Überraschung im Endzeitland

Zombie sapiens – ein gruseliger Kniff belebt das Franchise „The Walking Dead“ neu

Schock zum Schluss: Norman Reedus als Daryl Dixon (vorne), Marcus Lewis als Frost, James Devoti als Cole, Callan McAuliffe als Alden, Jeffrey Dean Morgan als Neegan und Glenn Staton als Frost – auf den letzten Metern wartet in der Endzeitserie „The Walking Dead“ die schlimmste Überraschung auf die Überlebenden. Foto: Josh Stringer/AMC /

Schock zum Schluss: Norman Reedus als Daryl Dixon (vorne), Marcus Lewis als Frost, James Devoti als Cole, Callan McAuliffe als Alden, Jeffrey Dean Morgan als Neegan und Glenn Staton als Frost – auf den letzten Metern wartet in der Endzeitserie „The Walking Dead“ die schlimmste Überraschung auf die Überlebenden. Foto: Josh Stringer/AMC /

Und ewig schlurfen die Zombies? Sie haben sich nun schon durch elf (!) Staffeln der Mutterserie und durch einige Tochterserien geschleppt, sodass selbst hartleibige Freunde der mürbleibigen Untoten sich fragten, wie die Macher von „The Walking Dead“ das immer gleiche Muster des Dauerbrenners wohl noch für weitere Spin-offs interessant gestalten könnten.

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Die Halloweenzeit wird nur mit den Beißern schön

Und jetzt hat die Mutterserie in der jüngsten Episode des passgenau zur Halloweenzeit allerletzten Staffeldrittels die Antwort gegeben. Sie ist vielversprechend. Und damit wird sogar noch – manche werden sich an eine besondere Szene erinnern – eine Verbindung zur ersten Folge der ersten Staffel hergestellt.

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Dabei schien es zunächst, als ob der Endlosschocker, der nach einigen durchhängenden Staffeln und anhaltenden Publikumsverlusten wieder zu einem solide spannenden Endzeitdesaster geworden ist, alles mit einem sich zuspitzenden menschlichen Gegeneinander beschließen würde, das ja schon immer das zentrale Movens der Serie war. Die Zombies waren nur das Konflikt-Sahnehäubchen.

Denn auch die nach außen hin gut funktionierende Gemeinschaft des Commonwealth (mit Sicherheitskräften in „Star-Wars“-Rüstungen) hatte sich zuletzt als schöner Schein einer im Kern ihren Untergang in sich tragenden Kleinzivilisation erwiesen.

Vorsicht – ab hier beißen die Spoiler!

Der intrigante und mörderische Lance Hornsby (Josh Hamilton), seit dieser Staffel Hauptantagonist der Helden um Daryl Dixon (Norman Reedus) und Carol Peletier (Melissa McBride), sitzt inzwischen in einer Zelle mit – ab hier schlurfen Herden von Spoilern auf Sie zu, lieber Leser – einem Leichnam und dem untoten Sebastian (Teo Rapp-Olsson), dem schnöselig-jammerläppischen Sohn von Commonwealth-Regentin Pamela Milton (Laila Robins), der beim Versuch, die nette Sekretärin Maxine (Margot Bingham) an einen Zombie zu verfüttern, selbst von einem gebissen wurde.

Wie das manchmal so passiert, wenn die Autoren dieser Serie Figuren loswerden wollen.

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Auch das Commonwealth ist nur ein schöner Zivilisationsschein

Grund für Sebastians Mordlust: Er hatte bei Maxine, der Schwester des hartgesottenen Kommandanten Mercer (Michael James Shaw) und der Freundin des wie der Löwe aus dem „Zauberer von Oz“ stets auf der Suche nach seinem Heldenmut befindlichen Hasenherzen Eugene (Josh McDermitt) seine wahre Sicht auf das Herrschaftssystem seiner Mutter erzählt.

Dass das Commonwealth nämlich nur ein weiteres amerikanisches Traumgespinst sei, ein Blendwerk von Gemeinschaft und Gemütlichkeit, in dem sich die Reichen bereicherten und die Armen arm blieben. Eugene spielte die von Maxine heimlich mitgeschnittenen Sätze bei einer als große Volksbelustigung inszenierten Wrestlingshow ab, was zu gewaltigem „common anger“ führte, und – nach Sebastians Tod durch Zombiebiss – zu dem Wunsch der Commonwealth-Anführerin, kurzen Prozess zu machen mit dem Aufwiegler.

