„Tatort“-Star Meret Becker: „Eine richtige Waffe abzufeuern, ist nicht lustig“

„Wenn irgendwann ein Fußballspieler selbstverständlich sagen kann, dass er schwul ist, können wir vielleicht aufhören, darüber zu reden“, sagt Schauspielerin Meret Becker.

Berlin. Meret Becker hat im vergangenen Herbst ihren Abschied aus dem Berliner „Tatort“ angekündigt. Nach sechs Jahren als Kommissarin sei es an der Zeit weiterzuziehen. In ihrem vorletzten Fall, der am 14. November unter dem Titel „Die Kalten und die Toten“ im Ersten ausgestrahlt wird, müssen ihre Figur und Ermittlerkollege Robert Karow (Mark Waschke) herausfinden, wer die junge Studentin Sophie umgebracht hat. Unter Mordverdacht steht ein junges Paar, das die Studentin zuvor über eine Dating-App kennengelernt und mit dem sie eine gemeinsame Nacht verbracht hat. Im RND-Interview spricht Becker unter anderem über den neuesten Fall:

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Meret Becker, in der „Tatort“-Folge geht es viel um Geheimnisse innerhalb der Familie. Die Eltern des Opfers wissen nicht viel vom Leben ihrer Tochter. Der Vater des Verdächtigen betrügt seine Ehefrau. Wie viele Geheimnisse darf man innerhalb einer Familie voreinander haben?

„Geheimnis“ ist ja eigentlich positiv belegt. Für mich ist Aufrichtigkeit wichtig und immer wieder aufzuzeigen, wie es mir mit jemandem oder mit bestimmten Dingen geht. Ich finde es furchtbar, wenn jemand nach Jahren etwas erwähnt, das ihn schon immer genervt hat. Dann denke ich: ‚Warum hast du denn nie etwas gesagt?‘ Jeder muss für sich selbst wissen, ob er ein Geheimnis haben möchte. Ich bin kein Moralapostel.

Zu Anfang der Folge entfernt die Mutter des Verdächtigen alle Spuren für ihn. Ist das für Sie nachvollziehbar?

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Ich kann das nur schwer nachvollziehen. Aber umgekehrt frage ich mich, ab wann sagt man als Mutter, dass mein Kind ein Soziopath oder ein Mörder ist? Wann sage ich, jetzt traue ich dem eigenen Kind nicht mehr? Oder hält man das aus und guckt weg? Das ist eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss.

Auch Bisexualität ist ein Thema. Braucht es in Filmen noch mehr Darstellungen anderer sexueller Orientierungen?

Es kommt darauf an, in welchem Zusammenhang und wie es thematisiert wird. Von mir aus dürfen Homo- und Bisexualität in Filmen immer stattfinden, aber man muss ja nicht die ganze Zeit nur von der sexuellen Ausrichtung erzählen. Prinzipiell aber ist es erstaunlich, dass das immer noch so viel Aufmerksamkeit zieht. Und solange das so ist, sollte man es erzählen. Wenn irgendwann ein Fußballspieler selbstverständlich sagen kann, dass er schwul ist, können wir vielleicht aufhören, darüber zu reden.

Ihre Figur Nina Rubin hat in der letzten Folge die Nacht mit ihrem Kollegen Robert Karow verbracht. In der aktuellen Folge scheinen sie wieder distanzierter. Gibt es in der allerletzten Folge vielleicht ein Liebes-Comeback?

Ich finde es witzig, dass alle Zuschauer das Verhältnis zwischen den beiden immer nur daran ausmachen, dass es im Bild sichtbar ist. Alle denken, dass es nur ab dem Zeitpunkt stattgefunden hat, wo man es gesehen hat. Vielleicht lief vorher schon etwas zwischen den beiden.

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Ist die letzte Folge auch schon im Kasten?

Nein, wir sind mitten in den Vorbereitungen. Wir fangen bald an zu drehen. Es liegt noch ein ganzes Stück Arbeit vor uns.

Wie fühlt sich die Arbeit für den Abschlusskrimi an?

Es ist alles sehr aufregend, weil ich weiß, dass es das letzte Mal ist. Aber noch bin ich so in den Vorbereitungen verstrickt, dass ich noch gar nicht wehmütig werden konnte. Ich muss jetzt erst einmal meinen Text lernen.

15 Folgen lang werden Sie Nina Rubin gespielt haben. Wie blicken Sie auf die Zeit zurück?

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Ich habe viel bei der Arbeit gelernt. Ich habe vieles über Berlin erfahren, weil man an Orte kommt, an die man sonst nicht kommen würde. Und man beschäftigt sich immer wieder mit neuen Dingen. Ich finde es toll, dass ich so viele Kollegen, Regisseurinnen und Regisseure und Kamerafrauen und -männer treffen konnte, die ich teilweise noch gar nicht kannte.

Bislang haben Sie die „Tatort“-Kommissarin gespielt. Würden Sie auch noch mal in die Rolle einer Täterin schlüpfen?

Täter zu sein ist eigentlich viel mehr meins und ich habe auch schon mal eine Täterin beim „Tatort“ gespielt. Trotzdem komme ich sehr gerne noch mal als Täterin oder als Mitwisserin bei Mark vorbei. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal eine Polizistin spiele. Ich habe mich noch nie so empfunden, wenn ich ehrlich bin.

Das tödliche Unglück am Set des US-Westerns „Rust“ mit Alec Baldwin sorgte für Diskussionen. Fühlen Sie sich am Set des „Tatort“ sicher? Und würde dort so etwas auch passieren können?

Das hat mich natürlich schockiert. Das ist wirklich furchtbar. Ich denke darüber nach, wie sich das anfühlen muss, wenn so etwas passieren würde. Den Gedanken mag man gar nicht zu Ende denken. Aber ich wundere mich auch, weil ich weiß, wie sicher das Prozedere eigentlich ist. Es gibt einen Waffenmeister oder eine Waffenmeisterin, der den Schauspielern die Waffe und den leeren Lauf zeigt. Wenn eine Platzpatrone in die Waffe gelegt wird, ist alles herum gesichert. Wir zielen trotzdem generell nicht auf Menschen. Einmal haben wir auch Schießunterricht bekommen, um zu wissen, wie sich das anfühlt. Erst fand ich es total aufregend und toll. Aber dann hat es mir irgendwann überhaupt nicht mehr gefallen. Ich finde, mit Pfeil und Bogen schießen ist spannend, und ich schieße gerne auf dem Rummel mit Luftdruckgewehren. Aber eine richtige Waffe abzufeuern, wo man weiß, dass sie einen Menschen oder ein Tier verletzen oder töten kann, ist einfach nicht lustig.

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