Party auch ohne Raketenstart: Das Saarland feiert Maurer

Elena und ihre Eltern betrachten bei der Launch-Party in der Heimatgemeinde von Astronaut Matthias Maurer ein älteres Modell einer Raumstation. Die 4000-Einwohner-Gemeinde ist schon seit Wochen im Weltraum-Fieber.

Elena und ihre Eltern betrachten bei der Launch-Party in der Heimatgemeinde von Astronaut Matthias Maurer ein älteres Modell einer Raumstation. Die 4000-Einwohner-Gemeinde ist schon seit Wochen im Weltraum-Fieber.

Oberthal. Eigentlich gab es nichts zu feiern. Noch nicht. Denn der für Sonntag vorgesehene Start des deutschen Esa-Astronauten Matthias Maurer zur Internationalen Raumstation ISS war kurzfristig auf nächsten Mittwoch verschoben worden. Doch Maurers Heimatgemeinde Oberthal im Saarland sah das mit der Start-Verlegung nicht so eng - und deklarierte ihre „Launch-Party“ kurzerhand zur „Pre-Launch-Party“ um. Viele Menschen waren am Sonntag schon morgens zu einer Feier in die Festhalle des 4000-Einwohnern Ortes gekommen.

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„Es soll ein Signal sein für Matthias Maurer: Seine Heimatgemeinde steht parat, sie drückt ihm jetzt schon die Daumen, damit am Mittwoch alles gut funktioniert“, sagte Bürgermeister Stephan Rausch. „Und das Gefühl und die Spannung, den Start der Mission zu erleben, das heben wir uns für Mittwoch auf.“ Der Start von Maurer (51) vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida zur Internationalen Raumstation ISS war wegen schlechten Wetters von Sonntag auf Mittwoch verschoben worden.

Saarland wirbt mit Maurers Namen

Eigentlich war auf der Party geplant gewesen, den Start von Maurer morgens live mitzuverfolgen. „Es ist schade, dass heute nicht der Start der Rakete sein wird. Aber mal ganz ehrlich: Sicherheit geht doch vor“, sagte der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), der auch gekommen war. Das ganze Saarland sei stolz darauf, dass Maurer als erster Saarländer ins Weltall fliege. Das Land wirbt auch mit dem Slogan „Der erste Maurer im Weltraum ist Saarländer“.

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Der Astronaut stammt aus dem Oberthaler Ortsteil Gronig mit 1300 Einwohnern. Er wird der zwölfte Deutsche im All sein - und der vierte Deutsche auf der ISS. Seine Mission in 400 Kilometern Höhe soll rund sechs Monate dauern. Regierungschef Hans sagte als High-Tech-Fan, er sei sich ganz sicher, dass der Flug von Maurer „uns noch einmal ganz erheblichen Schub an technologischer Innovation und neuen Wissen und großem Nutzen für unsere Gesellschaft mitbringt“.

Maurer berichtet, wie er Weihnachten plant

Am Nachmittag schaltete sich Maurer live aus den USA zur Feier in Oberthal dazu, schickte „herzliche Grüße“ und beantwortete viele Fragen aus dem Publikum. Unter anderem zu Weihnachten, das er auch auf der ISS feiern werde. „Wir haben einen kleinen Baum, der ist aus Plastik (...). Und unter diesem Baum werden wir dann auch Geschenke für die Kollegen verstecken und dann wird jeder die auspacken.“

Zuvor hatte er per aufgezeichneter Videobotschaft zu den Feiernden gesagt: „Meine alte Heimat im Saarland habe ich im Herzen immer mit dabei“, sagte er. „Auch wenn ich gerade ziemlich weit weg bin, freue ich mich natürlich sehr, dass heute so viele Leute zum Start ins schöne Oberthal gekommen sind.“ Auf dem Programm der Feier standen neben Ansprachen und Vorträgen von Experten auch Musik, eine Zaubershow und Raketenbauen für Kinder.

Maurer-Museum ist in Planung

Die Gemeinde ist seit Wochen im Weltraumfieber. In der Gemeinde wehen Fahnen von dem Astronauten und seiner Mission. Und an Bushaltestellen lacht Fahrgästen unter dem Motto „Aus Oberthal ins überALL“ Maurer entgegen. „Wir sind so stolz auf ihn“, sagte Rausch.

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So stolz, dass schon ein Maurer-Museum in Planung ist. Anfang nächsten Jahres solle dafür ein Verein gegründet werden, sagte Party-Hauptorganisator Siegfried Hans. Ein solches Museum könnte mehr Touristen, auch vom nahe gelegenen Bostalsee, anziehen. „Wir sehen eine große Chance für den Ort und den Landkreis, sich mal in einem anderen Licht darzustellen.“ Das Museum solle aber erst entstehen, wenn Maurer von seiner Mission zurück sei.

Auch danach wird Maurer noch von sich reden machen - sind sich die Oberthaler sicher. „Es wird noch Folgemissionen geben.“ Und Maurer selbst würde gerne noch höher hinaus: „Der Mond ist angedacht“, sagt Siegfried Hans, der eng mit dem Astronauten befreundet ist. Maurer sagte am Nachmittag in der Live-Schalte selbst, was sein großer Traum sei: „Auf den Mond zu fliegen und über den Mond zu laufen.“ Jürgen Schlutz, Experte bei der Esa für das Astronautentrainingsprogramm in Köln, sagte, er gehe davon aus, dass Maurer später auch bei weiteren Missionen eingesetzt werde.

Für die Rückkehr ist ebenfalls eine Party geplant

Die Festhalle wurde im Laufe des Tages immer voller. „Die Vorfreude ist da - und sie wird jetzt eben länger“, sagte Hans-Josef Scheid aus Gronig. Auch Hans-Josef Scholl, der mit Maurer mal im Studium in Saarbrücken in einer WG gewohnt hat, ist stolz auf Maurer: „Es ist eine ganz tolle Geschichte, wie er das alles geschafft hat.“ Fabian Schwarz (16) aus Theley meinte, er interessiere sich schon länger für Raumfahrt. „Da war das hier heute ein Muss.“

Der Landrat des Kreises St. Wendel Udo Recktenwald (CDU), sagte, man plane bereits zur Rückkehr von Maurer aus dem All eine „Welcome-back-Party“ für den Frühsommer. „Das Gute daran ist, dass man das besser planen kann als den Start“, sagte er lachend.

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RND/dpa

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