Der Mensch ist dem Menschen ein Zombie

Der Mensch ist dem Menschen ein Beißer. Das ist das Credo dieser Serie, auch ihr Antrieb, und zeigte sich im Verlauf der Serie schon in regionalen Gewaltherrschern wie dem Guv‘nor Philip Blake (David Morrissey), der Whisperer-Chefin Alpha (Samantha Morton), die ebenfalls eine eigene Serie erhalten hat, und dem inzwischen durch einige gute Taten halbwegs resozialisierten Superbrutalo Negan (Jeffrey Dean Morgan).

Apokalyptische Zeitenwenden bringen apokalyptische Persönlichkeiten hervor. Und man muss frei einräumen, in dem unvorstellbaren Chaos von „The Walking Dead“, in dem eine dauerhafte Absicherung gegen die nimmermüden, ewighungrigen, nur durch eine Verletzung des Gehirn sterblichen, gern zu Tausenden auftretenden Walker/Beißer unmöglich ist – Hand aufs Herz – wer von uns würde angesichts solcher Zustände, von denen man sich in der sicheren Fernsehsesseldistanz unterhalten lassen kann, wäre er vor Ort, nicht irre werden.

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In der elften und letzten Staffel kommt der Monstertwist

Noch drei Folgen bis Finito. Werden die einstigen Publikumslieblinge Sheriff Rick Grimes (Andrew Lincoln) und Michonne (Danai Gurira) noch einmal auftauchen? Werden sie es sein, die später der künftigen Dixon-Serie zusätzlichen Reiz geben? Kann sein, angeblich sollen allerdings auch diese beiden schwer vermissten Charaktere ein eigenes Spin-off bekommen. Doch es gibt einen viel besseren Coup der Serienmacher.

Denn wahrscheinlich werden die Beißer dem Menschen ab jetzt gefährlicher denn je. In der jüngsten Folge – Vorsicht: Hier nun taumelt der Superspoiler auf Sie zu! – erlebte die Gruppe um Aaron (Ross Marquand) und Lydia (Cassady McClincy), wie ein Zombie einen Türknopf drehte und dann versuchte Jerry (Cooper Andrews) mit einem Stein zu erschlagen. Ein Whisperer, dachten die Bedrängten zunächst, einer jener fürchterlichen Lebenden, die mit Zombiemasken und dem Geruch der Untoten am Leibe ihr Dasein inmitten der Zombiemassen führten, mit der „Herde“ zogen. Der Angreifer war dann aber ein echter Beißer.

Zombie sapiens! Ein Monstrum, in dem der Funke des Geistes glimmt, wäre in der Konsequenz der Begründer einer Gegenspezies – möglicherweise wie die vampirähnlichen Wesen, die in Richard Mathesons Roman „Ich bin Legende“ und seinen Verfilmungen, zur dominanten Spezies auf Erden wurden. Bislang konnten die Zombies nur durch puren Massenandrang eine Tür aus dem Rahmen drücken. Bald kommen sie mit dem Schlüsselbund.

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Wir erinnern uns: Schon in der ersten Folge der ersten Staffel, als Sheriff Grimes in Atlanta in einem verlassenen Panzer Zuflucht suchte, gab es einen jungen Zombie, in dessen Gesicht sich eine Art Erkenntnis der eigenen Situation zu spiegeln schien, der aussah, als wisse er, wo er war und was er tat. Es blieb bei diesem kurzen Auftritt, und so vermutete man, sich geirrt zu haben. Jetzt aber erzählen sich Aaron (Ross Marquand) und Jerry (Cooper Andrews), dass man immer mal wieder von Mutationen gehört habe, die an Orte zurückkehrten, die sie zu Lebzeiten liebten (eine kleine Verbeugung vor George A. Romeros „Zombie“ von 1979, wo die Untoten zur Mall strebten und vor „Shaun of The Dead“, wo es 2004 zum Pub ging). Solchen Erzählungen hätte man aber keinen Glauben geschenkt.

In Kürze schon könnten die wandelnden Toten nicht mehr nur Geräuschen folgen. Sondern einem Plan.

„The Walking Dead“, Staffel elf, dritter von drei Blöcken, mit Daryl Dixon, Josh McDermitt, Ross Marquand, Melissa McBride, Cailey Fleming, Paola Lázaro, Jeffrey Dean Morgan (wöchentlich eine Folge bei Disney+)

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