Wer Western mag, muss „Star Wars“ lieben – Revolverhelden im „Buch von Boba Fett“

Westernhelden mit Rüstung und Raumschiff: Boba Fett (Temuera Morrison) und Fennec Shand (Ming-Na Wen) in der Serie „Das Buch von Boba Fett“.

Howdy, Folks! Traurig, aber in der kommenden Woche geht beim Streamingdienst Disney+ schon wieder eine sehr sehenswerte „Star Wars“-Serie zu Ende, die alles, was zuletzt im Kino vom Franchise zu sehen war, deutlich überragt. Und wer George Lucas‘ Saga bislang für Science-fiction hielt oder für ein Space-Märchen, der wird mit „Das Buch von Boba Fett“ (eigentlich geschah das auch schon mit der Crossover-Serie „The Mandalorian“ und den animierten Abenteuern von „The Bad Batch“) eines Besseren belehrt. „Star Wars“ ist immer mehr eine Story der „Diese Stadt ist nicht groß genug für uns beide“-Sorte – ein Western mit Weltraum drumherum.

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Vorsicht nun vor dem, was kommt. Im Folgenden fliegen nämlich die Spoiler – und damit sind nicht etwa irgendwelche Applika an den Landgleitern, Swoop-Bikes oder Düsenschlitten auf Tatooine gemeint – wie die Pfeile eines Indianerüberfalls auf einen Planwagentreck in den klischeehaften Cowboy-&-Indianerfilmen aus Hollywoods frühen Tagen, als die „first nations“ noch als gesichtslos wimmelnde unedle Wilde gezeigt wurden. Wer „Das Buch von Boba Fett“ noch nicht „aufgeschlagen“ hat, sei gewarnt.

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Jedenfalls: In „Das Buch von Boba Fett“ kam in der sechsten und vorletzten Folge vorigen Mittwoch ein Fremder in die Stadt, über die ein Marshal wachte, mit einem Deputy an der Seite, der – wie oft bei Hilfspolizisten im Wilden Westen der Fall – sowohl nicht allzu erfahren war, als auch zu Vorwitz und falschen Bewegungen neigte, was im Angesicht eines wahnsinnig schnellen, leicht reizbaren Pistoleros, verlässlich zu einem frühen Ableben führt.

Der Fremde war einer von der Westernmarke „man in black“, ein dunkel gekleideter Mix aus Tod und Totengräber mit breitkrempigem Hut, unter dessen Kugeln für gewöhnlich allein der Hauptheld eines Westerns nicht in den Staub sinkt. Fans der Saga hatten ihn zuletzt in „Star Wars: The Bad Batch“ gesehen.

Duell der Revolvermänner zu Westernklängen

Fast meinte man, beim Showdown zwischen Marshal Cobb Vanth und dem Kopfgeldjäger Cad Bane im Staub der Main Street einem alten Streifen von Sergio Leone zuzusehen. Zumal die Kontrahenten auch klassisch mit Revolver-artigen Waffen ausgestattet waren und auch die mit Glockenschlag und Chören ausstaffierte Musik schwer nach dem „Spiel mir das Lied vom Tod“-Komponisten Ennio Morricone klang. Nur die Tatsache, dass der Fremde aus der Wüste ein blaues Gesicht hatte und seinen Körper offenbar mit Modifikationen cyborgmäßig aufgepeppt hatte, verlieh der Szene noch einen Hauch von Science fiction.

Marshal Vanth jedenfalls war, obzwar im Augenblick höchster Gefahr hinreißend kaltblütig, ganz offensichtlich nicht der Hauptheld der Serie, wie sein Schicksal beweist. Und nun läuft alles auf ein Duell zwischen Boba Fett oder Din Djarin alias „Mando“ und jenem Cad Bane hinaus, der nach dem Tod von Boba Fetts Ziehvater Jango eine Zeitlang als bester Kopfgeldjäger der Galaxis gehandelt wurde und immer zuverlässig auf der dunklen Seite der Macht tätig war.

Der zeitgenössische Western gibt sich gern tiefschürfend

„Star Wars“ schafft große Westernmomente, wo sich die Western auf tiefschürfende Dramen verlegen. Die herausragenden Filme der Gattung waren im Vorjahr Paul Greengrass‘ „Neues aus der Welt“, worin sich ein Medienmensch des 19. Jahrhunderts (Tom Hanks) um ein Mädchen (Helena Zengel) kümmert, das bei Indianern lebte und nun zur Familie ihres Onkels gebracht werden muss. Ein „besonderer“ Western wie auch Jane Campions Rancherdrama „The Power of The Dog“, wie Greengrass‘ Film ein Familiendrama mit Krimiende (dessen Mörder – ähnlich wie in Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasow“ nur vom Publikum respektive Leser entlarvt wird).

