„Selbstverteidigung“ oder „Exekution“? Fall um erschossenen Palästinenser sorgt in Israel für Diskussion

Fahrzeuge der israelischen Armee in palästinensischem Autonomiegebiet (Symbolfoto)

Fahrzeuge der israelischen Armee in palästinensischem Autonomiegebiet (Symbolfoto)

Tel Aviv/Ramallah. Ein tödlicher Vorfall im Westjordanland, bei dem ein Palästinenser von einem israelischen Polizisten aus nächster Nähe erschossen wurde, hat eine heftige Kontroverse in sozialen Medien ausgelöst. Von palästinensischer Seite gab es auch am Samstag Vorwürfe einer „kaltblütigen Exekution“ des 22-Jährigen am Freitag nahe Nablus. Pro-israelische Twitter-Nutzer verteidigten dagegen das Vorgehen des Polizisten als legitime Selbstverteidigung.

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Polizei: Beamter fürchtete um sein Leben

Die israelische Polizei hatte zu dem Vorfall mitgeteilt, der Palästinenser sei mit einem Messer bewaffnet gewesen. Er habe zunächst versucht, in das Fahrzeug eines israelischen Paars einzudringen. Er sei dann von dem Fahrer - einem Armeeoffizier in Urlaub - durch Schüsse verletzt worden. Danach habe er einem Polizisten in der Nähe eine tiefe Schnittwunde an der Schläfe beigebracht.

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Ein anderer Polizist habe daraufhin versucht, den Angreifer festzunehmen. Auf dem Video ist ein Kampf zwischen den beiden zu sehen, zwischenzeitlich sind noch zwei weitere Männer beteiligt. Am Ende versuchte der Palästinenser nach Polizeiangaben, dem Polizisten das Gewehr zu entreißen. Es ist zu sehen, wie die Waffe auf den Boden fällt. Der Polizist zieht dann eine Handwaffe und erschießt den Palästinenser. Er habe um sein Leben und das Leben anderer Menschen in der Umgebung gefürchtet, teilte die Polizei mit.

UN-Gesandter „entsetzt“

Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa schrieb, der Palästinenser sei von vier Kugeln getroffen worden. Israelische Soldaten hätten palästinensische Krankenwagen daran gehindert, zum Ort des Geschehens zu gelangen.

Der UN-Gesandte Tor Wennesland schrieb in einem Tweet, er sei „entsetzt“ von der Tötung des Palästinensers. „Solche Vorfälle müssen umfassend und schnell untersucht werden und die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, forderte er.

Israel spricht von „Terrorakt“

Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums kritisierte diese Reaktion am Samstag als „totale Realitätsverzerrung“. Es handele sich bei dem Vorfall vielmehr „um eine Terrorattacke, in deren Verlauf einem Polizisten ins Gesicht gestochen und das Leben eines anderen Polizisten bedroht wurde“.

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Die Lage im besetzten Westjordanland ist seit Monaten sehr angespannt. Nach einer Serie von Anschlägen auf Israelis, die im März begonnen hatte, führt die Armee dort vermehrt Razzien durch.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden in diesem Jahr bereits 159 Palästinenser in Zusammenhang mit Militäreinsätzen, bei Zusammenstößen oder eigenen Anschlägen getötet. In Israel und im Westjordanland wiederum wurden in diesem Jahr 31 Zivilisten und Sicherheitskräfte bei Anschlägen getötet.

RND/dpa

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