Das gilt es beim Kauf alter Autos zu bedenken

Lust auf Oldtimer? So klappt es mit dem ersten Klassikerkauf

Augenweide: Viele erliegen dem Charme eines automobilen Klassikers – wie dem Cockpit einer Chevrolet Corvette aus den späten 1950er-Jahren – und kaufen manchmal zu schnell oder einen Blender.

Häufig suchen Interessierte ein Fahrzeug, mit dem sie besonders gute Erinnerungen verbinden, wie dem ersten Auto oder dem Fahrzeug der Eltern. „Es gibt viele Gründe für ein bestimmtes Modell, das ist ganz individuell“, sagt Jan Hennen vom Deuvet, dem Bundesverband Oldtimer-Youngtimer. Anregungen können Interessierte sich aber auch in Fachmagazinen, auf Messen, bei Oldtimer- oder Markenclubs sowie speziellen Oldtimerhändlern holen.

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„In Oldtimerclubs unterstützen meist hilfsbereite Experten bei der Suche und stehen bei Fragen zur Seite“, sagt Hennen. Häufig sind Clubmitglieder in der Szene gut vernetzt. Wer noch nie ein altes Auto gefahren hat, sollte sich das passende Modell bei speziellen Plattformen für ein paar Stunden mieten. „Dann merken Fahrer schnell, ob das gewünschte Modell überhaupt zu ihnen passt und sie damit zurechtkommen.“

Selbstanalyse und Einteilung des Budgets

Frank Wilke rät Neueinsteigern, sich zunächst selbst zu analysieren. „Sportlich Interessierte suchen eher einen Sportwagen, gemütliche Menschen eine Limousine“, sagt der Marktbeobachter von Classic Analytics. „Wer gerne offen fährt, schaut sich nach einem Cabrio um, wer praktisch veranlagt ist und ins Gelände will, einen Geländewagen.“

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Auch Marcel Nobis empfiehlt, möglichst rational an die Suche ranzugehen. Vor der Wahl des Modells steht für den Oldtimerexperten der „Auto Bild Klassik“ die Wahl des Einsatzzwecks. Dann folgen Marke und Modell sowie das Budget. Ausschlaggebend sei immer die Antwort auf die Frage: Passt das Auto zu mir?

Alltagsautos deutscher Marken seien aber meist günstiger als Exoten und würde eine gute Ersatzteilversorgung bieten, so Nobis. Entscheidend sei die Festlegung auf ein bestimmtes Budget. „Davon bleiben zwei Drittel fürs Auto und ein Drittel für Folgekosten wie Reparaturen“, sagt Wilke. „Denn kein Fahrzeug ist so gut, wie es sich Käufer erhoffen.“

Was kann ich vielleicht selbst - was nicht?

Auch sollten sich Interessierte fragen, wie viel sie am Oldtimer selbst reparieren können. „Ein begnadeter Schrauber mit einer gut ausgestatteten Werkstatt kann ein schlechteres Auto kaufen, wenn der Preis stimmt“, so Wilke. Vorteil: Nach den Reparaturen kennt der neue Besitzer sein Auto besser und weiß, wie es repariert wurde.

Allen anderen Käufern rät der Oldtimerexperte: „Immer das bessere und teurere Auto nehmen, es ist der später günstigere Kauf.“ Ein Preisgefühl erhalten Novizen über das Studium der Gebrauchtwagenportale oder Anzeigen in Oldtimermagazinen.

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Zuverlässig und relativ unproblematisch – gibt’s das?

Neueinsteigern in die Szene empfiehlt Marcel Nobis Fahrzeuge aus den 80er- und frühen 90er-Jahren: „Die besitzen wenig Elektronik, sind meist zuverlässig und fahren gut.“ Dazu zählt er unter anderem VW Golf II, Mercedes 190er, Audi 100 und Mazda MX-5.

Auch Jan Hennen sieht einfache Autos mit solider Technik als guten Start in ein neues Hobby, weitet aber das Spektrum: „Das können aber auch alte Vorkriegsfahrzeuge oder Modelle der 50er- oder 60er-Jahre sein, die schon restauriert wurden und als zuverlässig gelten“, sagt Hennen.

Als Anfängeroldtimer eignen sich laut Frank Wilke zudem besonders Fahrzeuge, die einfach konstruiert sind, als zuverlässig galten, sich gut reparieren lassen. „Das gilt meist für Fahrzeuge von BMW, Mercedes, Opel, Porsche und VW“, sagt Wilke.

