Rätselhafter Fall beschäftigt Brasilien

Vermisster britischer Journalist in Brasilien: Wurde ein Verdächtiger gefoltert?

Die Polizei navigiert auf dem Itaquai-Fluss während der Suche nach dem britischen Journalisten Dom Phillips und dem Experten für indigene Angelegenheiten Bruno Araujo Pereira im indigenen Gebiet des Javari-Tals, Atalaia do Norte im Bundesstaat Amazonas. Das Schicksal eines britischen Journalisten und eines Indigenen-Experten, die im tiefsten brasilianischen Amazonasgebiet an der Grenze zu Peru und Kolumbien vermisst werden, bewegt Brasilien. Der Journalist Dom Phillips und der Indigenen-Experte Bruno Araújo Pereira kamen der Mitteilung einer regionalen Indigenen-Organisation zufolge nicht wie geplant am Sonntag mit dem Boot an ihrem Zielort in Atalaia do Norte im äußersten Westen Brasiliens an. Zuvor hatte Pereira bei der Polizei gemeldet, mehrmals von Fischern bedroht worden zu sein.

Atalaia do Norte. Angehörige eines im Zusammenhang mit dem Verschwinden des britischen Journalisten Dom Phillips in Brasilien festgenommenen Verdächtigen haben der Polizei Folter vorgeworfen. Polizisten hätten Amarildo da Costa de Oliveira geschlagen, ihn mit Pfefferspray traktiert, seinen Kopf unter Wasser gedrückt und seien ihm auf die Beine getreten, sagte dessen Bruder Osnei am Freitag der Nachrichtenagentur AP. Sie hätten ihn auch unter Drogen gesetzt. „Sie wollten, dass er gesteht, aber er ist unschuldig“, sagte Osenei da Costa de Oliveira, der seinen Bruder im Gefängnis besucht hatte.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die lokalen Sicherheitsbehörden wollten sich nicht äußern, weil der Fall von der Bundespolizei untersucht werde. Die Bundespolizei reagierte nicht auf Anfragen zu den Vorwürfen.

Die Behörden in Brasilien stehen unter gewaltigem Druck, Phillips und seinen Begleiter Bruno Araújo Pereira ausfindig zu machen. Zahlreiche Prominente verlangen, die Suche zu forcieren.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der 57-jährige Phillips berichtet seit mehr als zehn Jahren aus Brasilien, unter anderem war er für die Zeitungen „Guardian“ und „Washington Post“ als freier Journalist tätig. Zuletzt arbeitete er an einem Buch über die Erhaltung des Amazonasgebiets. Pereira steht seit langem im Vale do Javari im Dienst der brasilianischen Behörde für indigene Angelegenheiten. Er betreute deren Regionalbüro und war für die Verwaltung isolierter indigener Gruppen zuständig. Dann nahm sich Pereira eine Auszeit, um örtlichen Indigenen zu helfen, sich gegen illegal tätige Fischer und Wilderer zu verteidigen. Seit Jahren wird der Funktionär und Experte wegen seiner Arbeit bedroht.

Letzte Spur der Vermissten

Zuletzt gesehen wurden die Männer am Sonntag vergangener Woche im schwer zugänglichen Vale do Javari, dem zweitgrößten indigenen Territorium Brasiliens. Begleiter der Beiden sagten, dass diese einen Tag vor ihrem Verschwinden von einer Gruppe von Fischern mit vorgehaltener Waffe bedroht worden seien.

Einer der Fischer soll Amarildo da Costa de Oliveira gewesen sein. Dessen Familie versicherte, der Mann habe nicht mit einem Gewehr, sondern mit einem Ruder gedroht, weil er sich von bewaffneten Indios bedroht gefühlt habe, die Phillips und Pereira begleiteten. Vorwürfe, da Costa de Oliveira habe dort illegal gefischt, wies sie zurück.

Die Bundespolizei hat erklärt, sie habe in da Costa de Oliveiras Boot Blut gefunden, das jetzt analysiert werde. Außerdem sei in der Nähe von Atalaia do Norte im Fluss Itaquai menschliches Gewebe entdeckt worden. Die Familie des Verdächtigen erklärte, das Blut stamme vermutlich von einem Schwein, das dieser einige Tage vor seiner Festnahme geschlachtet habe. Er war der bislang Einzige, der in dem Fall festgenommen worden ist und wurde in einer Polizeistation in Atalaia do Norte festgehalten.

RND/AP

Mehr aus Panorama

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.