„Sehr besorgniserregend“

Monarchie-Gegner bei royalen Zeremonien festgenommen: Sorge um Meinungsfreiheit wächst

Die Polizei vertreibt vor dem Parlament vor der Ankunft von König Charles III. eine Monarchie-Gegnerin.

Die Polizei vertreibt vor dem Parlament vor der Ankunft von König Charles III. eine Monarchie-Gegnerin.

Edinburgh. Wegen der Festnahmen mehrerer Monarchie-Gegner während der Zeremonien nach dem Tod der Queen zeigen sich Expertinnen und Experten besorgt über ein Klima der Einschüchterung in Großbritannien. Ruth Smeeth, die Chefin der Organisation Index on Censorship, bezeichnete die Ereignisse der BBC zufolge als „sehr besorgniserregend“ und forderte, die royalen Zeremonien dürften weder absichtlich noch unbeabsichtigt die Meinungsfreiheit der Bürgerinnen und Bürger einschränken. In Schottland wurden in den vergangenen Tagen zwei 22-Jährige wegen Landfriedensbruchs festgenommen, die bei der Ausrufung des neuen Königs Charles III. sowie einem Trauerzug für die Queen protestiert hatten. Am Dienstag folgte bei einem der beiden Demonstranten, der sich explizit gegen Prinz Andrew gewandt hatte, die Anklage.

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Prinz Andrew (62) ist besonders umstritten. Die Queen hatte ihm Anfang des Jahres wegen der Verwicklung in den Missbrauchsskandal um den gestorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein alle militärischen Dienstgrade aberkannt. Seine offizielle Rolle als Repräsentant des Königshauses hatte er schon vorher eingebüßt.

Organisation Liberty: „Protest ist ein Grundrecht“

Auch in der englischen Universitätsstadt Oxford gab es eine Festnahme. Außerdem zeigten Videoaufnahmen aus London, wie die Polizei eine Frau mit einem Schild mit der Aufschrift „Not my King“ (auf Deutsch: „Nicht mein König“) vom Eingang des Parlament wegschickte.

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Jodie Beck von der Organisation Liberty sagte der BBC zufolge, es sei sehr beunruhigend, dass die Polizei ihre Befugnisse in einer hart durchgreifenden und bestrafenden Art und Weise nutze. „Die Möglichkeit zum Protest ist kein Geschenk des Staates, sie ist ein Grundrecht“, sagte Beck. Die Londoner Metropolitan Police wies auf die enorme Herausforderung für die Polizei bei den royalen Massenereignissen hin, versicherte jedoch auch, die Öffentlichkeit habe ein Recht auf Protest.

Staatsbegräbnis am Montag

Die Queen war am Donnerstag im Alter von 96 Jahren auf ihrem schottischen Landsitz Schloss Balmoral gestorben. Sie wurde zunächst von Balmoral nach Edinburgh überführt. Dort gab es am Montag eine Prozession, zu der auch der neue König angereist war.

Das Staatsbegräbnis, zu dem Hunderte Staats- und Regierungschefs, Angehörige von Königshäusern und andere Würdenträger in London erwartet werden, darunter US-Präsident Joe Biden und der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, soll am Montag (19.9.) sein.

Einem britischen Medienbericht zufolge erhielten zu dem Großereignis Vertreter von Russland und Belarus, gegen die Großbritannien wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zahlreiche Sanktionen erlassen hat, sowie das südostasiatische Myanmar keine Einladung. Die Nachrichtenagentur PA berichtete unter Berufung auf Regierungskreise außerdem, dass der Iran, zu dem die diplomatischen Beziehungen belastet sind, lediglich auf Botschafterebene vertreten sein solle.

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Tausende nehmen in Edinburgh Abschied von Queen Elizabeth II.

Totenwache in der St. Giles Kathedrale in Edinburgh. Hier ist der Sarg mit der verstorbenen britischen Königin Elizabeth II. bis Dienstagnachmittag aufgebahrt.

Mitten in der Nacht begann derweil in London eine Generalprobe für die Prozession des Sarges der Queen. Der Sarg soll am Mittwoch vom Buckingham-Palast zum Parlament gefahren werden, wo er für mehrere Tage in der Westminster Hall aufgebahrt werden soll. Noch vor Sonnenaufgang probten am Dienstag Tausende Soldaten in zeremonieller Uniform samt einer von sieben Pferden gezogenen Kutsche.

Anstelle des Sarges mit der am Donnerstag gestorbenen Königin wurde bei der Probe ein schwarzer Sarg auf der Kutsche platziert. Hinter der toten Queen sollen am Mittwoch der neue König Charles III. und andere Mitglieder der Royal Family herlaufen, die in der Nacht durch Statisten ersetzt wurden. Im Stadtzentrum Londons waren etliche Straßen für die Prozession gesperrt.

Entlang der Route haben – entgegen offiziellen Anweisungen – bereits einige hartgesottene Royalisten ihre Zelte aufgeschlagen, um sich eine gute Sicht auf das Geschehen zu sichern.

RND/dpa

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