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Regelmäßige Rennen

Im australischen Outback: Fahrradclub von pensioniertem Lehrer hält Schüler vom Schwänzen ab

Der pensionierte Lehrer Dennis Dean hat einen Fahrradclub im australischen Outback gegründet – und seitdem schwänzen viel weniger Schülerinnen und Schüler den Unterricht.

„Auf die Plätze, fertig los.“ Eine Gruppe Kinder hat sich auf einem staubigen roten Weg in Yarralin, einem 300-Seelenort mitten im australischen Outback, aufgebaut, um ein Wettrennen zu fahren. Einmal um die Ortschaft geht es dabei, 1400 Meter ist die Strecke lang. Von der Seitenlinie jubeln Eltern und andere Dorfbewohner und –bewohnerinnen, der lokale Polizist stoppt die Zeit. Dennis Dean feuert die Kinder ebenfalls lauthals an – der 69-Jährige ist der Lehrer der Kinder. Er hat den Fahrradclub ins Leben gerufen, der nun regelmäßige Rennen abhält.

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Eigentlich war Dean schon in Pension und wollte sich ein ruhiges Leben in dem kleinen Städtchen Katherine im australischen Nordterritorium machen. Doch dann erhielt er einen Anruf: Die Schule in Yarralin, fast 400 Kilometer von seinem Heimatort entfernt, suchte einen Aushilfslehrer.

Fahrräder stoßen bei Schülerinnen und Schülern auf Begeisterung

Dean konnte nicht „Nein“ sagen und zog kurzerhand mit seiner Frau um. Nachdem der einstige Athlet selbst zwei Jahre zuvor erst seine Liebe zum Radfahren entdeckt hatte und dadurch nach einer früheren Hüftoperation wieder fit geworden war, brachte er einige Fahrräder für seine neuen Schüler und Schülerinnen mit. Wenig ahnte der erfahrene Lehrer, welche Begeisterung er auslösen würde. Bald musste er weitere Fahrräder organisieren – und dank einer großzügigen Spende war dies kein größeres Problem.

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Inzwischen fahren der engagierte Lehrer und seine Schüler auf den Wegen umher, die das Vieh in den australischen Busch „gepflügt“ hat. Dean nimmt die Kinder auf Exkursionen für den Unterricht mit, ist aber auch oft nach nach der Schule mit ihnen unterwegs. Beispielsweise fahren die Kinder gerne zu einem Billabong, einer kleinen Wasserstelle im Outback, um nach indigenen Artefakten Ausschau zu halten und Krokodileier zu sammeln, die dann gemeinsam verspeist werden.

Monatliche Fahrradrennen

Zusätzlich dazu organisiert der Lehrer, der auch einen Gemeinschaftsgarten und ein Recyclingprogramm gestartet hat, die monatlichen Fahrradrennen um Yarralin. „Dabei gibt es Medaillen und Gutscheine für Geschäfte zu gewinnen“, berichtete der 69-Jährige. Alle seien mit viel Begeisterung dabei, meinte der Lehrer. „Jeder kann es kaum erwarten, Fahrrad zu fahren“, bestätigte die zehnjährige Olivia Rankin dem australischen Sender ABC, der ebenfalls schon vor Ort war, um über den Fahrradclub und den dadurch völlig reformierten Ort zu berichten.

Die neu entfachte Begeisterung half letztendlich auch, das Schuleschwänzen in der einsam gelegenen Region im Zaum zu halten. Wesley Campbell, der als Supervisor der Remote School Attendance Strategy die Herkulesaufgabe hat, früh am Morgen aufzustehen, um die Kinder in die Schule zu „locken“, hatte zuvor stets schwer zu kämpfen.

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Bis zu 86 Prozent haben zuvor geschwänzt

Zahlen des Bildungsministeriums zeigen, dass die Anwesenheitsquote einiger einsam gelegener Schulen wie der in Yarralin im Jahr 2019 nur 14 Prozent betragen hat. „Vorher war es ein bisschen schwierig, einige der Kinder wollten nicht zur Schule kommen“, berichtete Campbell der ABC. Die Kinder hätten sich lieber zu Hause mit Videospielen, Youtube und Tiktok beschäftigt. Doch seit Dennis Dean die Fahrräder organisiert habe, seien die Kinder Montag bis Freitag bereits vor ihm an der Schule. Die Räder seien eine große Hilfe für ihn, sein Ziel zu erfüllen – nämlich eine Anwesenheitsquote von 80 Prozent zu erreichen.

Seitdem die ABC über Yarralin, Dennis Dean und die Fahrradbegeisterung der Kinder berichtet hat, ist die Hilfsbereitschaft aus anderen Teilen des Landes nochmals angeschwollen. „Seitdem haben wir noch mehr Angebote für Unterstützung und neue Fahrräder bekommen“, berichtete Dean. Bald werde er über 100 Räder zusammengesammelt haben. Auch Helme und T-Shirts seien gespendet worden. Inzwischen gibt es sogar schon Pläne, einen BMX-Track neben der Schule zu bauen und irgendwann vielleicht sogar Touristen und Touristinnen zu begrüßen und mit auf Tour zu nehmen.

Wer führt die Projekte weiter, wenn Dean geht?

Deans größte Sorge ist im Moment, ob all seine Projekte, die bei den Kindern so viel Begeisterung ausgelöst haben, nach seinem Abschied von Yarralin auch weitergeführt werden. Dafür will er nun ein Komitee gründen. „Ich hoffe, dass ich vielleicht auch andere ältere Leute noch inspirieren kann“, meinte er. Denn dank seines Trainings habe er nicht nur sein „altes Gewicht“ wieder erreicht, er sei inzwischen sogar so fit, dass er letztlich sogar einen Bekannten beim Fahrradfahren geschlagen habe, der erst in seinen 30ern ist.

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