Doku „Verschwörung gegen Biden“

Stars, Stripes und Strohhalme: So gefährlich ist Trumps Märchen vom Wahlbetrug

Auch heute, rund zwei Jahre nach der Wahl des US-Präsidenten, schlagen die Wellen bei Kundgebungen der Republikaner hoch, wenn es um Donald Trumps Rauswurf aus dem Weißen Haus geht.

Auch heute, rund zwei Jahre nach der Wahl des US-Präsidenten, schlagen die Wellen bei Kundgebungen der Republikaner hoch, wenn es um Donald Trumps Rauswurf aus dem Weißen Haus geht.

„Wenn ihr nicht glaubt, dass diese Wahl gestohlen wurde, dann seid ihr entweder dumm oder einfach nicht besonders helle!“ - Zustimmendes Gelächter, Gebrüll, geschwenkte Fahnen. Auch heute, rund zwei Jahre nach der Wahl des US-Präsidenten, schlagen die Wellen bei Kundgebungen der Republikaner hoch, wenn es um Donald Trumps Rauswurf aus dem Weißen Haus geht. Und diese Leute meinen das ernst, so skurril das Szenario auf Außenstehende auch wirken mag: Noch immer halten viele der Trump-Anhänger an der Überzeugung fest, dass die US-Wahlen manipuliert worden seien.

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Beweise für ihre Behauptungen? Zero. Alle Klagen wurden abgewiesen. In der Partei sind es trotzdem rund zwei Drittel, die die Richtigkeit des Wahlergebnisses anzweifeln, in den gesamten USA sind es laut einer Umfrage des Instituts „Momentive“ mehr als 40 Prozent. Der mit mehreren Preisen ausgezeichnete Journalist Adam Clay Thompson recherchiert die Fakten und Hintergründe. Sein packender Dokumentarfilm „Verschwörung gegen Biden - Putschversuch in den USA“ ist bei ZDFinfo zu sehen. Er zeigt, wie prominente Trump-Fans auf ihrerr sogenannten „ReAwakening Tour“ durchs Land ziehen und über die angeblich betrügerischen Machenschaften der Regierung Biden schwadronieren. Unterm Strich sind die Reden von jeder Menge Hetze geprägt, aber eher nicht von Fakten. Fraglos eine ernstzunehmende Gefahr für die Demokratie in den Vereinigten Staaten.

Das Märchen vom Betrug in Michigan

„Ich will wissen, wie der Mythos vom Wahlbetrug entstanden ist“, sagt A.C. Thompson und spricht gleich zu Beginn des Films mit Sheryl Guy, Bezirksvorsteherin in Antrim County, die berichtet, wie es zu der Panne mit den Wahlmaschinen in ihrem Bezirk kommen konnte, nach der rund 6.000 Trump-Stimmen an Biden gingen. Der Grund war nachweislich schlicht menschliches Versagen: Ein Kandidat hatte auf dem ursprünglichen Stimmzettel gefehlt, der Name war ergänzt worden, die Geräte jedoch nicht aktualisiert, und so waren einige der Stimmen in der falschen Spalte gelandet.

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Ex-Präsident Trump wollte US-Wahl mithilfe des Justizministeriums kippen

Der damalige US-Präsident Trump wollte seine Wahlniederlage nicht einräumen. Deswegen versuchte er, auch das Justizministerium für seine Zwecke einzuspannen.

Ein von Trumps Unterstützern initiierter ASOG-Untersuchungsbericht stecke voller Unwahrheiten und falschen Behauptungen, so der vom Staat Michigan mit der Prüfung der Geräte beauftragte Informatiker und Experte für Wahlgeräte J. Alex Halderman. Der Bericht sagte, die Wahlmaschinen seien absichtlich so konstruiert gewesen, dass sie Betrug ermöglichten. Halderman: „Das ist völlig absurd. Die so genannte elektronische Zuerkennung, die dafür genutzt worden sein soll, wurde in Antrim County gar nicht eingesetzt, weder gekauft, noch installiert. Aber man hat etwas gesucht, um das Märchen vom Betrug zu konstruieren. Das Vertrauen der Öffentlichkeit wurde dadurch erschüttert.“

Trotzdem führt Trump noch immer den angeblichen Wahlbetrug aus Antrim County an, die die Massen jubeln ihm zu. Heute gilt der Vorfall als Hauptargument für Trumps Anhänger, dass die Wahl „gestohlen“ wurde.

Einige der bekanntesten Trump-Unterstützer trafen sich wenige Tage nach der Wahl auf der Plantation des prominenten Anwalts und Verschwörungstheoretikers Lin Wood in South Carolina, überzeugt davon, dass es sich bei Trumps Niederlage nur um Betrug handeln könne. Diese Gruppe, zu der auch General Mike Flynn, Rudy Giuliani und die Anwältin Sidney Powell, die insgesamt vier Klagen gegen Trumps Niederlage einreichte, und Patrick Byrne, millionenschwerer Gründer der Overstock-Möbelhauskette und großzügiger Unterstützer Trumps, gehören, lässt noch immer nichts unversucht, den angeblichen Wahlbetrug zu beweisen. Lügen und falsche Zahlen, solange die Stars and Stripes flattern.

Wegbereiter für Trumps Wiederwahl?

Auch hier bohrt Thompson nach und spricht mit etlichen Zeugen der Ereignisse rund um die Wahl, einige von ihnen bis heute Anhänger der „Stop the Steal“-Bewegung. Andere sehen deutlich, was vor allem auch die Demokraten umtreibt: dass vom bockigen Nicht-Wahrhaben-Wollen des Unterlegenen die Demokratie in den USA bedroht ist. Im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern der Gruppe lädt Byrne Thompson zu einem Gespräch ein. Er wolle die Bevölkerung nur über die Probleme mit den Wahlgeräten aufklären, sagt er. Ob ihm klar, sei, dass er, falls er im Unrecht sein sollte, das Land zerstören könne? „Damit kann ich leben“, so Byrne.

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Es bleibt abzuwarten, ob der Sturm auf das US-Capitol am 6. Januar 2021, oder besser: die juristischen Folgen dieser unfassbaren Vorfälle, Trump und seine Gefolgschaft ausgebremst hat. Die Kernfrage, die zu klären ist, ist nach wie vor, ob Trump aktiv zu der Gewalttat aufgerufen hat. Sollte dies bewiesen werden, muss er mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Falls nicht, könnte sein Traum vom Wiedereinzug ins Weiße Haus Wirklichkeit werden. Trumps Gefolgschaft zumindest bereitet seit der vergangenen Wahl den Nährboden dafür.

ZDFinfo zeigt den Film am Mittwoch, 19. Oktober, 20.15 Uhr; in der ZDFmediathek ist er ab Ausstrahlung 30 Tage lang verfügbar.

RND/Teleschau

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