Stärke 5,6

Mindestens 252 Tote und Hunderte Verletzte bei Erdbeben in Indonesien

Rettungskräfte suchen nach Überlebenden in den Ruinen von Häusern, die durch ein Erdbeben beschädigt wurden.

Rettungskräfte suchen nach Überlebenden in den Ruinen von Häusern, die durch ein Erdbeben beschädigt wurden.

Jakarta. Ein starkes Erdbeben in Indonesien hat mindestens 252 Menschen das Leben gekostet. Hunderte weitere seien verletzt worden, sagte der Gouverneur von West Java, Ridwan Kamil, am Montag. Die Zahl der Opfer könnte deshalb noch weiter steigen. Bei den meisten Toten handle es sich um Kinder. Viele hätten nach Ende des regulären Schulbetriebs noch Islamunterricht gehabt.

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Etwa 300 Menschen seien sehr schwer verletzt, erklärte Henri Alfiandi, Leiter der nationalen Rettungsdienste. „Das sind Menschen, die so verletzt sind, dass sie nicht gehen können. Aber es gibt insgesamt zu viele Verletzte, als dass man sie zählen könnte“, sagte er vor Journalisten. Die Krankenhäuser waren völlig überfüllt.

Widersprüchliche Angaben zu Todesopfern

Zu den Opferzahlen gab es am Dienstag widersprüchliche Angaben. Während der nationale Such- und Rettungsdienst (Basarnas) weiter von 162 Toten sprach, bezifferte der Katastrophenschutz die Zahl auf 103. Die Behörde sprach zudem von 31 Vermissten. Hunderte Menschen wurden bei dem Beben der Stärke 5,6 zum Teil schwer verletzt.

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Nach Angaben von Armeechef Dudung Abdurachman wurden am Dienstag die Leichen von 14 Menschen gefunden, die bei einem Erdrutsch infolge des Bebens am Montag verschüttet wurden. „Wir suchen noch nach mehr Opfern“, sagte er. Ein ganzes Café sei von Erdmassen begraben worden. „Wir wissen nicht, ob sich irgendjemand daraus retten konnte.“

Erdbeben in geringer Tiefe

Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS ereignete sich das Beben der Stärke 5,6 in einer relativ geringen Tiefe von zehn Kilometern. Das bedeutet, dass die Energie der Erdstöße kaum gemindert an die Erdoberfläche gelangt und große Schäden anrichten kann. Zu spüren war das Beben auch im Großraum der Hauptstadt Jakarta. Einwohner flohen aus beschädigten Gebäuden, manche mit Blut und Staub verschmiert, andere mit Kindern auf dem Arm. Die Häuser von mehr als 13.000 Menschen waren so schwer beschädigt, dass sie in Notquartieren untergebracht werden mussten.

Erdbeben in Indonesien: Viele Menschen unter Trümmern

Die Ladeninhaberin Dewi Risma sagte, sie habe Kundschaft bedient, als die Erde zu beben begann. Sie sei zum Ausgang gerannt und habe drei Erdstöße gespürt. „Die Autos auf der Straße haben angehalten, weil das Beben so stark war“, sagte sie. Der erste Erdstoß sei der stärkste gewesen und habe zehn Sekunden gedauert. „Das Dach des Geschäfts neben dem Laden, in dem ich arbeite, ist eingestürzt“, sagte sie.

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Rettungskräfte behandelten Verletzte vor großen Krankenhäusern auf Terrassen und Parkplätzen, legten Infusionen und machten Wiederbelebungsversuche. Rettende und Zivilisten suchten nach möglicherweise unter den Trümmern eingeschlossenen Menschen. In dem Dorf Cijedil saßen laut Katastrophenschutzbehörde 25 Menschen unter den Trümmern fest.

Die Regierung ließ Bagger und Muldenkipper losschicken, um den Zugang zu Gebieten freizuschaufeln, die durch Schlamm-Lawinen von der Außenwelt abgeschnitten wurden. „Das wird uns ermöglichen, Hilfsmaterial, Gesundheitspersonal und Lebensmittel zu schicken“, sagte ein Ministeriumssprecher. Zudem sollten Zelte in die Region gebracht werden. Insgesamt sind den Behörden zufolge mehr als 2300 Gebäude beschädigt worden, viele sind unbewohnbar.

Mindestens 25 Nachbeben

Rund um die Stadt Cianjur, die etwa 175.000 Einwohner hat, gab es auch mehrere Erdrutsche, wodurch Straßen blockiert waren. Dutzende Gebäude wurden den Angaben zufolge beschädigt, darunter auch ein islamisches Internat und ein Krankenhaus. Gouverneur Kamil sagte, die Behörden sammelten immer noch Informationen über Schäden.

„Das Erdbeben hat sich so stark angefühlt“, sagte die Angestellte Vidi Primadhania. Sie sei mit ihren Kollegen über die Feuertreppe aus dem Büro im neunten Stock geflüchtet. Andere Menschen suchten unter Schreibtischen Schutz. Die indonesische Behörde für Geophysik berichtete von mindestens 25 Nachbeben.

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Indonesischer Präsident besucht schwer von Erdbeben getroffene Stadt

Der indonesische Präsident Joko Widodo hat am Dienstag die besonders schwer von dem tödlichen Erdbeben getroffene Stadt Cianjur im Westen der Insel Java besucht. Dort versuchte er, die Menschen von der Reaktion der Regierung auf die Katastrophe zu überzeugen. „In meinem eigenen Namen und im Namen der Regierung möchte ich alle Opfer dieses Cianjur-Erdbebens und ihre Familien meiner tiefen Anteilnahme versichern“, sagte er nach dem Besuch von Überlebenden in Notunterkünften auf einem Fußballfeld.

Er versprach, Infrastruktur wiederaufzubauen, einschließlich der wichtigsten Brücke, die die Stadt mit anderen Städten verbindet. Jedem Bewohner der Stadt, dessen Haus beschädigt worden sei, werde die Regierung bis zu 50 Millionen indonesische Rupiah zukommen lassen (etwa 3100 Euro), versprach Widodo. In der Stadt leben etwa 175.000 Menschen.

Indonesien mit seinen mehr als 270 Millionen Einwohnern liegt am sogenannten Pazifischen Feuerring, auf dem es wegen tektonischer Verschiebungen häufig zu Erdbeben und Vulkanausbrüchen kommt. Dass ein Erdbeben in Jakarta zu spüren ist, ist aber eher selten.

Im Februar kamen bei einem Erdbeben der Stärke 6,2 in West-Sumatra 25 Menschen ums Leben. Im Januar 2021 wurden mehr als 100 Menschen getötet, als ein ebenso starkes Erdbeben die Provinz West-Sulawesi erschütterte. Durch ein gewaltiges Beben in Indischen Ozean mit nachfolgendem Tsunami kamen im Jahr 2004 fast 230.000 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen in Indonesien.

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RND/AP und dpa

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