Sieben Monate nach Prozessbeginn

Lebenslange Haftstrafe für Mord an 100-Jähriger

Das Landgericht und Amtsgericht in Frankfurt am Main.

Das Landgericht und Amtsgericht in Frankfurt am Main sprach das Urteil.

Wegen Mordes an einer 100 Jahre alten Seniorin hat das Landgericht Frankfurt eine Altenpflegerin zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter sahen es in ihrem Urteil nach sieben Monaten Prozessdauer als erwiesen an, dass die 42-Jährige im Januar vergangenen Jahres ihr Opfer in dessen Bett mit einem Kissen erstickt hat, um einen vorangegangenen Hausfriedensbruch und Diebstahlsversuch zu verdecken. „Das ergibt die Gesamtschau aller Indizien“, sagte der Vorsitzende Richter am Freitag. Die deutsche Frau, die sich mit einem Nachschlüssel Zutritt zu der Wohnung verschafft hatte, hatte sich nicht zu dem Mordvorwurf geäußert.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der Indizienprozess hatte im April begonnen und die Schwurgerichtskammer an 17 Verhandlungstagen beschäftigt. Als Ergebnis gebe es nur den einen Schluss, sagte der Vorsitzende Richter: „Sie waren in der Wohnung und haben das Kissen auf das Gesicht des Opfers gedrückt, bis es tot war.“ Andere Konstellationen ergäben keinen Sinn – weder Motive noch Spuren dazu seien festgestellt worden. Dafür aber habe die Angeklagte in der Zeit vor der Tat in finanziell prekären Verhältnissen gelebt.

Mord als Verschleierungstat?

Schon während ihrer mehrwöchigen Tätigkeit als Pflegerin der am Mainufer in Frankfurt-Sachsenhausen lebenden Seniorin habe sie verschiedene stehlenswerte Gegenstände in deren Wohnung fotografiert sowie Kenntnisse über den Aufbewahrungsort des Bargelds erlangt. Nach der Tat manipulierte sie die Standorte ihres Mobiltelefons. Darüber hinaus habe sie sich bei ihrer ersten polizeilichen Vernehmung verdächtig verhalten, indem sie nicht nach der Person des Opfers gefragt habe, als man sie allgemein mit einem Tötungsdelikt konfrontiert habe, hieß es in der Urteilsbegründung.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Bei der Toten handelte es sich um die Tochter des Biophysikers und Frankfurter und Aschaffenburger Ehrenbürgers Friedrich Dessauer (1881–1963), die sich als Übersetzerin, Lektorin und Buchautorin betätigt hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung hatte Freispruch beantragt.

RND/dpa

Mehr aus Panorama

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen