Podcast machte Mordfall berühmt

Für den Mord an seiner Frau: Nach 40 Jahren muss ein Australier nun doch noch ins Gefängnis

SYDNEY, AUSTRALIA - AUGUST 30: Chris Dawson and team arrive at NSW Supreme Court on August 30, 2022 in Sydney, Australia. Dawson, a former Newtown Jets rugby league player, is accused of murdering his wife Lynette and disposing of her body in January 1982. (Photo by Lisa Maree Williams/Getty Images)

SYDNEY, AUSTRALIA - AUGUST 30: Chris Dawson and team arrive at NSW Supreme Court on August 30, 2022 in Sydney, Australia. Dawson, a former Newtown Jets rugby league player, is accused of murdering his wife Lynette and disposing of her body in January 1982. (Photo by Lisa Maree Williams/Getty Images)

Der Fall Lynette Dawsons hatte Australien und auch große Teile der englischsprachigen Welt über Jahre in Atem gehalten. Die Australierin war vor 40 Jahren verschwunden. Obwohl nie eine Leiche oder eine Mordwaffe gefunden wurde, waren sich Familienmitglieder, Nachbarn, Freunde, Journalisten und ganz normale Bürger sicher: Die damals 33-jährige Mutter zweier Kinder wurde von ihrem Ehemann Chris Dawson ermordet.

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Doch Dawson blieb fast 40 Jahre auf freiem Fuß, bis er im Dezember 2018 plötzlich verhaftet wurde. Damals war der ehemalige professionelle Rugby-League-Spieler und Highschool-Lehrer 70 Jahre alt. Die Anklage lautete Mord an seiner Frau Lynette. Dawson selbst hat immer behauptet, dass er nicht an Lynettes Verschwinden beteiligt war.

Podcast machte den Fall berühmt

Ende August hatte ein australischer Richter den inzwischen 74-Jährigen schuldig gesprochen. Er sei „zweifelsfrei“ davon überzeugt, dass es „die einzige rationale Schlussfolgerung“ sei, dass Lynette Dawson am oder um den 8. Januar 1982 gestorben sei und Chris Dawson dies verursacht habe, so der Richter. Weitere drei Monate später wurde am Freitag nun das Strafmaß bekannt gegeben: Dawson muss für 24 Jahre ins Gefängnis. Bewährung kann er frühestens nach 18 Jahren beantragen – das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass der heute 74-Jährige im Gefängnis sterben wird, ist groß.

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Dass Lynette Dawsons Fall auch 40 Jahre nach ihrem Verschwinden noch so prominent in den Medien und der Erinnerung der Bevölkerung ist, hat mit einem Podcast aus dem Jahr 2018 zu tun. Denn dieser machte den Fall weltweit berühmt: Die 16-teilige Serie mit dem Titel „The Teacher‘s Pet“ („Die Lieblingsschülerin“) sammelte etliche Zeugenaussagen und Beweise, die die Polizei bei ihren anfänglichen Ermittlungen übersehen hatte. Sie zog ihre Hörer aber wohl auch deswegen in den Bann, da bei dem Fall eine eher skandalöse Liebesaffäre mit im Spiel war.

Keine Leiche, keine Waffe und trotzdem ein Täter

Lynette Dawson war zwischen dem 8. und 9. Januar 1982 in ihrem Haus in Sydney verschwunden. Ihr Ehemann meldete sie kurz danach als vermisst. Wenig später zog seine jugendliche Geliebte, die im Prozess als JC bezeichnet wurde, in sein Haus. Die beiden heirateten später und hatten neben den Kindern aus Dawsons erster Ehe mit Lynette noch ein gemeinsames Kind.

Als sich das Paar Jahre später jedoch trennte, gab JC bei der Polizei an, dass sie glaube, ihr Ex-Ehemann habe Lynette ermordet. Die Polizei ermittelte bereits wieder, als besagter Podcast den Fall über Nacht auf die Weltbühne katapultierte: Rund 60 Millionen hörten sich den Real-Life-Krimi an, der das Verschwinden von Lynette Dawson nachskizzierte und dabei ihren Ehemann schwer belastete. So groß war das Interesse, dass das Gericht keine Geschworenen mit einbezog, da davon ausgegangen werden musste, dass die Schöffen durch die große Medienaufmerksamkeit voreingenommen gewesen wären.

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Mord für ein Leben mit der Geliebten?

Die Anklage lautete, Dawson habe seine Frau Lynette ermordet, damit er eine ungestörte Beziehung zu JC haben konnte. Letztere hatte der Lehrer kennengelernt, als sie gerade mal 16 Jahre alt und in der elften Klasse war. JC war der Babysitter seiner Kinder gewesen und Lynette hatte bereits vermutet, dass das junge Mädchen und ihr Mann ein Verhältnis begonnen hatten. Dawsons Verteidigerin hatte dagegen argumentiert, dass es weder eine Waffe noch forensische oder wissenschaftliche Beweise für einen Mord gebe. Auch die Leiche von Lynette Dawson war nie gefunden worden.

Der Bruder des Opfers, Greg Simms, und Frau Merilyn sprechen nach dem Urteil mit den Medien am NSW Supreme Court in Sydney, Australien.

Der Bruder des Opfers, Greg Simms, und Frau Merilyn sprechen nach dem Urteil mit den Medien am NSW Supreme Court in Sydney, Australien.

Dawson, der nach wie vor seine Unschuld beteuert, hat bereits Berufung gegen das Urteil eingereicht. Doch der Schuldspruch und das hohe Strafmaß wurden von der Familie von Lynette Dawson zunächst begrüßt. Ihr Bruder Greg Simms sagte gegenüber Medienvertretern, dass er sich wünsche, dass man seine Schwester ab sofort unter ihrem Mädchennamen Lynette Joy Simms in Erinnerung behalte.

Chris Dawson hatte 40 Jahre Freiheit, jetzt sind wir an der Reihe.

Greg Simms, Bruder der toten Lynette Dawson

Simms betonte, dass keine Strafe lang genug sein könne, wenn jemand einer anderen Person vorsätzlich das Leben nehme, doch sie alle würden hoffen, dass Chris Dawson ein langes Leben führe, um die Strafe auch wirklich zu verbüßen. „Chris Dawson hatte 40 Jahre Freiheit, jetzt sind wir an der Reihe“, sagte der Bruder der Vermissten. Er fügte hinzu, dass er nicht glaube, dass Dawson jemals den Aufenthaltsort von Lynettes Leiche preisgeben werde.

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