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Großartige Filme (beide im Netflix-Portfolio) – aber, was, wenn man einfach mal was mit Cowboys, Indianern, Banditen, mit tapferen Sheriffs und ihren unvorsichtigen Deputys sehen will – Filme vom Schlage „Der gebrochene Pfeil“ (1950) mit James Stewart und Jeff Chandler, „12 Uhr mittags“ (1952) mit Gary Cooper und Grace Kelly oder „Rio Bravo“ (1959) mit John Wayne und Dean Martin.

Schon „Star Trek“ galt als Äquivalent des „Go West!“ der Trecks

Dann greife man besser zu den Sternen. Schon die Abenteuer von Captain Kirk, Mr. Spock, Dr. McCoy und Chefingenieur Scotty auf dem „Raumschiff Enterprise“ (1966 – 1969) wurden als Reise zur „final frontier“ präsentiert und diskutiert – als Weltraumäquivalent zu den Siedlertrecks, die Richtung Prärie ins Unbekannte vorgestoßen waren. Freilich verfolgten die Föderationsscouts von „Star Trek“ einen weit pazifistischeren Ansatz als die von bewaffneten Blauröcken flankierten Siedler damals zuzeiten der amerikanischen Landnahme. Die Bereitschaft zu friedlicher Koexistenz mit den Kulturen der First Nations war weniger ausgeprägt als die der Raumschiffbesatzung mit außerirdischen Spezies.

Auch später hatte der Zukunftsfilm sich Motive und Handlungsabläufe aus der Vergangenheit geborgt – der wohl beste Space-Western ist Joss Whedons leider nur einstaffelige Serie „Firefly“ (2002), die mit dem Film „Serenity“ (2005) immerhin einen würdigen Abschluss im Kino bekam.

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In „Das Buch von Boba Fett“ stehen die Tusken für die „Indianer“, die den hilflos gestrandeten Titelhelden zunächst gefangen nehmen. Boba Fett erwirbt sich mehr und mehr das Vertrauen des in Zelten lebenden Nomadenvolks und steht ihnen schließlich gegen mehrere Bedrohungen bei – auch gegen Banditen, die sie vernichten wollen. „Der mit dem Wolf tanzt“ (1990) trifft „Die glorreichen Sieben“ (1960). Sogar ein Eisenbahnüberfall ist zu sehen – nur erfolgt der Angriff in diesem Fall aus dem Zug heraus.

Was Western in der klassischen Phase (vor den Neowestern der Siebzigerjahre) so wichtig macht, war Seelenbalsam. Am Ende wurde stets alles gut. Was heute immer noch beruhigend wirkt – speziell in unruhigen Zeiten, in der die Krisen nur so knattern.

Dass der Westernheld am Wohl der zivilisierten, meist aber nicht sonderlich wehrhaften Gemeinschaft interessiert ist, und sich dabei den Schwächsten beschützend zuwendet, zeigten Filme wie John Fords „Spuren im Sand“ (1948), wo John Wayne, Pedro Armendariz und Harry Carey Jr. ein Baby sicher durch die Wüste brachten oder George Stevens‘ „Mein großer Freund Shane“ (1953), in dem der von Alan Ladd gespielte Fremde Siedlern beisteht und der beste Freund eines Jungen wird.

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In Waynes und Ladds Spuren wandelt in „Das Buch von Boba Fett“ Din „Mando“ Djarin, Protagonist der „Star Wars“-Serie „The Mandalorian“ (der überraschenderweise auch die letzten beiden „Boba Fett“-Episoden dominierte). Mando hatte über die zwei Staffeln seiner Serie ein machtsensitives Kind von der Spezies der „Star Wars“-Ikone Yoda vor gefühlt Hunderten Gefahren bewahrt, um es schließlich sicher in die Arme des Jedi Luke Skywalker zu geben.

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In Folge 6 von „Boba Fett“ wollte er noch einmal nachschauen, wie es dem kleinen Grogu geht. Hatte sich aber von der Beinahe-Jedi Ahsoka Tano überreden lassen, das grüne Kindlein nur aus der Ferne zu beobachten, wie es mit Master Luke erste paranormale Fertigkeiten trainiert – um es durch eine Wiederbegegnung nicht aufzuwühlen. So hinterlässt Mando nur ein Geschenk für Grogu, und „reitet“ in seinem Raumschiff selbstlos in den Sonnenuntergang. Wie traurig.

Fehlt nur noch ein Countrysong.

„Das Buch von Boba Fett“, sieben Episoden, mit Temuera Morrison, Ming-Na Wen. Pedro Pascal, Mark Hamill (letzte Folge ab 9. Februar bei Disney+)

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