Vulkan auf La Palma verstummt: Ist es der Anfang vom Ende?

Blick auf den Vulkan auf der kanarischen Insel La Palma.

Blick auf den Vulkan auf der kanarischen Insel La Palma.

Madrid. „Ob das Ding jetzt wirklich aus ist oder nicht, das wissen wir noch nicht“, sagt Rüdiger Wastl, ein Deutscher auf La Palma. „Bevor das nicht eine Woche lang komplett geschwiegen hat, traue ich dem Braten nicht.“

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„Das Ding“ ist der namenlose Vulkan, der vor knapp drei Monaten auf der kleinen Kanareninsel ausbrach. Seit diesem Montag schweigt er: kein Lärm, kaum Rauch, fast keine Lava. Wenn es in den vergangenen Wochen einmal für kurze Zeit ruhig blieb, erklärten die Vulkanologen: Solange der Schwefeldioxidausstoß nicht deutlich nachlässt und Stärke und Zahl der Erdstöße zurückgehen, ist noch kein Ende in Sicht. Jetzt ist beides geschehen. Vor zwei Wochen entließ der Vulkan noch 40.000 Tonnen Schwefeldioxid an einem Tag, und zu Beginn dieser Woche 5000 Tonnen. Am Montag wurden die Menschen in den Gemeinden rund um den Vulkan aufgefordert, wegen des Gasaustritts zu Hause zu bleiben. Dann auf einmal sank der Schwefeldioxidausstoß auf 100 Tonnen. Und die Seismografen registrierten Erdstöße wie in Vorvulkanzeiten.

Anwohner haben Hoffnung

Jeder regiert auf die gute Nachricht auf seine Weise. Rüdiger Wastl, dem der Vulkan gleich am ersten Tag sein Haus genommen hat, neigt zur Vorsicht. Er sagt das, was die Behörden und die Wissenschaftler sagen: Der Vulkan müsse eine Woche bis zehn Tage geschwiegen haben, um als erloschen erklärt werden zu können. 1949 war ein anderer Vulkan im Süden der Insel schon fünf Tage still gewesen, als er doch noch einmal Lava zu spucken begann – um sich dann aber endgültig zur Ruhe zu setzen. Das könnte auch in diesem Fall wieder geschehen. So oder so spricht zurzeit alles dafür, dass das Ende des Dramas nah ist.

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„Es gibt kein anderes Gesprächsthema auf der Insel“, sagt Thomas Klaffke, ein deutscher Resident. „Die meisten tragen eine Maske. Aber darüber siehst du die Augen blitzen, so wie lange nicht mehr, vor Freude und Hoffnung.“ Klaffkes Haus steht noch, aber Klaffke musste es gleich am ersten Tag verlassen, weil es in einem lavagefährdeten Gebiet lag. Schließlich hat es der Lavastrom verschont. Er ist bei einer Bekannten im Norden der Insel untergekommen. Aber jetzt ist er optimistisch: „Ich denke, in ein bis zwei Wochen bin ich hier weg. Noch dieses Jahr. Vielleicht sogar schon zu Heiligabend.“

Behörden noch zurückhaltend

Die Behörden sind vorsichtiger. In einer „mehr oder weniger nahen Zukunft“ werden die Menschen in ihre Häuser zurückkehren können, aber „nicht in Kürze“, sagt etwas verrätselt Ángel Morcuende von der kanarischen Vulkanschutzagentur Pevolca. Thomas Klaffke hätte gern, dass es schnell geht. Sein Haus ist sein Geschäft: Er vermietet dort drei Zimmer an Urlauber. „Ich brauche mindestens drei, vier Wochen, bis ich mein Haus wieder in den Griff bekomme. Und dann soll es auch wieder mit den Vermietungen weitergehen.“ Zu den persönlichen Hoffnungen kommen die für die ganze Insel: dass auch die Airlines bald wieder ihre Flüge nach La Palma aufnehmen. „Ich glaube, dass es schnell wieder aufwärtsgehen wird.“

Rund 7000 Menschen, fast ein Zehntel der Inselbevölkerung, haben nach dem Vulkanausbruch ihr Haus verlassen müssen und sind zumeist bei Freunden, manche auch in Hotels untergekommen. Die Lava hat gut zwölf Quadratkilometer besiedeltes Land unter sich begraben – das entspricht der Fläche des Dümmer Sees im Landkreis Diepholz – und rund 1600 Häuser zerstört. Für deren Bewohner ein neues Zuhause zu finden ist die größte Herausforderung für die Insel. Rüdiger Wastl hat mit Frau und Kind gerade ein neues Haus gefunden, zur Miete, „da können wir jetzt erst mal wohnen fürs nächste Jahr“. Der Vulkan ist nicht weit weg, „im Moment dünstet er wieder ein bisschen aus.“ Will heißen: Ein bisschen Rauch steigt noch auf, „aber nicht ansatzweise so viel wie vorher“. Der Vulkan ist ein schlafendes Raubtier. Hoffentlich für immer.

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