George Floyd: Chronologie eines Falles, der die Welt erschütterte

Ein Bild von George Floyd steht an einer Gedenkstätte in Minneapolis.

Ein Bild von George Floyd steht an einer Gedenkstätte in Minneapolis.

Minneapolis. „I can’t breath“ („Ich kann nicht atmen“) fleht der Afroamerikaner George Floyd, während ein weißer Polizist auf dem Hals des Schwarzen kniet. Acht quälende Minuten lang. Videos, die den brutalen Polizeieinsatz festhalten und den Tod des 46-Jährigen dokumentieren, sorgen erst in den USA und dann weltweit für Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt. An diesem Montag (29. März) beginnt im Prozess gegen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin das Hauptverfahren wegen der Tötung des unbewaffneten Afroamerikaners. Eine Chronologie des Falles George Floyd.

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25. Mai 2020: Ein zunächst bei Facebook veröffentlichtes Video zeigt einen weißen Polizisten – später wird er als Derek Chauvin identifiziert –, der außerhalb eines Supermarktes in Minneapolis (US-Bundesstaat Minnesota) sein Knie auf den Hals von George Floyd drückt. „Ich kann nicht atmen“, sagt Floyd mehrfach. In der Aufnahme sind auch Augenzeugen zu hören: „Er bewegt sich doch gar nicht“ und „Wollen Sie Ihn umbringen?“, sagen sie. Floyd überlebt die brutale Festnahme nicht. Die Polizei spricht in einer Mitteilung zunächst von „medizinischen Problemen“, unter denen der Verdächtige, der Widerstand geleistet habe, litt. Aussagen, denen die Videoaufnahmen widersprechen.

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Noch am selben Abend gehen in Minneapolis Hunderte Demonstranten auf die Straße, sie skandieren „Stop killin’ black people“ („Hört auf, schwarze Leute zu töten“) oder „I am not a threat“ („Ich bin keine Bedrohung“). An einem Polizeirevier in der Nähe des Tatortes schlagen die Proteste in der Nacht in Gewalt um, die Polizei antwortet mit Tränengas und Blendgranaten, um die Menge zu zerstreuen.

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27. Mai 2020: In den ganzen USA, von New York an der Ostküste bis Los Angeles im Westen, gehen Menschen auf die Straße, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Sie erinnern auch an den Tod von Breonna Taylor, die bei einer Razzia in ihrer eigenen Wohnung erschossen wurde, und an den Fall Ahmaud Arbery, einen unbewaffneten Schwarzen, der beim Joggen in Georgia erschossen wurde.

Unterdessen zeigen sich auch zahlreiche US-Prominente und Sportstars erschüttert über den Tod von George Floyd. „Wie oft müssen wir Schwarze im TV sterben sehen?“, fragt beispielsweise Basketball­legende Magic Johnson.

28. Mai 2020: In Minneapolis und Umgebung schlagen die Proteste weiter in Gewalt um, Demonstranten stecken ein Polizeigebäude in Brand. Gouverneur Tim Walz aktiviert die Nationalgarde. Auch in anderen Teilen des Landes gehen die Proteste weiter.

29. Mai 2020: Vier Tage nach dem Tod von George Floyd wird gegen den Polizisten Derek Chauvin Anklage erhoben. Alle notwendigen Beweise lägen nun vor, der Polizist sei festgenommen worden und werde wegen Mordes und Totschlags angeklagt, sagt der zuständige Bezirks­staats­anwalt Mike Freeman bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz.

Während Minnesotas Gouverneur Walz bei einer emotionalen Pressekonferenz zusichert, dass die Justiz das Vorgehen der Beteiligten schnell untersuchen werde, gießt US-Präsident Donald Trump angesichts der landesweiten Proteste zusätzlich Öl ins Feuer: „When the looting starts, the shooting starts“, twittert Trump. Zu Deutsch in etwa: „Wenn ihr euch nicht zusammenreißt, dann wird geschossen.“

1. Juni 2020: Die Ergebnisse zweier Autopsien werden veröffentlicht. Eine unabhängige Autopsie ergibt, dass Floyd erstickte. Der auf seinen Hals und seinen Rücken ausgeübte Druck habe zum Erstickungstod geführt. Das Ergebnis steht in Widerspruch zur amtlichen Autopsie, der zufolge es „keine physischen Beweise“ gebe, „die die Diagnose einer traumatischen Erstickung oder Strangulation stützen“.

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2. Juni 2020: Nach dem Tod Floyds wird die Polizei in Minneapolis einer eingehenden Untersuchung wegen möglicher diskriminierender Praktiken unterzogen. Es ist die erste derartige Untersuchung in der Geschichte des Staates.

