ZDF-„Fernsehgarten“: Von Feminismus schon gehört?

Andrea Kiewel beim „Fernsehgarten“ (Archivbild).

Andrea Kiewel beim „Fernsehgarten“ (Archivbild).

Eigentlich war es ein freudiger Tag für den ZDF-„Fernsehgarten“: Die ersten 100 Zuschauerinnen und Zuschauer durften an diesem Sonntag (6. Juni) wiederkommen. Das Motto war Schweden – und wer hat schon was gegen Schweden? –, und dann spielte sogar das an diesem Wochenende zu Gewitter und Starkregen neigende Wetter mit. Trotzdem: So scheinbar harmlos wie das Format war, so gern möchte man doch eigentlich sofort wieder ausschalten.

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Klar, der „Fernsehgarten“ steht nicht, ebenso wie das ZDF – vielleicht mit Ausnahme von Jan Böhmermann –, für die Neuerfindung des Fernsehens. Beim „Fernsehgarten“ wird aufgestanden und im Vier-Viertel-Takt geklatscht. Das ist auch in Ordnung. Der „Fernsehgarten“ hat seine Nische zwischen Schlager und Mittagstisch gefunden, und in der darf er sich auch wohlfühlen.

Kiewel kündigt No Angels als „Ausdruck von Feminismus am Sonntagmittag“ an

Doch dann boxt Andrea Kiewel aus ihrer Nische heraus und kündigt die Band No Angels als „Ausdruck von Feminismus am Sonntagmittag“ an. Die tanzen auch sofort im Gleichtakt in hosenlosen Glitzeranzügen an und hauchen ihr „Daylight in Your Eyes“, das nun auch schon 20 Jahre alt ist. Diese Ankündigung ist so was von schief, dass man sich eigentlich gar nicht aufregen will. Denn entweder hat Kiewel sich hier einen fröhlich-ironischen Seitenhieb erlaubt, oder sie glaubt ernsthaft dran.

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Für den fröhlich-ironischen Seitenhieb spricht die Eingangsmoderation kurz vor 12 Uhr: „Willkommen Menschinnen und Menschen“, begrüßt sie ihre Zuschauerinnen und Zuschauer und suggeriert durch ihre Überspitzung irgendwie, dass Gendern doch sinnlos ist. Oder aber sie glaubt wirklich, dass eine Band aus vier Frauen automatisch für Feminismus steht, dass eine Frau feministisch, weil sie Frau ist.

Feuer machen? Für Kiewel keine Frauensache

Doch es gibt noch eine dritte Möglichkeit: Andrea Kiewel ist sich nicht sicher, wofür Feminismus eigentlich steht. Ein paar Szenen später lässt sie sich nämlich demonstrieren, wie ein Schwedenfeuer, also ein Lagerfeuer aus einem Holzstück, gemacht wird. Welches Holz man dafür denn nehmen solle, fragt sie, „für mich als Frau“. Der Tischler entgegnet sehr entspannt und erklärt ihr, dass man trockenes Holz nehmen solle – „das gilt sowohl für Frauen als auch für Männer“.

Es ist aber nicht nur die Moderation von Kiewel, die die konservativen Rollenbilder im Format zementiert. Es ist auch das Konzept: So soll Lutz van der Horst, der zum Schweden der Herzen gekürt werden wird, immer wieder seine Männlichkeit unter Beweis stellen. Er soll neben 150-Kilo-Männern Holzstämme schwingen, während Kiewel sich freut, dass sie sich neben solch starken Männern so zierlich fühle. Das Riechen an einer stark stinkenden Fischkonserve wird als „Männerprobe“ verkauft. Mit schwedischen Blumenkränzen dürfen Frauen sich als Mädchen fühlen. Immer wieder das gleiche Bild, das doch irgendwie ins vergangene Jahrhundert gehört: Die rohen, starken Männer hier, die zarten, auf Ehemänner hoffenden Frauen da.

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Lutz van der Horst bricht mit den Klischees

Und man könnte sich noch mehr aufregen, wenn da nicht Lutz van der Horst wäre. Er hebt zwar seinen Baumstamm hoch, doch erklärt ganz gelassen, dass er nie auch nur eine Urkunde bei den Bundesjugendspielen erhalten hat. Er trainiert für einen Minisommerbiathlon – und schnallt sich ungeniert ein Kissen um, damit er beim Inlineskatefahren nicht auf den Po fällt. Er zückt die Nasenklammer, wenn der Fisch zu sehr stinkt. Er lässt alle Erwartungen überhöhter Männlichkeit einfach abperlen. Er versucht gar nicht erst, als starker Mann herüberzukommen – hier könnte man anfangen, nach Feministen in der „Fernsehgarten“-Runde zu suchen.

RND/goe

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