauen sich am meisten identifizieren könnten. Denn führte sie für Fans der Serie lange Zeit das am wenig erstrebenswerteste Leben, steht Miranda heute für das, was junge Frauen als #lifegoals bezeichnen würden.

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Dabei war Miranda stets genauso fortschrittlich und feministisch, wie sie heute endlich wahrgenommen wird. Nur dominierte Ende der 90er nun einmal noch ein anderes Rollenbild einer Frau. Und dieses wurde in Zeiten, in denen Instagram, Fashion-Blogs und Co. noch keine Rolle spielten, von Figuren geprägt, in denen sich die meisten Frauen ganz plakativ wiedererkennen konnten – oder wollten. Oder anders formuliert: von Figuren wie Carrie.

„<b>Wer aus ‚Sex and the City‘ würdest du am liebsten sein?“ - natürlich Carrie</b>

In der Wahrnehmung der 90er-Jahre war „Sex and the City“ fortschrittlich, geradezu revolutionär. Beim Frühstück in einem schicken Café wurde offen über Sex, persönliche Bedürfnisse und Themen gesprochen, die bis dato im Fernsehen nicht thematisiert wurden. Zumindest nicht von Frauen. Löste eben jener offene Umgang mit der eigenen Sexualität und Selbstbestimmtheit bei den Zuschauerinnen und Zuschauern einen riesigen Wow-Effekt aus, war es dennoch stets eine Figur, die im Fokus stand: Carrie Bradshaw. Und so kam es, dass Frauen auf der ganzen Welt wie sie sein wollten. Auf Fragen wie „Wer aus ‚Sex and the City‘ würdest du am liebsten sein?“ wurde fast immer der Name der stylischen Autorin genannt, die sich mit nur einer Zeitungskolumne pro Monat eine schicke Wohnung in New York und teure Manolo Blahniks leisten konnte. Charlotte? Viel zu prüde! Samantha? Viel zu nymphomanisch! Miranda? Viel zu karrierefixiert! Carrie hingegen stellte all das dar, was sich viele Frauen von ihrem Leben wünschten: immer top gestylt, einen emanzipierten Lifestyle und gut aussehende Männer, die ihr zu Füßen liegen – womit wir auch schon beim großen Knackpunkt an der Sache wären.

Kein Zweifel: Carrie war modisch, selbstbewusst und sprach mit ihrer Sexkolumne unzähligen Frauen – ob in der Serie oder im Real-Life – aus der Seele. Und doch war da diese Sache mit Mr. Big. Ein Mann, dessen richtiger Name erst in der letzten Folge der Serie verraten und über sechs Staffeln durch die Umschreibung „Big“ ins Unermessliche hochstilisiert wurde. Und das, obwohl er streng genommen genau das darstellte, was heute als „toxisch“ bezeichnet werden würde. In einer schier endlosen On/Off-Dauerschleife ließ er Carrie am ausgestreckten Arm verhungern. Er wollte nicht heiraten, worauf sie Schluss machte. Sie kommen wieder zusammen. Er sagt ohne ihr Wissen einen Job in Paris zu. Will sie partout seiner Mutter nicht vorstellen. Sie nicht zu einer Hochzeit begleiten. Heiratet dann irgendwann doch. Allerdings eine andere Frau. Die er dann betrügt – mit Carrie. Bei SATC gab es mindestens genauso viele Red Flags in Zusammenhang mit Mr. Big wie Designerschuhe an Carries Füßen. Und doch fanden sie ihr vermeintliches Happy End miteinander. Ein glückliches Ende, das selbst die Autorin Candace Bushnell als schwierig einstuft. In einem Interview mit der „New York Post“ sagte sie kürzlich, Männer könnten für Frauen „in vielerlei Hinsicht sehr gefährlich sein“. Ihrer Meinung nach waren die Serie und die Botschaft dahinter „am Ende nicht sehr feministisch“. Dabei lehnt Bushnell die Serie nicht grundsätzlich ab. Jedoch habe sie das Gefühl, manche Fans orientieren sich zu sehr an den fiktiven Leben der Figuren. Man solle aus der Serie nicht mitnehmen, dass das Ziel sei, bei Mr. Big zu landen.

<b>Miranda und Samantha leben feministische Selbstbestimmung</b>

Wenn genau zwei Figuren diesbezüglich immer eine andere Marschroute bevorzugten, dann waren es Samantha und Miranda. Denn während Carrie auf der Suche nach Mr. Big die Fifths Avenue auf und ab lief und Charlotte immer wieder betonte, ihr größter Wunsch sei es, zu heiraten und ein traditionelles Leben für die Familie zu führen, hebten sich diese zwei Frauen stets ab – und lebten Ende der 90er-Jahre bereits jenen Feminismus, der heute durch Hashtags wie #fempowerment symbolisiert wird.

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In einer Sache sind sich vermutlich alle einig: Vor allem Samantha ging in der Sexualisierung von Männern an der ein oder anderen Stelle definitiv zu weit. Schlussendlich muss man ihr jedoch zugestehen, dass sie einer Person stets treu geblieben ist: sich selbst. Das Gleiche gilt für Miranda, die ihre Selbstständigkeit und berufliche Karriere an oberste Stelle in ihrem Leben stellte – und sich diese berufliche und finanzielle Selbstbestimmung auch dann nicht nehmen ließ, als sie Mutter wurde. Miranda und Samantha beweisen sogar, dass Frauen alles im Leben haben können: Erfolg im Beruf und ein erfülltes Privatleben (wie vor allem Mirandas Beziehung mit Steve im Verlauf der Serie zeigte). Während Charlotte ihre berufliche Karriere mit dem Jawort vor dem Altar also an den Nagel hängte und Carrie mit Mr. Big eine langjährige Berg-und-Talfahrt der Gefühle hinlegte, haben Miranda und Samantha stets nach ihren eigenen Bedürfnissen gehandelt, geliebt und gelebt.

Sowohl Carrie als auch Charlotte, Samantha und Miranda durften am Ende der Serie ihr großes Glück finden. Jeder Weg dorthin war ein anderer – genau darum geht es schließlich auch im wahren Leben. Und ebenso steht außer Frage, dass Carrie in den Köpfen vieler Fans vermutlich immer die unangefochtene Ikone aus „Sex and the City“ bleiben wird. Doch sollten wir nie die eigentlichen Heldinnen der Serie vergessen, die schon Ende der 90er für Fempowerment, Selflove und Selbstbestimmtheit standen: Miranda und Samantha.

Vielleicht sollten wir uns heute nicht mehr die Frage danach stellen, ob wir am liebsten Carrie oder eine andere Rolle der Serie sein wollen. Womöglich sollten wir das große Ganze betrachten und uns daran erinnern, dass wir alles sein können: die Partnerin, die Selbstständige, die Selbstbewusste, die Erfolgreiche – denn genau das lebt uns „Sex and the City“ auch im Jahr 2021 noch vor.

Die Fortsetzung von „Sex and the City“, „And just like that“, ist ab dem 9. Dezember bei Sky Comedy zu sehen.

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