3. Juni 2020: Die Gerichtsmedizin des Bezirks Hennepin legt das finale Autopsie­ergebnis vor. Demnach war George Floyd mit dem Coronavirus infiziert, das habe bei seinem Tod aber keine Rolle gespielt. Floyd erlitt außerdem während der Festnahme einen Herzinfarkt. Die Gerichtsmediziner gehen von einem Tötungsdelikt aus.

Unterdessen klagt die Staatsanwaltschaft drei weitere an Floyds Festnahme beteiligte, mittlerweile entlassene Polizisten wegen Mittäterschaft an und lässt sie festnehmen. Die Anklage gegen Chauvin wird zudem verschärft. Er muss sich jetzt unter anderem wegen Mordes zweiten Grades verantworten.

8. Juni 2020: Derek Chauvin erscheint das erste Mal vor Gericht, seine Kaution wird auf eine Million Dollar festgesetzt.

9. Juni 2020: In seiner Heimatstadt Houston findet eine emotionale Trauerfeier für Goerge Floyd statt. Der designierte Präsidentschafts­kandidat Joe Biden meldet sich mit einer eindringlichen Videobotschaft zu Wort. Zu viele Schwarze in den USA „wachen auf und wissen, dass sie ihr Leben verlieren können, indem sie einfach ihr Leben leben“, sagt Biden. Im Anschluss an die Trauerfeier wird Floyd beigesetzt.

9. Juli 2020: Ein Gericht veröffentlicht die Abschriften der Dialoge, die von den Körperkameras der angeklagten Polizisten stammen. Nach diesen sagte Floyd mehr als 20-mal „Ich kann nicht atmen“. Die Mitschriften zeigen auch, dass Floyd offenbar von Anfang an verängstigt war.

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15. Juli 2020: Floyds Familie reicht Klage gegen die beschuldigten Polizisten und die US-Stadt Minneapolis ein. Den vier Beamten wirft sie vor, Floyds Grundrechte verletzt zu haben, als sie ihn bei seiner Festnahme brutal festhielten. Die Stadt Minneapolis beschuldigen die Kläger, in ihrer Polizei eine Kultur der exzessiven Gewalt­anwendung, des Rassismus und der Straflosigkeit für die Verantwortlichen existieren haben zu lassen.

7. Oktober 2020: Der wegen Mordes angeklagte ehemalige Polizist Derek Chauvin wird gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von einer Million Dollar aus der Haft entlassen. Woher das Geld für die Kaution kommt, ist zunächst unklar.

14. Oktober 2020: Menschen auf der ganzen Welt erinnern an George Floyd – an dem Tag wäre sein 47. Geburtstag gewesen. Kamala Harris twittert, dass Floyd noch immer am Leben sein und mit seiner Familie und seinen Freunden diesen Tag feiern sollte.

12. Januar 2021: Ein Richter ordnet an, dass der Hauptverdächtige Derek Chauvin ein separates Verfahren erhalten und nicht gemeinsam mit den drei weiteren angeklagten Polizisten vor Gericht stehen wird. Grund seien räumliche Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie.

5. Februar 2021: Minnesotas Gouverneur Tim Walz ordnet die Aktivierung der Nationalgarde zum Prozess gegen Chauvin an. Grund sind Befürchtungen, dass es am Rande des Verfahrens zu gewaltsamen Protesten kommen könne.

8. März 2021: Der Prozess gegen den Hauptangeklagten Derek Chauvin beginnt mit Anträgen zum Ablauf des Verfahrens. Den eigentlich vorgesehenen Anfang der zeitaufwendigen Auswahl der zwölf Geschworenen und vier Ersatzkandidaten verschiebt Richter Peter Cahill zunächst.

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11. März 2021: Richter Cahill lässt einen weiteren Anklagepunkt gegen Derek Chauvin zu. Der Vorwurf lautet auf Mord dritten Grades.

12. März 2021: Die Stadt Minneapolis einigt sich mit der Familie von George Floyd auf eine Zahlung von 27 Millionen Dollar (rund 22,6 Millionen Euro). Damit wird ein zivilrechtliches Verfahren zu dem Fall beigelegt.

23. März 2021: Die Auswahl der Geschworenen ist abgeschlossen. Verteidiger, Staatsanwälte und das Gericht in Minneapolis hatten zweieinhalb Wochen lang Dutzende Kandidaten befragt, um 15 möglichst faire und unvoreingenommene Jurymitglieder zu finden. Damit kann am Montag (29. März) das Hauptverfahren gegen Derek Chauvin mit den Eröffnungs­plädoyers beginnen.

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