Fußballstar wegen Körperverletzung verurteilt

Ex-Nationalspieler Jérôme Boateng: Am Ende

Der Fußballprofi und ehemalige Nationalspieler Jérôme Boateng steht zu Beginn der Fortsetzung im Berufungsprozess im Gerichtssaal des Landgericht München I. Boateng ist angeklagt seine Ex-Freundin 2018 in einem gemeinsamen Karibik-Urlaub geschlagen zu haben.

Der Fußballprofi und ehemalige Nationalspieler Jérôme Boateng steht zu Beginn der Fortsetzung im Berufungsprozess im Gerichtssaal des Landgericht München I. Boateng ist angeklagt seine Ex-Freundin 2018 in einem gemeinsamen Karibik-Urlaub geschlagen zu haben.

Eine Strategie, die Jérôme Boateng dabei half, Weltmeister zu werden, waren Selbstgespräche auf dem Feld. Er gab sich Instruktionen – rechts, links, umdrehen –, reflektierte sich und sein Spiel im inneren Dialog. So schaltete er Messi im WM-Finale aus.

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Acht Jahre nach dem Triumph in Rio steht Boateng, 34, in einem dunkelblauen Anzug in einem Gerichtssaal in München. Das Landgericht I sieht es als erwiesen an, dass er gegenüber seiner Ex-Freundin gewalttätig geworden ist, Urteil: Körperverletzung. Boateng vernimmt es regungslos.

Am Wochenende spielte er ganz normal Fußball

Und doch würde man gerne wissen: Was geht in ihm vor? Ein Berliner Straßenkicker, gereift zum Weltklasseverteidiger, stilisiert zum Nationalhelden – und jetzt, ein vorbestrafter Gewalttäter? Wie reflektiert Boateng seinen Fall? Und an welchen Boateng werden sich die Menschen erinnern?

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Noch am Sonntag stand er mit seiner französischen Mannschaft Olympique Lyon auf dem Platz, 1:0-Erfolg. Schöner Heimsieg, schrieb er danach auf Instagram. Seine Anwälte bereiteten derweil den Berufungsprozess vor, versuchten zu retten, was für viele Beobachter bereits nicht mehr zu retten war.

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Die Bilder vom Wochenende zeigen ihn auf dem Platz: aufmerksam auf den Fußspitzen schwebend, jubelnd mit seinem Team. So selbstbewusst er bis zuletzt als Fußballer agierte, so unsicher schien er als Angeklagter. Vor Gericht lehnte er sich vor und zurück, verschränkte die Arme, wirkte angespannt. Und sagte im gesamten Prozess kein Wort.

Eine deutsche Aufstiegsgeschichte

Es das Gegenteil des jungen, forschen Boatengs, der 2007 in der Bundesliga debütierte. Sein Stil war von Flüchtigkeitsfehlern geprägt, er war schnell, aber bisweilen ungestüm. In seinem ersten Länderspiel flog er mit Gelb-Rot vom Platz. Doch sein Talent war immens. Ein Psychologe der Nationalmannschaft nahm ihn bald zur Seite und gab ihm den Tipp mit den Selbstgesprächen. Der innere Austausch half, die Aussetzer wurden weniger. Mit Bayern München gewann er zweimal die Champions League.

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Doch mehr noch als sein Spiel liebten die Medien seine Geschichte: Vater aus Ghana, aufgewachsen bei der alleinerziehenden Mutter, gestählt in Berliner Fußballkäfigen mit seinen Brüdern. Vor allem gegenüber dem Nächstälteren, Kevin-Prince Boateng – ebenfalls Profi, ein ruppiger Mittelfeldspieler –, wirkte Jérôme wie ein sanfter Riese, zurückhaltend, fast tapsig. In Interviews nuschelte er oft vor sich hin.

Kevin-Prince Boateng spielt seit 2021 wieder für Hertha BSC.

Kevin-Prince Boateng spielt seit 2021 wieder für Hertha BSC.

