Unterbrochene Lieferketten und Halbleiterkrise

Wohnmobilhersteller Bürstner setzt verstärkt auf den Ford Transit

Der Bürstner Copa in zwei Varianten auf Basis des Ford Transit: links der Copa C530, rechts der C500.

Die Wohnmobilbranche steckt in einem Dilemma. „Die Nachfrage nach unseren Reisemobilen ist unvermindert stark, aber wir können einfach nicht in dem erwünschten Maß liefern“, erklärt Jens Kromer. Der Geschäftsführer der Traditionsmarke Bürstner gibt unumwunden zu, dass allein bei seinem Unternehmen eine große Anzahl von Fahrzeugen „im mittleren dreistelligen Bereich“ unfertig auf Halde stehe, weil sie wegen fehlender Fenster, Kühlschränke oder Toiletten nicht fertiggestellt und ausgeliefert werden könne. Bei den Zulieferern mangelt es an Rohstoffen, um die benötigten Kunststoffprodukte in ausreichender Menge produzieren zu können.

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Und natürlich beeinträchtigen die aus der Autoindustrie hinlänglich bekannten Halbleiterprobleme zudem die Herstellung der Basisfahrzeuge, allen voran ausgerechnet beim Fiat Ducato als Marktführer unter den Kastenwagen und aufgebauten Wohnmobilen. Deshalb rückt in den Bürstner-Planungen für die bevorstehende Saison auch ein anderes Fabrikat in den Mittelpunkt: Der offensichtlich besser verfügbare Ford Transit nimmt bei der „Kompaktoffensive 2.0“, wie Jens Kromer sein Neuheitenprogramm 2022 betitelt, eine Schlüsselrolle ein.

Volltreffer beim Einstieg ins Kompaktsegment

Das hat allerdings noch einen weiteren Grund: Bürstner, bislang vor allem als Hersteller von größeren teil- und vollintegrierten Reisemobilen sowie Alkovenmodellen im Mittelklassepreissegment bekannt und geschätzt, ist erst im vergangenen Jahr verstärkt in den Kompaktbereich eingestiegen – und landete mit dem Campingbus Copa auf Basis des Transit Custom einen Volltreffer! „Er hat unsere Planungen um das Vierfache übertroffen“, zeigt sich Jens Kromer noch immer überrascht von der Resonanz. Kein Wunder also, dass der Copa mit einer Allradversion und einer frontangetriebenen Alternative mit langem Radstand gleich um zwei eigenständige Varianten erweitert wird.

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Zudem führt Bürstner im Sommer mit dem Lineo C590 ein komplett neues Modell ein, das auf dem großen Ford Transit basiert und bei später folgenden Varianten zu einer weiteren Baureihe ausgebaut werden könnte. Mit dem um eine ungewöhnliche Hecksitzgruppenversion und zwei weitere Grundrisse erweiterten Ducato-Campervan Eliseo, einem leicht aufgefrischten Campeo und den beiden unverändert gebauten Kompaktteilintegrierten Nexxo Van und Travel Van hat sich die Traditionsmarke binnen kürzester Zeit zu einem Vollsortimenter mit Schwerpunkt „Wohn-Vans“ entwickelt, wie das zur Erwin-Hymer-Gruppe gehörende Unternehmen die Gattungen unter einem Begriff zusammenfasst. Kromer: „Wahrscheinlich wird dieser Bereich schon im kommenden Jahr über die Hälfte unseres Absatzes ausmachen.“

Doch der Reihe nach. Zunächst wird der im Vorjahr gestartete Bürstner Copa C500 um die Allroad-Variante 4×4 erweitert, für die zu einem Preis ab 57.270 Euro noch im ersten Halbjahr 2022 die Auslieferung beginnen soll. Bei dem knapp fünf Meter langen Camper schaltet sich der Allradantrieb automatisch zu, sobald die Räder der Vorderachse durchdrehen. Die elektromagnetische Kupplung schließt und verteilt die Antriebskräfte je nach Situation bis zum Verhältnis von 50:50 auf Vorder- und Hinterachse. Das reicht sicher nicht für harte Geländetouren, garantiert aber gute Traktion auf losem und rutschigem Untergrund wie Sand, Schnee oder feuchtem Gras. Das serienmäßige Aufstelldach verfügt dank einer komplett nach vorn zu öffnenden Zeltwand neuerdings über eine Panoramafunktion.

Ab Juli ist auch die zweite Neuheit in der Copa-Baureihe erhältlich. Der C530 basiert ebenfalls auf dem Ford Transit Custom, der in der Grundausstattung immer mit einem 96 kW/130 PS starken 2,0-Liter-Diesel und Sechsganggetriebe kombiniert wird, optional aber auch mit einer Sechsgang-Wandlerautomatik zu haben ist. Die hier verwendete Langversion ermöglicht dank 30 Zentimeter mehr Fahrzeuglänge im Heck den Einbau eines Dusch-/WC-Raums mit Klappwaschbecken und fest installierter Kassettentoilette. Deshalb öffnet das Aufstelldach im Unterschied zu den anderen Copa-Versionen auch nach hinten. Preise nennt Bürstner für den C530 allerdings noch nicht.

Premiere für eine neue Baureihe

Auch wenn über weitere Grundrisse noch nicht entschieden ist, soll der Lineo C590, der im September zu Preisen ab 48.690 Euro an den Start geht, den Auftakt einer neuen Baureihe markieren. Er positioniert sich auf Basis des größeren Ford-Transit-Transporters eine Klasse höher, setzt aber auf den klassischen Sechsmetergrundriss mit Doppelquerbett im Heck, Küche, Nasszelle und vorderer Sitzgruppe. Pluspunkte: ein beheizter Doppelboden und eine durchgängige Stehhöhe von knapp zwei Metern.

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Seinem Ruf als Schöpfer von Innenraum­innovationen, den Bürstner vor allem als „Erfinder des Hubbettes“ erworben hat, will der Kehler Hersteller mit dem neuen Eliseo C644 auch bei den Kompaktmodellen gerecht werden. Das Ungewöhnliche: ein 6,36-Meter-Ducato-Campervan mit gemütlicher Rundumsitzgruppe hinten! Dafür rückt das Bad mit Toilette und schwenkbarer Trennwand zum Duschen direkt hinter den Fahrersitz.

Das sorgt für eine ebenso ungewöhnliche Schlafkonfiguration: Ein Hubbett wird über der Sitzgruppe heruntergelassen, aber nur bis auf eine Ebene mit einer Heckverlängerung, unter der sich ein von hinten zugänglicher Stauraum befindet – dort lässt sich sogar ein Fahrrad unterbringen. So entsteht eine großzügige Liegefläche in Längsrichtung etwa auf Brusthöhe. In einer Art Etagenbett ließe sich darunter auch die Sitzgruppe noch zu einem Doppelbett umbauen. Klaustrophobisch veranlagt sollten die dort Nächtigenden allerdings nicht sein. Auch für den im Spätsommer startenden Eliseo C644 hat Bürstner die Preise noch nicht fixiert, sie dürften aber voraussichtlich bei etwa 55.000 Euro beginnen.

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