Häufig gebaute Versionen sind günstiger als limitierte Sondereditionen. „Das ist wichtig, weil nach dem Kauf weitere Kosten folgen“, sagt Nobis. Neben Garagenmiete oder Ersatzteilen kann das Werkzeug oder Zubehör sein. „Auch sollten sich Neubesitzer frühzeitig ein Netzwerk fürs Auto aufbauen“, sagt er.

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Die erste Begegnung: Nicht vorschnell zuschlagen

Steht der Traumwagen fest und kommt es endlich zu einer Besichtigung, kann ein neutraler Dritter den Käufer einbremsen. „Sonst kann es passieren, dass sich Interessierte nach langem Suchen das Auto schönreden und einen schlechten Zustand als zeitgenössische Patina interpretieren“, sagt Marcel Nobis.

Ebenso wichtig sind historische Dokumente: Mit alten Wartungsprotokollen, Quittungen und Rechnungen lässt sich die Historie des Autos zurückverfolgen. Den häufigsten Fehler begehen Novizen, wenn sie den Zustand falsch einschätzen und zu schnell entscheiden.

„Oftmals muss ich Geld, das ich anfangs gespart habe, in Reparaturen investieren“, warnt Nobis. „Besser ist es, eine Nacht drüber zu schlafen. Ganz gleich, wie verlockend das Angebot ist, echte Schnäppchen gibt es nicht mehr.“

Ist der neue Alte vielleicht ein arglistiger Blender?

Norbert Schroeder, Leiter der Abteilung Classic beim TÜV Süd, rät, vor dem Kauf alle Fahrzeugpapiere mit Fahrgestell- und Motornummer/Motortyp sowie die erkennbaren Ausstattungsmerkmale zu kontrollieren.

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Die müssen zum Auto passen, ebenso wie der Zustand des Autos zur angegebenen Laufleistung. Spuren eines Unfallschadens erkennen Laien, wenn die Passgenauigkeit der Bleche nicht stimmt. „Das merken Interessierte an zu großen oder schiefen Spaltmaßen an Kanten der Türen oder schief sitzenden Stoßstangen“, sagt Schroeder.

Vielfach offenbaren sich Unfallschäden jedoch im Bereich der Längsträger-/Bodenanlage, da ist Expertenwissen gefragt. Roststellen an Kotflügeln oder anderen neuralgischen Stellen sowie ein uneinheitliches Lackbild lassen sich oft schnell erkennen – genaues Hinschauen in alle Ecken und Kanten vorausgesetzt, auch unterm Auto.

„Das verlangt allerdings ein geschultes Auge, weshalb Laien nicht das erstbeste Auto kaufen sollten, sondern den Blick zunächst bei mehreren Fahrzeugen trainieren sollten“, sagt Norbert Schroeder.

Beim Begutachten helfen lassen – ein bisschen kostet das

Kfz-Sachverständige übernehmen für eine Gebühr zwischen 150 und 200 Euro die Besichtigung und teilen anschließend ihr Urteil inklusive Fotos mit. „Das ist besonders interessant, wenn das Auto ein paar Hundert Kilometer weit entfernt angeboten wird, denn es spart Zeit und Geld“, sagt Frank Wilke.

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Die häufigsten Fehler beim ersten Oldtimer passieren Besitzern, wenn sie das Fahrzeug nur als lohnendes Investment ansehen, ohne Kenntnis über das jeweilige Modell fehlerhafte Details übersehen oder das Fahrgefühl falsch einschätzen. „Erinnerungen können trüben. Was vor 40 Jahren als sportliches Fahrwerk galt, kann heute als knüppelhart empfunden werden“, sagt Norbert Schroeder. Daher sei eine ausführliche Probefahrt immer ratsam.

Vielleicht verkauft ein Liebhaber seinen Schatz

Auch wenn Gebrauchtwagenbörsen eine Vielzahl an Inseraten bieten, gilt: „Markenclubs oder Interessengemeinschaften sind meist gut vernetzt und kennen vielleicht einen, der ein passendes Auto verkauft. Außerdem kennen sie die Modelle und können Tipps geben“, sagt Marcel Nobis. Sein Tipp: Besser von einem seriösen und in der Szene bekannten Händler kaufen als von einer Privatperson. Oder warum nicht einen Youngtimer aus dem Gebrauchtwagenkosmos kaufen und ihn über die nächsten Jahre in den Oldtimerbereich retten?

RND/Fabian Hoberg, dpa

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