Australien

Mysteriöser Quallenfund gibt Sydneysidern Rätsel auf

Zwei Würfelquallen beim Schwimmen im Two Oceans Aquarium. Die Sichtung einer offenbar bislang unbekannten Quallenart vor Cronulla an der australischen Ostküste gibt Forschern Rätsel auf. Das Tier teile strukturelle Merkmale mit den tödlichen Würfelquallen, die die tropischen Gewässer im Norden von Down Under bevölkern, zitierte die Zeitung „Sydney Morning Herald“ eine Biologin.

Wer in Sydney bisher ins Wasser ging, musste sich nur vor Strömungen, hohen Wellen und in Ausnahmefällen vor Haien in Acht nehmen. Kalkulierbare Risiken, vor allem, wenn man sich an die Schwimmzonen hält, die Rettungsschwimmerinnen und ‑schwimmer an den Stränden markieren.

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Bisher galten die Gewässer vor Sydney deswegen als relativ sicher. Doch jetzt ist ein Schwimmer auf eine dort bisher unbekannte Quallenart gestoßen, die viel Ähnlichkeit mit der gefährlichen Würfelqualle Chironex fleckeri hat. Letzere lebt normalerweise Tausende von Kilometern weiter nördlich, in den tropischen Regionen des fünften Kontinents. Bisher wurden die hochgiftigen Tiere nie jenseits der Gold Coast im Süden des Bundesstaates Queensland aufgefunden. Doch ein lokaler Schwimmklub – die Shark Island Psycho Swimmers (SIPS) – aus dem Sydney-Stadtteil Cronulla sichtete eine vermeintliche Würfelqualle nun an zwei Wochenenden beim Schwimmen in Sydney – über 800 Kilometer weiter südlich.

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„Die gehört nicht nach Sydney“

Zunächst dachten die Schwimmer, sie seien auf eine sogenannte Jimble oder Carybdea rastoni gestoßen, eine Würfelquallenart mit nur vier Tentakeln, die einen schmerzhaften, aber nicht gefährlichen Stich verursachen kann. Doch das Tier vor Sydney hatte mehrere Tentakel mit einer Länge von etwa 30 Zentimetern und ähnelte der tödlichen Würfelquallenart Chironex fleckeri, die auch als Seewespe bekannt ist. „Der Kopf der Qualle war ungefähr so groß wie eine Handfläche“, sagte Scotty Belcher, einer der Schwimmer, der die Qualle auch filmte, der lokalen Ausgabe des „Guardian“.

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Die Wissenschaftler sind derzeit noch unsicher, um welche Spezies es sich genau handelt. Laut der Quallenforscherin Lisa Gershwin könnte es sich bei dem Tier sogar um eine vollkommen neue Art handeln. Dass die Qualle ein Exemplar von Chironex fleckeri ist, glaubt die Expertin nicht. „Aber es ist eine würfelförmige Qualle, die eng mit Chironex verwandt ist“, meinte sie. Ihre allererste Reaktion sei gewesen: „Die gehört nicht nach Sydney.“

Sind die Quallen giftig oder harmlos?

Noch haben weder Gershwin noch die Fachleute des Australian Museum in Sydney das Rätsel um das Tier gelöst. Zum einen ähnelt es einem bisher nicht identifizierten Exemplar, das seit 1984 in der Sammlung des Museums aufbewahrt wird, zum anderen könnte es aber auch einfach nur ein großes Exemplar von Chiropsella saxoni sein. Letztere ist eine nur drei Zentimeter große Würfelquallenart aus Queensland, die Gershwin 2015 als neue Art identifiziert hat. Bisher ist auch unklar, ob die in Sydney gesichteten Tiere giftig oder harmlos sind. Laut Gershwin hatten sich bisher alle Tiere mit dicken Tentakeln als gefährlich herausgestellt, und die Tiere in Sydney hatten dicke Tentakel. Das Rätsel zu lösen ist insofern wichtig, da es das Verhalten der Menschen im Wasser unter Umständen völlig verändern müsste. Im Norden von Queensland beispielsweise – dem natürlichen Habitat von Chironex fleckeri – ist das Schwimmen im Meer an vielen Orten nicht angeraten.

Erst im Februar wurde wieder ein 14-Jähriger bei einem Strandbesuch mit seiner Familie von einer Würfelqualle gestochen und verstarb wenig später im Krankenhaus. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe von Mackay in Queensland. Der Teenager hatte in hüfthohem Wasser gestanden, als er sich in den Tentakeln des gefährlichen Tieres verfing. Er war etwa zehn Minuten im Wasser gewesen, als er zu seiner Familie am Strand zurückrannte – seine Arme und Beine mit mehr als zwei Meter langen Tentakeln der Qualle bedeckt, wie sein Vater Nick Guinumtad der lokalen Tageszeitung „Courier Mail“ berichtete. Obwohl Rettungsschwimmer dem 14-Jährigen sofort zu Hilfe eilten, konnten sie sein Leben nicht mehr retten. „Wer keine schützende Badebekleidung trägt, sollte nicht zwischen den Flaggen schwimmen dürfen“, schrieb die Quallenforscherin Gershwin damals in einem Kommentar auf Facebook. „Wer außerhalb der Flaggen schwimmt, dem helfe Gott.“

Wie ein glühendes Eisen

In den warmen Gewässern im Norden Australiens ist die Qualle neben den Salzwasserkrokodilen die größte Gefahr für den Menschen. Die Tiere sind groß und durchsichtig. Ihr glockenförmiger Körper und die rund 60 bis zu drei Meter langen Tentakel wiegen bis zu sechs Kilo. Bei einer Berührung feuern die Tentakel aus Nesselzellen Gift in den Körper ihrer Beute, normalerweise sind das kleine Krustentiere und Fische. Die Zellen sind kleine Kapseln, die bei Berührung eines Sensorhärchens einen giftigen Nesselschlauch ausschleudern. Über ihn dringt das Gift fast explosionsartig – innerhalb weniger Millisekunden – in den Körper des Opfers ein.

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Der Schmerz, den ein Stich der Würfelqualle auslöst, soll unbarmherzig sein. Opfer vergleichen ihn mit einer brennenden Zigarette oder einem glühenden Eisen auf der Haut. Der berüchtigte Box Jellyfish, wie die Qualle im Englischen heißt, gilt als der giftigste Bewohner der Meere. Das Gift einer Qualle kann bis zu 60 Menschen töten. Erwischt es Menschen, so muss schnell gehandelt werden, denn das Gift greift Herz, Nervensystem und Haut an. Dort zeigen sich peitschenartige rote Linien, die später tiefe Narben hinterlassen können. Eine Berührung mit der Qualle kann innerhalb von Minuten zum Tod führen. Essig und heißes Wasser gelten als erste Hilfsmaßnahmen. Ein erstes Gegengift ist bereits seit 1970 auf dem Markt, doch 2019 kam es zu einem noch mal bedeutenderen Durchbruch: Wissenschaftler der University of Sydney entdeckten damals ein Gegengift, das die Symptome eines Stichs weitestgehend blockiert, solange es innerhalb einer Viertelstunde auf die Haut aufgetragen wird. Im April letzten Jahres konnte eines der Gegengifte einer Frau in Townsville das Leben retten, nachdem sie ebenfalls von einer der tödlichen Quallen gestochen worden war.

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