Legendäre Rettungsaktion bei der EM

2014 gewann Boateng den Weltmeistertitel mit dem DFB; die deutsche Aufstiegsgeschichte war perfekt. Dabei sollte der Höhepunkt seiner Beliebtheit erst noch folgen. Im Auftaktspiel der EM 2016 flog er bei einer Rettungstat mit dem Rücken ins Tornetz, verhinderte so auf der Linie das Gegentor. Die spektakuläre Aktion wurde gefeiert, keiner verkörperte die deutsche Tugend des Verteidigens so gut wie Boateng. Wie hoch sein Ansehen war, bewies der damalige AfD-Vize Alexander Gauland, als er ausgerechnet Boateng auswählte, um zu polemisieren. Die Deutschen, sagte er, „wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Als Reaktion kreuzte ein CDU-Politiker im brandenburgischen Landtag mit Boateng-Trikot auf, Angela Merkel lud ihn ins Kanzleramt ein, von der Stadt Berlin bekam er einen Toleranzpreis. 2016 wurde er Fußballer des Jahres. Boateng war auf dem Zenit. Der „Spiegel“ kürte ihn in einer Story zum „Musterdeutschen.“

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Boateng war zur Projektionsfläche geworden für Aufstieg, Fleiß, Bescheidenheit. Ebenso Klischees, wie sie sein Bruder Kevin-Prince als Badboy mit sich herumtrug. Doch schon damals hat es wohl diese zwei Seiten von Jérôme Boateng gegeben. Die erlernte Ruhe, die er auf dem Platz ausstrahlte, schien nicht in sein Privatleben einzuziehen. Jene Aussetzer, die der Fußballer Boateng früh abstellte, begleiteten den dreifachen Familienvater Boateng weiter. So soll er etwa eine Kühltasche nach der Mutter seiner Kinder geworfen haben. Die Vorwürfe, die seine Ex-Partnerin ihm im Prozess machte, aufbrausend zu sein, beleidigend, erhob auch eine weitere Ex-Freundin von Boateng. Sie nahm sich im Februar 2021 das Leben; der Fall löste ein riesiges Medienecho aus. Auch in dieser Sache läuft noch ein Verfahren gegen Boateng.

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Wie ernst die Vorwürfe gegen ihn im aktuellen Fall waren, hob der zuständige Richter hervor. „Für uns ist der Sachverhalt mehr als nachgewiesen“, sagte er am Mittwoch. Boateng, so die Ansicht des Gerichts, habe seine damalige Partnerin in einem gemeinsamen Karibik-Urlaub 2018 geschlagen, verletzt und beleidigt.

Boateng wegen Körperverletzung verurteilt – 1,2 Millionen Euro Strafe

Der deutsche Ex-Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng hat den Berufungsprozess wegen Körperverletzung verloren.

Geht Boateng in Revision?

Auch andere Fußballer, das kommt in diesen Tagen mehr und mehr ans Licht, üben häusliche Gewalt und psychischen Druck aus. Doch bei keinem ist die Fallhöhe so groß wie bei Boateng, dem „Musterdeutschen“. Wie so häufig schweigt auch im Fall Boateng das System Fußball, wenn einer ihrer Stars vor Gericht steht.

Boateng könnte nun in Revision gehen, noch einmal versuchen, seinen Ruf spektakulär zu retten. Seine Anwälte ließen diesen Schritt offen. Der Richter am Amtsgericht München gab ihm jedoch diesen Tipp: „Irgendwann ist die Verteidigung auch mal am Ende. Das weiß der Herr Boateng als Verteidiger wahrscheinlich auch ganz gut.“

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Sie leiden an Depressionen oder krank­hafter Nieder­geschlagen­heit oder haben düstere Gedanken? Bitte holen Sie sich Hilfe. Bei Not­fällen können Sie unter 112 den Notarzt rufen. Das Info­telefon Depression hat die Telefonnummer (0800) 33 44 533. Die Telefon­seel­sorge ist rund um die Uhr erreichbar unter den Telefon­nummern (0800) 11 10 111 oder (08 00) 11 10 222 oder 116 123. Weitere Informationen gibt es bei der Stiftung Deutsche Depressions­hilfe unter www.deutsche-depressionshilfe.de.

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