Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Schwerer S-Bahn-Unfall bei München: Signal für einen Zugführer zeigte Rot

Zwei aufeinandergeprallte S-Bahnen stehen an der Unfallstelle in der Nähe des Bahnhofs Ebenhausen-Schäftlarn.

Nach dem tödlichen S-Bahn-Unglück in Schäftlarn bei München haben Polizei und Staatsanwaltschaft über den Ermittlungsstand informiert. „Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen zeigte das Signal Richtung Norden Rot“, erklärte der Leitende Polizeidirektor Steffen Küpper bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Zuletzt hatte es bereits Spekulationen über menschliches Versagen als Unfallursache gegeben, nachdem der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Dienstag sagte, dass es keine Anzeichen für technisches Versagen gebe. Abgeschlossen seien die Ermittlungen aber noch nicht.

Durchsuchung bei einem Zugführer

„Einer der beiden Zugführer wird von uns als Beschuldigter geführt“, erklärte Anne Leiding, Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I. Der 54-Jährige wurde am Mittwoch erstmals vernommen. Bislang möchte er sich noch nicht äußern, ließ er über seinen Anwalt mitteilen. Die Wohnung des Beschuldigten wurde durchsucht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Beide Lokführer würden sich noch im Krankenhaus befinden, sagte Leiding. Die Fahrdienstleiter seien einer Alkoholkontrolle unterzogen worden. Diese sei negativ ausgefallen. Von beiden beteiligten Triebwagenführern wurden Blutproben genommen, die jedoch ebenfalls keinerlei Hinweise etwa auf Alkoholkonsum enthielten. Auch die Handys der beiden wurden sichergestellt.

Leiding erläuterte, dass die auszuwertende Datenmenge ähnlich groß sei wie nach einem Flugzeugabsturz. Deshalb brauche es Geduld, um die Ergebnisse der Ermittlungen abzuwarten. Als mögliche Straftatbestände nennt die Sprecherin die fahrlässige Tötung eines Menschen und die fahrlässige Körperverletzung zahlreicher Opfer. „Menschliches Versagen ist nicht gleichzusetzen mit vorsätzlichem Handeln. Da gibt es einen großen Unterschied in rechtlicher Hinsicht“, erklärte Leiding. Die rechtliche Würdigung könne aber erst nach weiteren Ermittlungen erfolgen, „wenn wir wissen, was wirklich passiert ist“, führt sie aus.

Beide Lokführer bremsten

Die Lokführer haben nach Angaben der Ermittler noch gebremst. Nach derzeitigem Stand habe der 54-jährige Lokführer nach dem Halt in Ebenhausen seine Fahrt Richtung München fortgesetzt und dabei vermutlich ein Haltesignal überfahren. Der 21-jährige Lokführer, der zum gleichen Zeitpunkt in entgegengesetzter Richtung auf der eingleisigen Strecke fuhr, habe deshalb ein Haltsignal erhalten und seine S-Bahn abgebremst. Auch der 54-Jährige habe nun eine Schnellbremsung eingeleitet. Den Zusammenstoß habe das aber nicht verhindern können.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Nach dem Unglück hat die Deutsche Bahn am Donnerstag mit der Bergung der Züge begonnen. Eine Spezialfirma rückte am Morgen mit einem Kran an. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk unterstützen die Aktion. Eine Diesellok brachte einen Gerätezug mit Spezialwerkzeugen. Zur Vorbereitung war bereits am Vortag der Fahrdraht der Oberleitung auf einer Länge von mehreren Hundert Metern abgebaut worden. Wie lange die Arbeiten dauern werden, sei noch offen, sagte ein Bahnsprecher.

Ein Toter und mehr als 40 Verletzte

Die beiden mit 95 Menschen besetzten Bahnen waren am Montagnachmittag im Berufsverkehr auf eingleisiger Strecke frontal zusammengestoßen. Ein 24-jähriger Fahrgast mit afghanischer Staatsangehörigkeit wurde getötet, wie Küpper erklärte. Insgesamt wurden mehr als 40 Menschen verletzt - sechs davon schwer. Unter den Schwerverletzten seien die beiden Zugführer.

18 Menschen kamen nach Polizeiangaben ins Krankenhaus. Etwa 25 weitere wurden leicht verletzt und konnten vor Ort behandelt werden. Rettungskräfte waren mit mehr als 800 Helfern im Einsatz, um den Passagieren aus den beiden Zügen zu helfen.

RND/nis mit dpa

Mehr aus Panorama

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen