Geburtstag des „Baywatch“-Stars

Deutsch-deutscher Freiheitssänger – David Hasselhoff wird 70 Jahre alt

Für alle Zeiten „Looking for Freedom“: TV‑ und Popstar David Hasselhoff (hier 2019 vor der East Side Gallery in Berlin) wird am 17. Juli 2022 70 Jahre alt.

Für alle Zeiten „Looking for Freedom“: TV‑ und Popstar David Hasselhoff (hier 2019 vor der East Side Gallery in Berlin) wird am 17. Juli 2022 70 Jahre alt.

Manches Wissen über große Popmusik geht verloren. Niemand unter den Umstehenden wusste etwa am Freitag im hannoverschen Stadion, dass die Stottergitarre, mit der Guns N’ Roses ihr der Ukraine gewidmetes „Civil War“ beendeten, von „Machine Gun“ stammte – Jimi Hendrix’ Protestsong gegen den Vietnam-Krieg.

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Und kaum einer weiß heute noch, dass „Looking for Freedom“ ein Lied war, mit dem der Deutsche Franz Seeberger alias Marc Seaberg über die Abnabelung eines jungen Mannes vom Elternhaus sang. 1978 erreichte seine Single Platz 16 in den Charts, glänzte kurz, und verschwand wieder.

Ein TV-Star lieferte die Freiheitshymne des deutschen Schicksalsjahres

Um 1989 zu David Hasselhoffs Megahit über das Ende des Eisernen Vorhangs zu mutieren. Als die Cover­version des Amerikaners im Dezember 1988 erschien, war das Video noch mit Szenen aus Hasselhoffs Serie „Knight Rider“ (1982–1986) geschmückt. Aber als die Mauer friedlich gefallen war und David Hasselhoff das Lied am Silvesterabend 1989 am Brandenburger Tor sang, war es bereits zur Freiheitshymne des Ostens geworden und der Schauspieler Hasselhoff zum Popstar der Deutschen (und Schweizer und Österreicher).

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25 Wochen stand „The Hoff“, der am heutigen Sonntag (17. Juli) 70 Jahre alt wird, mit dem Lied in den deutschen Singlecharts, acht Wochen davon auf Platz eins. Von Coming‑of-Age zu Coming‑of-Peace, vom Lied übers Nestflüchten zu einem Song über die Abnabelung eines Landes von einem diktatorischen Reich.

Seine erste Kinorolle als „Boner“ fand Hasselhoff peinlich

Früh fand der am 17. Juli 1952 in Baltimore im US‑Bundesstaat Maryland geborene Hasselhoff, der eine aus Deutschland ausgewanderte Ururgroßmutter hatte, Lust am Rampenlichtleben. Die Bühne betrat er als Siebenjähriger in einer Inszenierung von „Peter Pan“ und wollte seither zum Broadway. Hasselhoff machte einen Abschluss im Fach Theater am California Institute of the Arts und übernahm 1974 die bezeichnende Rolle des „Boner“ (Ständer) in der Kinoklamotte „The Teenies: Ein College dreht durch“, um in die Schau­spieler­gilde zu kommen.

Er fand die Anzüglichkeiten des Films peinlich und hoffte – vergeblich – er würde nie in die Lichtspielhäuser kommen. Auch der Part des Prinz Simon in Luigi Cozzis drittklassigem „Star Wars“-Abklatsch „Star Crash – Sterne im Duell“ (1978) ließ auf keine größere Karriere hoffen.

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Kritiker hassten „Knight Rider“, das Publikum liebte die Serie

Die kam acht Jahre später mit „Knight Rider“ in Schwung, der ziemlich abgefahrenen Science-Fiction-Krimiserie um den Verbrechensbekämpfer Michael Knight und seine rollende KI „Kitt“ (Knight Industries Two Thousand), ein sprechendes und unkaputtbares Automobil. Die von Kritikern reichlich verspottete Serie war vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt.

Alle Jungs wollten damals sein wie der von Hasselhoff gespielte Undercover-Held vom Los Angeles Police Department, und der clevere Pontiac Firebird trat als Lieblingsauto in Konkurrenz zu Batmobil und James Bonds multifunktionalem Aston Martin. Hasselhoff selbst hielt „Knight Rider“ sogar für bedeutsamer als die Strandwächterdramen seines zweiten Erfolgs: In neun der elf Staffeln von „Baywatch“ (1989–2001) spielte er Mitch Buchannon, den Chef einer Rettungsschwimmertruppe am Strand der Bucht von Santa Monica in Kalifornien.

„Baywatch“ war der Gipfel des Erfolgs

Die Dramaserie war schon im Frühjahr des Hasselhoff’schen Schicksalsjahres 1989 in Amerika gestartet. Vom anfänglichen Flop wurde sie ab der zweiten Staffel zur erfolgreichsten amerikanischen Serie des 20. Jahrhunderts überhaupt, die zu ihren Spitzenzeiten wöchentlich von rund einer Milliarde Menschen in 144 Ländern gesehen wurde. „Jenseits ihres Unterhaltungswerts hat ‚Baywatch‘ das Leben der Leute bereichert und“, so war Hasselhoff in einem Interview überzeugt, „hat auf viele Arten und Weise geholfen, Leben zu retten.“ Er freue sich auf ein weiteres Projekt von so großer Bedeutung für so viele Menschen.

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Das kam nicht für den laut Guinnessbuch der Rekorde „meistgesehenen TV‑Star der Welt“, den in den Neunzigerjahren ungekrönten Coverkönig der Teenie-Postille „Bravo“. Stattdessen gab es ab den frühen Nullerjahren Schlagzeilen über Alkoholismus. 2007 ging das Youtube-Video seiner Tochter Taylor Ann um die Welt, in dem ein hoffnungslos betrunkener Hasselhoff versucht, einen Cheeseburger zu verspeisen, während ihn die Tochter vor den Folgen des Suffs warnt. Entziehungskuren. Rückfälle. 2009 beschrieb ihn sein Anwalt als „sich erholenden Alkoholiker“.

Kleine Rollen bei „Spongebob“ und den „Guardians of the Galaxy“

Was der dreimal verheiratete Vater zweier Töchter – gerüchteweise – fast geworden wäre: Der inter­planetarische Kopfgeldjäger Boba Fett in „Star Wars: Das Imperium schlägt zurück“ (1980). Was er gespielt hatte: den sehr musikalischen Dr. Frank‑N‑Furter („I‘m just a sweet transvestite“) in einer Inszenierung der „Rocky Horror Show“. Was schiefging: Die Real-Life-Serie „The Hasselhoffs“ wurde im Dezember 2010 nach nur zwei Episoden abgesetzt.

Immer wieder ist Hasselhoff in kleinen Rollen zu sehen – etwa im „Spongebob Schwammkopf Film“ (2004), wo der titelgebende Zeichentrickschwamm auf ihm durch die Wellen ritt. Oder im zweiten Teil von „Guardians of the Galaxy“ (2017), wo sich Kurt Russell als Gestaltwandler Ego kurzzeitig in „The Hoff“ verwandelte. Es gab Post-Karriere-Aufgaben wie Jurymitglied bei „America‘s Got Talent“. Und 2010 wurde eine in Antarktisnähe in 2600 Metern Tiefe neu entdeckte Krabbenart nach ihm benannt – die borstige Hoff-Krabbe (alias Kiwa tyleri) hatte britische Tiefsee-U-Boot-Fahrer an die ausgeprägte Brustbehaarung Hasselhoffs erinnert.

In den USA gelang Hasselhoffs Durchbruch als Popstar nicht

Ein Popstar hatte Hasselhoff auch zu Hause in Amerika werden wollen. 1984 war er mit einer Coverversion des Oldies „Do You Love Me?“ (im Original von The Contours) am Desinteresse des US‑Publikums gescheitert. Am 17. Juni 1994 versuchte er es – jetzt mit den deutsch-deutschen Meriten im Gepäck – noch einmal mit der TV‑Übertragung eines Konzerts aus Atlantic City.

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Zu seinem Pech lieferte sich der mordverdächtige Schauspielkollege O. J. Simpson am selben Tag seine legendäre Verfolgungsjagd – die erste, die live von einem Hubschrauber aus ins US‑Fernsehen übertragen wurde. Simpsons Versuch, ein freier Mann zu bleiben, interessierte die Amerikaner mehr als „The Hoffs“ „Looking for Freedom“. Sie schalteten um.

„The Hoff“ singt Lieder von Bowie und Udo Jürgens

Platten nimmt Hasselhoff allerdings bis heute auf, und sie platzieren sich in Deutschland verlässlich auf mittleren Chartplätzen – zuletzt erschien 2019 mit der Coverversionen-Kollektion „Open Your Eyes“ sein 14. Studioalbum. Da singt er „Heroes“ in deutschsprachig ähnlich gebrochenem Teutoenglish wie einst David Bowie. Und erinnert stimmlich an Elvis Presley, wenn er – wie zuvor Chris de Burgh – Udo Jürgens‘ „Mit 66 Jahren“ auf Englisch gibt: „Life begins at 66 – the best is yet to come“. Dass ihm das Beste noch bevor­stehen möge, ist „The Hoff“ nun auch mit 70 zu wünschen. Happy Birthday!

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