Eine Klasse für sich

Jeff Bridges als Agent auf der Flucht – „The Old Man“ bei Disney+

Mit ihm ist nicht zu spaßen: Ex-Agent Dan (Jeff Bridges) und seine beiden bulligen Vierbeiner machen den CIA-Verfolgern das Leben schwer. Foto: Kurt Iswarienko/FX

Mit ihm ist nicht zu spaßen: Ex-Agent Dan (Jeff Bridges) und seine beiden bulligen Vierbeiner machen den CIA-Verfolgern das Leben schwer. Foto: Kurt Iswarienko/FX

Zu Beginn der Serie „The Old Man“ sieht man das, was der Titel verspricht: einen alten Mann, der allein mit seinen zwei Hunden in einem abgelegenen Haus in Vermont lebt. Alle paar Stunden schleppt sich Dan (Jeff Bridges) nachts auf die Toilette und wird dazwischen von Albträumen heimgesucht. Darin wartet seine verstorbene Frau in der Badewanne und sagt zu ihm mit drohender Stimme: „Ich weiß, wer du bist“.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Viele Jahre hat er die demenzkranke Lebensgefährtin gepflegt. Jetzt ist er selbst um seinen geistigen und körperlichen Zustand besorgt. Aber der Arzt beruhigt ihn. Die Testergebnisse sind unauffällig. Alles sei in Ordnung, sagt er zu seiner Tochter, mit der er regelmäßig telefoniert. Aber Dan spürt, dass etwas nicht stimmt und ihn die Vergangenheit nicht nur in seinen Träumen einholt.

Der alte Mann versteht sich noch auf das Handwerk des Tötens

Er fädelt alte Blechdosen auf eine Schnur und verlegt sie auf der Türschwelle. Als die selbst gebastelte Alarmanlage nachts scheppert, greift er zur Pistole auf dem Nachttisch. Zusammen mit den gut abgerichteten Rottweilern ringt er den bewaffneten Angreifer zu Boden und erschießt ihn mit mehreren gezielten Schüssen. Dan mag ein alter Mann sein, aber er ist einer, der noch immer das Handwerk des Tötens versteht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Denn vor 30 Jahren war er für die CIA als operativer Agent tätig und hat sich mit seinem Arbeitgeber wenig gütlich getrennt. Dennoch ist es ihm damals gelungen, mit seiner Frau unterzutauchen und unter anderem Namen ein neues Leben anzufangen. Aber der tote Eindringling und der Schalldämpfer auf dessen Waffe lassen keinen Zweifel – der Attentäter war ein Profi und für Dan ist es vorbei mit dem ruhigen Rentnerdasein. Unter den Dielen liegen gefälschte Pässe, Waffen und eingeschweißte Bargeldvorräte bereit. Noch in der selben Nacht macht er sich auf und davon.

Ex-Agent Dan ist ein Mann von zweifelhafter Moral

Der abtrünnige Agent, der von seinen früheren Auftraggebern verfolgt wird, ist nicht erst seit „Jason Bourne“ eine beliebtes Sujet des Spionagefilms. Im Kampf zwischen Flüchtendem und übermächtigem Verfolgungsapparat wird das archaische Motiv von David gegen Goliath gespiegelt, so wie es einst auch der Serienklassiker „Auf der Flucht“ vorgeführt hat. Aber im Gegensatz zu Dr. Richard Kimble ist dieser Dan in „The Old Man“ kein unschuldig Verfolgter, sondern ein Mann mit zweifelhaftem moralischen Kompass.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das Gleiche gilt für seinen früheren Vorgesetzten Harold Harper (John Lithgow), der ihm auf den Fersen ist. In den Achtzigern arbeiteten die beiden als Agenten in Afghanistan gegen die sowjetischen Besatzer, bis Dan sich mit eigenmächtigen Entscheidungen weit über den Regierungsauftrag hinaus ins kriegerische Geschehen einmischte. Warum und von wem diese alte Geschichte wieder hervorgegraben wird, das wird im Verlauf der Serie erst sukzessive enthüllt, während der Titelheld immer wieder mit seinen Verfolgern aneinander gerät und diese äußerst fachkundig hinters Licht führt.

Die Serie wird getragen von Jeff Bridges’ superbem Spiel

„The Old Man“ nach dem Roman von Thomas Perry ist eine recht klassische Spionagegeschichte, in der zwischen soliden Actionszenen sich überlagernde Intrigen aufgedeckt werden. Seine eigenen Qualitäten entwickelt die Serie durch ihre markante Zentralfigur, die die Altersgrenze für zertifizierte Heldenfiguren deutlich überschritten hat. Jeff Bridges spielt den alten Mann, der die eigene finstere Vergangenheit nicht abschütteln kann und seine letzten Kraftreserven mobilisieren muss, mit lässiger Brillanz. Er trägt die Rolle wie eine alte, zerschlissene Lederjacke, die nur ihm zu passen scheint.

Das Stream-Team

Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix & Co. – jeden Monat neu.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Immer wieder nimmt die Erzählung das Tempo aus dem Fluchtgeschehen heraus, fokussiert sich auf die Dans Beziehungen zu seiner Tochter, seinem Verfolger und zu Zoe (Amy Brenneman), die zur unfreiwilligen Begleiterin des Flüchtenden wird. Pointierte Plotwendungen sorgen dafür, dass das Publikum am Ball bleibt und die Figuren neue, überraschende Facetten bekommen.

„The Old Man“, Serie, sieben Episoden, von Jonathan E. Steinberg und Robert Levine, mit Jeff Bridges, John Lithgow, Alia Shawkat (streambar bei Disney+)

Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen