Niemand bekam etwas mit

Mutter sperrt achtjährige Tochter fast ihr ganzes Leben in Haus ein

Ein Einsatzwagen der Polizei mit eingeschaltetem Blaulicht (Symbolfoto).

Ein Einsatzwagen der Polizei mit eingeschaltetem Blaulicht (Symbolfoto).

Ein acht Jahre altes Mädchen aus Attendorn im Sauerland (Nordrhein-Westfalen) ist offenbar nahezu ihr komplettes Leben lang von ihrer Mutter im Haus der Familie eingesperrt worden. Erst nach einem anonymen Hinweis Ende September sei das Mädchen von Polizei und Jugendamt befreit worden, wie die Siegener Staatsanwaltschaft am Samstag bestätigte. Inzwischen lebt das Kind in einer Pflegefamilie. Zuerst hatte der „Sauerlandkurier“ über den Fall berichtet.

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Es sei zu keiner körperlichen Misshandlung des Mädchens gekommen, und es sei auch nicht verwahrlost, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der „Siegener Zeitung“. „Es war schlicht und ergreifend so, dass das Kind die Räumlichkeiten nie verlassen hat.“ Die Achtjährige habe vor allem in einem Zimmer bei verschlossener Tür gelebt.

Das Kind hatte demzufolge keinen Kontakt mit Gleichaltrigen und besuchte nicht den Kindergarten und keine Schule. Das Mädchen ist den Angaben zufolge in der Lage, sich zu artikulieren, doch fehlten sämtliche Eindrücke, die die Außenwelt betreffen, so der Sprecher gegenüber der Zeitung. Nach ihrer Befreiung habe die Achtjährige zum ersten Mal einen Baum oder eine Wiese gesehen.

„Wir müssen davon ausgehen, dass es knapp sieben Jahre gewesen sind“

Der „Siegener Zeitung“ zufolge hatte die Mutter gegenüber Behörden schon vor Jahren behauptet, mit dem Kind nach Italien zu Verwandten zu ziehen – dazu kam es allerdings nie. Ein Hinweis an das Jugendamt, dass das Kind sich noch in Attendorn aufhalte, brachte den Stein schließlich nach Jahren ins Rollen. Bei einem ersten Besuch von Jugendamt und Polizei verweigerten die ebenfalls in dem Haus lebenden Eltern der Mutter ihnen den Zutritt. Eine Rücksprache mit Behörden in Italien ergab dann, dass Frau und Kind nie in Italien gelebt hatten. Daraufhin erwirkten die Ermittler einen Durchsuchungsbeschluss und fanden das Mädchen am 23. September in dem Haus. Zur Dauer der Gefangenschaft des Mädchens sagte der Sprecher: „Wir müssen davon ausgehen, dass es knapp sieben Jahre gewesen sind.“

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Das Motiv der Mutter, ihre Tochter jahrelang wegzusperren, ist laut Staatsanwaltschaft völlig unklar. Die unmittelbar Beteiligten, also Mutter und Großeltern, machten bislang keine Aussage. „Wir müssen uns erst mal ein Bild machen, was sich da abgespielt hat“, so der Sprecher gegenüber der „Siegener Zeitung“. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es keinen Hinweis darauf, dass der Vater des Kindes, der von der Mutter getrennt lebt, Kenntnis hatte. Ermittelt wird den Angaben zufolge wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und Freiheitsberaubung.

RND/seb

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